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Aktuell Europa

Blutigste Kämpfe seit Februar erschüttern Ostukraine

Nach Wochen mit fast täglichen Scharmützeln eskaliert die Lage in der Ostukraine. Armee und Separatisten werfen sich gegenseitig den Bruch der Waffenruhe vor. Bei den Gefechten soll es etliche Todesopfer gegeben haben.

Ein Feuerwehrmann versucht in einem schwer getroffenen Marktgebäude in Donezk zu löschen (Foto: Reuters)

Ein Feuerwehrmann versucht in einem schwer getroffenen Marktgebäude in Donezk zu löschen

Fast vier Monate nach dem Friedensabkommen von Minsk spitzt sich die Lage in der Ostukraine wieder zu. Die Militärführung in Kiew warf den prorussischen Separatisten vor, eine große Offensive westlich von Donezk gestartet zu haben. Die Aufständischen hätten mit rund 1000 Kämpfern und mehr als zehn Panzern bei der Ortschaft Marjinka angegriffen. Das ukrainische Militär habe den Vorstoß mit schwerer Kriegstechnik abgewehrt, teilte der Generalstab in Kiew mit. Großkalibrige Geschütze hätten allerdings nach dem Friedensplan für den Donbass von Mitte Februar eigentlich ins Hinterland abgezogen sein müssen. Der Militärsprecher Andrej Lyssenko versicherte, die Armee habe die Lage nun unter Kontrolle.

Der Separatistensprecher Eduard Bassurin wies den Vorwurf einer Offensive zurück. Wladimir Kononow von den Separatisten fügte hinzu, beim Beschuss an der gesamten Frontlinie durch die ukrainische Armee seien mindestens 15 Menschen getötet worden. Mindestens 60 Menschen hätten Verletzungen erlitten.

Bergarbeiter verschüttet

Durch den Einschlag von Geschossen bei Donezk wurden nach Darstellung der Aufständischen mehrere Bergwerksstollen verschüttet. Insgesamt seien mehr als 900 Arbeiter unter Tage eingeschlossen, sagte Bassurin nach einer Meldung der Nachrichtenagentur Interfax.

Auch die Versorgungslage im Donbass verschlechtert sich weiter. Die Ukraine habe die Wasserleitungen zum Gebiet Luhansk fast komplett geschlossen, teilte der örtliche Betrieb Luhanskwoda mit. Die Aufständischen und Russland werfen der Ukraine eine Wirtschaftsblockade des abtrünnigen Donbass vor.

Jazenjuk attackiert Moskau

Der ukrainische Regierungschef Arseni Jazenjuk machte Russland für die jüngste Eskalation verantwortlich. Moskau habe die Separatisten angewiesen, vor dem Gipfel sieben führender Wirtschaftsnationen auf Schloss Elmau in Bayern einen Kampfeinsatz zu starten. "Ich erwarte, dass die Weltgemeinschaft auf dem G7-Gipfel der russischen Aggression eine richtige und angemessene Antwort gibt", sagte er bei einem Besuch auf einem Truppenübungsplatz.

Die Ukraine und die Separatisten hatten im Februar in Minsk unter internationalem Druck ein Friedensabkommen unterzeichnet. Seitdem hat die Gewalt zwar spürbar abgenommen, beendet wurde sie aber nicht. Die Umsetzung der Schritte, die in der weißrussischen Hauptstadt vereinbart wurden, kommt kaum voran. Insgesamt wurden in dem Konflikt in den vergangenen 14 Monaten nach UN-Angaben mehr als 6400 Menschen getötet und mehr als eine Million Menschen in die Flucht getrieben.

Lenin-Statue gestürzt

Mitglieder des ultranationalistischen Gruppe "Prawy Sektor" stießen unterdessen in der früheren Rebellenhochburg Slawjansk eine Lenin-Statue vom Sockel. "Wir sind gegen Symbole des Totalitarismus", sagte ein Sprecher von Prawy Sektor der Nachrichtenagentur AFP. "Lenin war ein internationaler Krimineller, ein Terrorist und Henker des ukrainischen Volkes." Das ukrainische Parlament hatte Anfang April mehrere Gesetze verabschiedet, die einen endgültigen Bruch mit der kommunistischen Vergangenheit des Landes herbeiführen sollen. Viele der Separatisten gelten als Anhänger der kommunistischen Ordnung in der früheren Sowjetunion und hegen daher großen Respekt für Lenin.

kle/uh (dpa, rtre, afp)

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