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Asien

Blutiges Ende

Die tamilischen Rebellen der Befreiungstiger von Tamil Eelam (LTTE) sind in Sri Lanka geschlagen worden. Damit ist der über 25 Jahre dauernde Bürgerkrieg mit mehr als 70.000 Toten erst einmal zu Ende.

Srilankische Soldaten neben einem Flugabwehrgeschütz der Tamil Tigers( Foto: AP /Sri Lanka Army)

Srilankische Soldaten erbeuten Waffen der LTTE

Der Triumph der Armee bietet Stoff zum Nachdenken für alle Seiten. Es gibt, wenn auch selten, militärische Lösungen für jahrelange Bürgerkriege, selbst bei einem derart starken und fanatischen Gegner wie der "Befreiungstiger von Tamil Eelam (LTTE)". Das muss im Grunde allen Rebellen-Bewegungen zu denken geben, die Bürgerkrieg einfach als Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln ansehen. Wer nicht rechtzeitig zu Kompromissen bereit ist, mag irgendwann feststellen, dass es zu spät geworden ist zu verhandeln.


Es gibt wenig Grund, der LTTE nachzutrauern. Sie war es, die in Südasien Selbstmordanschläge eingeführt hat, lange bevor islamistische Terror-Gruppen diese Form des Kampfes übernahmen. Sie hat zahllose Zivilisten auf dem Gewissen und systematisch Kindersoldaten rekrutiert. Die LTTE hatte eine straffe Kommando-Struktur mit einem Personenkult um den Anführer Velupillai Prabhakaran und null Toleranz für abweichende Positionen unter den Tamilen. Ihr Fanatismus und Kontroll-Wahn ist ihr in gewisser Weise zum Verhängnis geworden, denn es war die Abspaltung des wichtigen Rebellen-Führers Karuna, die die Tiger entscheidend schwächte.


Die Schattenseiten des Sieges

Aber um welchen Preis ist der Sieg über die Tiger zustande gekommen? Das ist die Frage, der sich Sri Lanka stellen muss. Erst langsam, über Wochen, wird klar werden, wie viele Zivilisten bei der Militäroffensive getötet wurden, wie viele verstümmelt oder traumatisiert sind. Dann hat das Gift des Fanatismus die singhalesische Mehrheit genauso erfasst, wie die Tamilen. In den vergangenen Monaten hat sich immer mehr eine Atmosphäre der Einschüchterung und Intoleranz über Sri Lanka gelegt. Das ließ sich wohl nirgendwo so deutlich beobachten, wie bei den Medien, die unter einer totalen Nachrichtensperre aus dem Kriegsgebiet litten, und deren kritische Vertreter attackiert oder gar ermordet wurden.

Wenn aus dem Ausland jetzt gefordert wird, dass Präsident Rajapakse auf die Tamilen zugehen solle, dass Versöhnung stattfinden müsse, ist das zwar richtig – aber in der derzeitigen illiberalen und verbitterten Atmosphäre bedarf es gewaltiger Anstrengungen von vielen Seiten, um erstens Demokratie und Bürgerrechte zurückzuerobern und zweitens das Vertrauen neu aufzubauen zwischen den polarisierten Volksgruppen. Das ist für ausländische Beobachter umso bitterer, als es vor nicht allzu langer Zeit bereits einen gar nicht so schlecht funktionierenden Friedensprozess in Sri Lanka gegeben hatte, damals noch unter Beteiligung der LTTE. Vor allem skandinavische Länder waren sehr engagiert als Vermittler und Überwacher des Waffenstillstands. Dass besonders die srilankische Regierung den Weg des Dialogs beendet hat und sich für die militärische Lösung entschloss, ist auch eine schwere Niederlage für Europa.

Viele offene Fragen

Die aktuelle Zäsur ist somit auch für die internationale Gemeinschaft und die EU eine Herausforderung zur Reflexion: Warum hat die massive internationale Hilfe für die Tsunami-Opfer in Sri Lanka eher die Fronten verhärtet, während sie im indonesischen Aceh den Friedensprozess in Gang gesetzt hat? Hat Europa in den vergangenen Monaten wirklich klar genug Stellung bezogen? Oder war Sri Lanka unwichtig, weil der Krieg dort unsere strategischen Interessen nicht tangiert hat? Hat Europa einfach einmal mehr die Grenzen seines Einflusses zu spüren bekommen? Immerhin hat sich die srilankische Regierung ja immer deutlicher jede Einmischung von außen verbeten, kritische Diplomaten offen attackiert und klar gemacht, dass man Wirtschaftshilfe auch aus anderen Weltregionen bekommen könne. Die Beziehungen zwischen Europa und Sri Lanka sind dadurch belastet.

Europa wird sicher bereit sein, Hilfe zu leisten beim Wiederaufbau in Sri Lanka. Aber es würde uns gut tun, auch eine Weile über mögliche Lektionen aus der Geschichte nachzudenken.

Autor: Thomas Bärthlein
Redaktion: Esther Broders