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Aktuell Welt

Blutiges Ende einer Demonstration gegen Putin

Einen Tag vor Putins Amtseinfühung gingen die Menschen in zahlreichen Städten auf die Straßen. Der Protest eskalierte, es gab viele Verletzte und Festnahmen. Der neue, alte Präsident zeigt sich unbeeindruckt.

Seine Rückkehr in den Kreml will er ordentlich feiern - eine Zeremonie mit 30 Salutschüssen und der Segen des russisch-orthodoxen Partiarchen Kirill gehören dazu, wenn noch Regierungschef Wladimir Putin und Präsident Dmitri Medwedjew die Posten tauschen.

Einen Tag vor der Amtseinführung des neuen, alten Präsidenten sind am Sonntag zahlreiche Putin-Gegner und Oppositionelle auf die Straßen in ganz Russland gegangen, um für mehr demokratische Freiheiten zu demonstrieren. Sie sind wütend über die zwölfjährige Dominanz des 59-Jährigen in der russischen Politik.

Russische Polizeieinheiten sind während der Kundgebung in Moskau gegen gewaltbereite Regierungsgegner vorgegangen. Augenzeugen sprachen von blutigen Szenen im Stadtzentrum. Die Polizei sprach von 400 Festnahmen. In Gewahrsam kamen auch Ex-Vize-Regierungschef Boris Nemzow, der Internetblogger und Anwalt Alexej Nawalny sowie der linke Oppositionspolitiker Sergej Udalzow. Ihnen droht jeweils eine Arreststrafe von 15 Tagen. Bei einem Unglück am Rande der Kundgebung starb ein Mann, der aus einem Haus heraus Fotos von der Kundgebung machen wollte, dabei aber das Gleichgewicht verlor und in die Tiefe stürzte.

Unmut über politisches Führungsduo

In Wladiwostock, weit im Osten Russlands, begannen am Sonntag die ersten Demonstrationen. Die Teilnehmer zogen mit Plakaten mit der Aufschrift "Putin ist nicht unser Präsident" auf den zentralen Platz. Die Proteste zogen sich weiter westwärts durch viele Städte im ganzen Land bis in die Hauptstadt Moskau, wo die Oppositionsbewegung mit dem Slogan "Wandel erfordert Solidarität" auf einem orangenen Banner durch das Stadtzentrum zog. Das berichtete das regierungskritische Internetportal kasparov.ru. Bei der als "Marsch der Millionen" angemeldeten Protestaktion nahmen den Organisatoren zufolge Zehntausende Menschen teil.

Andere unabhängige Medien hatten zuvor berichtet, dass Hunderte Aktivisten davon abgehalten worden seien, in die russische Hauptstadt zu reisen. Die Polizei habe Busse angehalten und die Fahrzeugpapiere eingezogen. Die Moskauer Stadtverwaltung schloss zudem zwölf Metro-Stationen in Laufweite zur geplanten Strecke des Protestmarsches - offiziell zur Vorbereitung der Parade zum Ende des Zweiten Weltkriegs am 9. Mai.

Am Abend vor der Amtseinführung wollte Putins Lager eine eigene Gegenkundgebung abhalten, bei der die russische Führung mit etwa 50.000 Teilnehmern rechnete. Dazu aufgerufen hatte die Gesamtrussische Volksfront (ONF), ein Zusammenschluss von Kreml-treuen Verbänden, Unternehmen und Gewerkschaften.

Protestmarsch mit einem großen Plakat Ohne Putin (Foto: picture-alliance/dpa)

"Ohne Putin" - Protestmarsch in Moskau

Putins Lust an der Macht

Putin kehrt an diesem Montag nach vier Jahren im untergeordneten Amt des Regierungschefs zum dritten Mal nach 2000 und 2004 in den Kreml zurück. Eine weitere Amtszeit hintereinander durfte er damals laut Verfassung nicht antreten. Bei der von Manipulationsvorwürfen überschatteten Wahl am 4. März war er mit 63,6 Prozent der Stimmen gewählt worden.

nis/pg (rtr, dpa, afp, dapd)