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Europa

Blutiges Ende der Geiselnahme im Kaukasus

In der südrussischen Stadt Naltschik haben Polizeieinheiten die Geiselnahmen gewaltsam beendet. Insgesamt kamen fast 150 Menschen ums Leben.

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Russische Truppen in Naltschik

Rund 24 Stunden nach Beginn der Kämpfe in der russischen Kaukasusrepublik Kabardino-Balkarien haben Sicherheitskräfte am Freitagmorgen (14.10.2005) eine Polizeistation gestürmt, in der Extremisten mehrere Geiseln festhielten. Die Terroristen seien bei einem Fluchtversuch erschossen worden, teilte ein Behördensprecher nach Angaben der Nachrichtenagentur Interfax mit. Eine Gruppe von Geiseln sei aus dem Gebäude geholt worden, in dem sie über Nacht gefangen gehalten worden war.

Auch eine zweite Geisel-Gruppe sei befreit worden, die in einem Souvenirladen im Stadtzentrum festgehalten worden sei. In dem Geschäft hielten die Rebellen laut Nachrichtenagenturen mehrere Frauen gefangen. Die Sicherheitskräfte hätten diese unter Einsatz schwerer Waffen befreit.

Groß angelegte Offensive

Terror im Kaukasus, Naltschik

Mindestens 100 Rebellen hatten am Donnerstag Anschläge auf Polizeigebäude und das Innenministerium in Naltschik verübt. Nach offiziellen Angaben kamen bei den mehr als einen Tag andauernden Kämpfen 91 Rebellen, 24 Polizisten sowie mindestens 12 Zivilisten ums Leben. In den Krankenhäusern von Naltschik wurden am Freitag noch 100 Menschen behandelt. Die meisten erlitten Schussverletzungen.

Putin: Kämpfer auslöschen

Russlands Staatschef Wladimir Putin hatte sich am Vortag eingeschaltet und den russischen Sicherheitskräften befohlen, die Kämpfer "auszulöschen". Mit dem zügigen Eingreifen reagierte Putin auf Kritik nach dem Geiseldrama von Beslan im vergangenen Jahr. Damals starben mehr als 330 Menschen, nachdem tschetschenische Rebellen eine Schule überfallen und besetzt hatten. Russland wurde für das späte Eingreifen heftig kritisiert. Es bleibt abzuwarten, ob sich auch nach dem Einsatz in Naltschik kritische Stimmen zu Wort melden - etwa mit der Frage, warum die Sicherheitskräfte dem Überfall nicht vorbeugen konnten.

Beginn einer neuen Großoffensive?

Kabardino-Balkarien ist moslemisch geprägt und liegt westlich des Krisenherds Tschetschenien, wo Rebellen seit mehr als einem Jahrzehnt um ihre Unabhängigkeit kämpfen. Der Rebellen-Anführer Ahmed Sakajew setzte mit den jüngsten Angriffen seine Drohung um, den Kampf gegen Russland auf alle Kaukasus-Republiken auszuweiten. Sakajew sagte der Nachrichtenagentur Reuters, der Überfall in Naltschik sei erst der Beginn einer neuen Rebellen-Offensive. Russland müsse mit weiteren Anschlägen rechnen. "Das ist definitiv", sagte Sakajew. (mas)

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