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Politik & Gesellschaft

Blutiger Sektenterror in Nigeria

Einen Tag nach der blutigen Anschlagsserie in der Stadt Kano steigt die Zahl der Todesopfer immer weiter. Die radikale Sekte Boko Haram bekannte sich zu den Taten und sprach von Vergeltungsschlägen.

Retter in den Trümmern ausgebrannter Fahrzeuge (Foto: dpa)

Der islamistische Terror hat Nigeria zunzehmend im Griff

Die Millionenstadt Kano im Norden Nigerias war am Freitag von mindestens 20 Explosionen erschüttert worden, gefolgt von Feuergefechten. Laut Polizei wurden bei der koordinierten Angriffsserie insgesamt acht Orte attackiert. Darunter waren demnach das Polizeihauptquartier, mehrere Polizeiwachen, die Residenz eines Polizeioffiziers und die Einwanderungsbehörde. Mindestens zwei der Anschläge sollen von Selbstmordattentätern verübt worden sein. Stundenlang standen zahlreiche Gebäude in Flammen. Die Behörden verhängten eine Ausgangssperre.

Opferzahl könnte weiter steigen

Bergung der Opfer in Kano (Foto: reuters)

Bergung der Opfer in Kano

Inzwischen ist die Zahl Todesopfer auf mindestens 178 gestiegen. Das sagte ein Arzt im größten Krankenhaus Kanos, der insgesamt mit noch mehr Opfern rechnet. "Wir haben 178 getötete Menschen in den beiden größten Krankenhäusern", sagte der leitende Arzt des Murtala-Mohammed-Hospitals. Er berief sich auf die Daten seiner Klinik und eines anderen Krankenhauses der Region. Da noch nicht alle Leichen eingeliefert seien, werde die Zahl der Opfer noch höher liegen, sagte er.

Radiale Islamisten sprechen von Vergeltung

Die radikal-islamische Sekte Boko Haran bekannte sich telefonisch bei mehreren nigerianischen Medien zu den Anschlägen und bezeichnete sie als "Vergeltungsmaßnahmen" dafür, dass die Regierung sich geweigert habe, inhaftierte Sektenmitglieder freizulassen. Die Terroristen tragen ihre Botschaft im Namen. "Boko Haram" heißt übersetzt in etwa "Die westliche Lehre ist Sünde". Die radikale Sekte will den Vielvölkerstaat Nigeria mit seinen mehr als 160 Millionen Einwohnern dem islamischen Recht der Scharia unterwerfen. Jeglichen westlichen Lebensstil sowie das Christentum lehnen die Anhänger von Boko Haran strikt ab. Die meisten Sektenmitglieder stammen aus dem muslimisch geprägten Norden des Landes. Im ölreichen Süden Nigerias sind die Christen in der Mehrheit.

Seit langem leidet Nigeria unter den Terroranschlägen der Islamisten. Während der Weihnachtstage und Anfang Januar waren bei mehreren Bombenanschlägen und Überfällen auf christliche Kirchen im Norden des Landes Dutzende Menschen getötet worden. Präsident Goodluck Jonathan hatte vorübergehend den Ausnahmezustand über vier Regionen verhängt und die Grenzen zu Nachbarländern schließen lassen.

Westliches Ausland reagiert schockiert

Bundesaußenminister Guido Westerwelle verurteilte die Anschläge als "große Gefahr für den inneren Frieden" in Nigeria. "Alle Verantwortlichen sind dringend aufgerufen, das Recht auf freie Religionsausübung und religiöse Toleranz entschieden zu verteidigen", erklärte der FDP- Politiker. Extremistengruppen müsse "so schnell wie möglich das Handwerk gelegt werden". Auch Frankreich und Großbritannien verurteilten die terroristischen Anschläge.

Autorin: Ulrike Quast/Pia Gram (rtr,afp,dpa)
Redaktion: Marko Langer

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