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Aktuell Nahost

Blutiger Anschlag auf Synagoge in Jerusalem

Bei einem Attentat auf eine Synagoge in Jerusalem sind mehrere Menschen getötet und verletzt worden. Nach Angaben der Behörden töteten herbeigerufene Polizisten die beiden Angreifer.

Die israelische Polizei teilte mit, zwei mutmaßlich arabische Angreifer hätten Betende in dem Gotteshaus im Jerusalamer Stadtteil Har Nof mit Messern und Äxten angegriffen. Mindestens vier Israelis seien getötet worden. Mindestens sechs Menschen hätten Verletzungen erlitten und seien in Krankenhäuser gebracht worden. Alarmierte Polizisten hätten die beiden Palästinenser nach einem kurzen Feuergefecht getötet. Ein Polizeisprecher sagte, man betrachte die Tat als "terroristischen Angriff".

Die zwei Angreifer sollen aus dem arabischen Ostteil Jerusalems stammen. Palästinensische Medien berichteten, es handele sich um Udai Abu Dschamal und Ghassan Abu Dschamal. Die Cousins kämen aus dem Viertel Dschabal al-Mukaber in Ost-Jerusalem. Die israelische Polizei geht nach ersten Berichten davon aus, dass es sich um einen Anschlag von Einzeltätern handelt, die nicht von einer Terrororganisation beauftragt wurden. Viele israelische Sicherheitskräfte seien im Bereich ihrer Wohnhäuser in Ost-Jerusalem im Einsatz, hieß es.

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Anschlag in Jerusalem - Tania Krämer in Jerusalem

Die radikalislamischen Organisationen Hamas und Islamischer Dschihad bezeichneten den Anschlag auf die Synagoge als Vergeltung für den Tod eines palästinensischen Busfahrers, dessen Leiche am Sonntagabend in Ost-Jerusalem entdeckt worden war. Während Polizei und Gerichtsmediziner von einem Suizid ausgehen, berichteten ein Kollege und ein Bruder des Mannes von Gewaltspuren, die auf einen Mord hindeuteten. Der Vorfall hatte am Montag neue Spannungen in Jerusalem ausgelöst. Am Dienstag hieß die Hamas den Anschlag auf die Synagoge gut und rief zu weiteren "Racheaktionen" auf.

Streit um Tempelberg

Die Lage in Nahost hatte sich in den vergangenen Wochen zugespitzt, insbesondere in Ostjerusalem und am Tempelberg. Anlass waren Bestrebungen ultranationalistischer Juden, sich ein Gebetsrecht vor der Al-Aksa-Moschee zu erstreiten. Wegen der Auseinandersetzungen war das Tempelberg-Areal Ende Oktober erstmals seit Jahren vollständig abgeriegelt worden.

Das jüngste Attentat ist das jüngste in einer ganzen Serie von Anschlägen in den vergangenen Wochen, bei denen unter anderem Israelis absichtlich überfahren wurden. Der Angriff am Dienstag war der schwerste Vorfall dieser Art in Jerusalem seit 2008, als ein Palästinenser acht Menschen in einer Religionsschule erschossen hatte.

Kontroverse Reaktionen

Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat Palästinenserpräsident Mahmud Abbas vorgeworfen, für den neuen Anschlag in Jerusalem mitverantwortlich zu sein. Der Angriff zweier Palästinenser auf die Synagoge in Har Nof sei "das direkte Ergebnis der Hetze von Hamas und Abu Masen (Abbas), die von der internationalen Gemeinschaft auf unverantwortliche Weise ignoriert wird", erklärte Netanjahu. "Wir werden mit harter Hand auf den grausamen Mord an Juden reagieren, die beten wollten und die von heimtückischen Mördern getötet wurden", sagte er.

Kurz darauf verurteilte Palästinenserpräsident Mahmud Abbas den tödlichen Anschlag. "Die palästinensische Präsidentschaft hat die Tötung von Zivilisten auf beiden Seiten zu jeder Zeit verurteilt. Heute verurteilen wir die Tötung von Betenden in einer Synagoge in Westjerusalem", erklärte Abbas.

Israelische Sicherheitskräfte durchsuchen die Umgebung der Synagoge in Jerusalem (Foto: Reuters)

Israelische Sicherheitskräfte durchsuchen die Umgebung der Synagoge in Jerusalem

Auch US-Außenminister John Kerry verurteilte die Bluttat als Terrorakt und sinnlose Brutalität. Er rief die Palästinenserführung auf, die Tat auf das Schärfste zu verdammen und Führungsstärke zu beweisen, um die Region auf einen neuen Weg zu führen. "Diese Gewalt hat nirgends einen Platz", sagte Kerry bei einem Treffen mit seinem britischen Kollegen Philip Hammond in London. Der Brite äußerte sich besorgt über die wachsenden Spannungen in Jerusalem. Beide Konfliktparteien müssten alles unternehmen, damit die Lage deeskaliert wird.

Der deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier warnte nach dem Attentat vor einer neuen Spirale der Gewalt. "Dass Gotteshäuser zum Schauplatz von tödlichen Angriffen auf unschuldige Gläubige werden, ist eine schreckliche Grenzüberschreitung in einer ohnehin extrem angespannten Lage", sagte Steinmeier in Kiew. Die Überlagerung mit religiöser Konfrontation gebe dem Nahost-Konflikt eine "neue gefährliche Dimension". Der SPD-Politiker fügte hinzu: "Ich hoffe, dass das nun auch ein lauter Weckruf ist."

kle/uh (dpa, rtre, ape)

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