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Aktuell Afrika

Blutiger Angriff auf Luxushotel in Tripolis

Bewaffnete Kämpfer haben in einem Hotel in Libyens Hauptstadt mindestens neun Menschen getötet. Unter den Opfern befinden sich fünf Ausländer. Hinter dem Angriff steckt offenbar ein Ableger der IS-Terrormiliz.

Das erste Opfer gab es nach Angaben der Sicherheitskräfte, als vor dem internationalen Hotel "Corinthia" (Artikelbild) am Dienstag in den frühen Morgenstunden ein mit Sprengstoff präpariertes Auto explodierte. Danach hätten drei maskierte Männer das Hotel gestürmt und sofort wahllos das Feuer eröffnet. Den Angaben zufolge gelangten sie bis ins 24. Stockwerk, wo sie umzingelt wurden und sich selbst in die Luft sprengten. Die 24. Etage ist für diplomatische Vertreter Katars reserviert. Zum Zeitpunkt des Attentats hielt sich aber niemand dort auf.

Das Gros der Hotelgäste konnte durch den Hinterausgang fliehen. Unter den Toten befinden sich zwei libysche Wachleute und fünf Ausländer. Es handelt sich um einen US-Bürger, einen Franzosen, einen Südkoreaner und zwei philippinische Frauen. Mindestens fünf weitere Personen wurden verletzt.

Im "Corinthia" wurden in der Vergangenheit häufig Diplomaten untergebracht. Das Hotel war 2013 schon einmal angegriffen worden. Damals wurde dort der ehemalige Regierungschef Ali Seidan entführt.

IS bekennt sich zum Anschlag

Nach Angaben der Sicherheitsbehörden befand sich der Chef der international nicht anerkannten islamistischen Regierung von Tripolis, Omar al-Hassi, in dem Gebäude, als der Angriff am Dienstagmorgen begann. Er sei aber in Sicherheit gebracht worden. Die Regierung sprach von einem "Mordanschlag" auf al-Hassi. Sie macht Anhänger des ehemaligen Machthabers Muammar al-Gaddafi für den Angriff verantwortlich.

Das auf die Beobachtung islamistischer Webseiten spezialisierte US-Unternehmen Site teilte hingegen mit, die Dschihadistengruppe "Islamischer Staat" (IS) in Libyen habe sich zu dem Anschlag bekannt. In einer Botschaft auf Twitter habe der IS-Arm in Tripolis erklärt, dass seine Mitglieder das Hotel erstürmt hätten. Die Gruppe brachte den Anschlag in Zusammenhang mit der Ergreifung des mutmaßlichen Al-Kaida-Terroristen Nazih Abdul-Hamed al-Ruqai durch US-Spezialeinheiten in Tripolis im Oktober 2013. Der auch als Abu Anas al-Libi bekannte Mann war einer der meistgesuchten Terroristen der Welt. Er soll an den Anschlägen auf die US-Botschaften in Kenia und Tansania beteiligt gewesen sein.

Gespaltenes Land

Seit dem Sturz des langjährigen Machthabers Muammar al-Gaddafi kommt Libyen nicht zur Ruhe. Mehrere Fraktionen liefern sich blutige Kämpfe um einzelne Gebiete und Städte. Zwei rivalisierende Regierungen streiten um die Vorherrschaft. Tripolis steht derzeit unter Kontrolle des Bündnisses Fadschr Libya (Lybische Dämmerung), eines Zusammenschlusses islamistischer und anderer Milizen. Fadschr Libya hatte die Hauptstadt im Sommer erobert und eine eigene Regierung und ein eigenes Parlament unter Führung al-Hassis errichtet. Die International anerkannte Regierung um Ministerpräsident Abdullah al-Thani und das gewählte Parlament sind nach Tobruk im äußersten Osten des Landes geflohen.

sp/gmf (rtr, afp. dpa)