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Aktuell Nahost

Blutige Unruhen nach Todesurteilen

Die gereizte Stimmung ist nach einer Gerichtsentscheidung weiter eskaliert: Nach dem Todesurteil gegen 21 Angeklagte wegen der blutigen Fußballkrawalle von Port Said im vorigen Jahr kam es zu blutigen Ausschreitungen.

Ägyptische Fußballfans sind nach den Todesurteilen in Aufruhr (Foto: Mohammed Abed/AFP/Getty Images)

Ägypten Gericht Todesurteil Fußball Krawall Port Said Massaker

Kaum war das Urteil gesprochen, brachen in Port Said neue schwere Unruhen aus. Angehörige der Verurteilten versuchten mit Gewalt, das Gefängnis zu stürmen, in dem ihre Verwandten inhaftiert sind. Mindestens 27 Menschen wurden getötet, rund 200 Personen verletzt, wie das Gesundheitsministerium bekanntgab.

Ägyptens Präsident Mohammed Murrsi sagte wegen der aktuellen Krise in seinem Land die Teilnahme am Afrika-Gipfel in Äthiopien ab und beriet sich mit seinen Ministern für Verteidigung, Justiz und Information über das weitere Vorgehen. In einer anschließend vom Staatsfernsehen übertragenen Erklärung des Rates zur Verteidigung des Landes hieß es, dass alle verfassungsgemäßen Maßnahmen zur Herstellung der Sicherheit ergriffen werden sollten. Dies könne auch Ausgangssperren und die Ausrufung des Notstands bedeuten.

Zuvor hatte ein Gericht in Kairo 21 Personen zum Tode verurteilt. Die Richter sahen es als erwiesen an, dass sie für die blutigen Stadionkrawalle im vergangenen Jahr verantwortlich waren. Die Anklage lautete: vorsätzlicher Mordes und illegales Tragen von Waffen.

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Über 70 Tote nach Fußballspiel ( 02.02.2012)

Der Richterspruch war live im Fernsehen übertragen worden. Er muss noch vom Großmufti bestätigt werden. Anfang März werden die Urteile gegen weitere 54 Angeklagte erwartet.

Vor rund einem Jahr waren nach einem Spiel der Fußballvereine Al-Ahli und Al-Masri in Stadt Port Said mehrere hundert Fans auf den Platz gestürmt und aufeinander losgegangen. Auf der Tribüne wurden Feuerwerkskörper gezündet. Bei einer anschließenden Massenpanik kamen 74 Menschen ums Leben, Hunderte wurden verletzt.

In den Tagen danach folgten landesweit Protestaktionen gegen den Missbrauch des Fußballs durch politische Institutionen. Dabei kamen weitere 16 Menschen ums Leben.

Den Sicherheitskräften war damals vorgeworfen worden, sie hätten die Täter gewähren lassen, um die Anhänger des Kairoer Clubs Al-Ahli zu bestrafen. Diese hatten während der Proteste gegen den langjährigen autokratischen Machthaber Husni Mubarak eine wichtige Rolle gespielt.

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Ägypten: Todesstrafe für Fußball-Randalierer

Dementsprechend war das Urteil an diesem Samstag mit Spannung erwartet worden. Al-Ahli-Fans und Angehörige der Opfer begrüßten das Urteil noch im Gerichtssaal mit dem Ausruf "Allahu Akbar, Gott ist groß". Als Ultras bekannte Fans hatten im Vorfeld mehrfach gewaltsam für eine hohe Bestrafung der Täter demonstriert und angedroht, weiteres "Chaos" in Kairo zu verbreiten.

Die Stimmung in Ägypten ist ohnehin wieder extrem aufgeheizt. Am Freitag, dem zweiten Jahrestag des Aufstands gegen Mubarak, fanden landesweit Proteste gegen die neue islamistische Regierung von Präsident Mohammed Mursi statt. 

Bei Ausschreitungen kamen mindestens sieben Menschen ums Leben, fast 500 wurden verletzt. In der Stadt Suez, in der es besonders schwere Proteste gab, zogen Panzerfahrzeuge auf.

uh/re/wl/gmf (afp,dpa,dapd)

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