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Welt

Blutige Ostern in Bagdad

Bei Terroranschlägen im Irak sind am Osterwochenende über 50 Menschen getötet worden. Für die seit Monaten zunehmende Gewalt ist unter anderem die Terrorgruppe ISIS verantwortlich, der Al-Kaida nicht radikal genug ist.

Selbstmordanschlag in Bagdad am 20.04.2014

Ein irakischer Polizist am Tatort der Imam Kadhim Universität in Bagdad

Youssefs Angst war berechtigt, als er beschloss, die

Ostertage nicht in Bagdad zu verbringen.

Denn erneut wurde sein Viertel von folgenschweren Bombenanschlägen heimgesucht. Dura liegt am Ostufer des Tigris, im Süden von Bagdad. Dort ist der 38-Jährige aufgewachsen, dort ist sein Zuhause. Doch es wird immer schwieriger dort zu leben.

Einst wohnten hier alle Volksgruppen Iraks beieinander: Schiiten, Sunniten, Christen, Araber, Kurden, Assyrer. Das Miteinander gehört der Vergangenheit an. Youssef und seine Familie sind christliche Assyrer. So wie der Nachbarbezirk Karrada verzeichnet auch Dura viele Kirchen. Die meisten Christen der irakischen Hauptstadt wohnen in diesen beiden Stadtvierteln.

Christen stehen zwischen den Fronten

Als 2006 der Bürgerkrieg in Bagdad begann, drei Jahre lang die irakische Hauptstadt verwüstete, Schiiten und Sunniten Feinde wurden und sich gegenseitig umbrachten, gerieten auch die Christen ins Kreuzfeuer der sektiererischen Auseinandersetzungen. Durch eine Mauer quer durch Dura versuchte man die beiden Religionsgruppen auseinanderzuhalten - vergebens. Die Kämpfe wurden immer härter. Sunnitische Moscheen brannten, schiitische Husseinijas wurden bombardiert und auch vor den christlichen Kirchen machte der Terror nicht Halt.

Schließlich zogen viele Schiiten aus Dura weg, Sunniten und Christen blieben. Deshalb ist es schwer zu sagen, ob die Anschläge an Ostern den Christen galten oder die Vermutung sich bewahrheitet, dass es sich dabei um eine Vergeltungsaktion schiitischer Milizen für Anschläge sunnitischer Gruppen handelte. So wie an Weihnachten, als Sprengsätze auf einem Markt in Dura explodierten und eine Autobombe Christen beim Verlassen der Weihnachtsmesse tötete.

Karakosh, in der irakischen Provinz Ninewa

Wenn er es in Bagdad nicht mehr aushält, reist Youssef in die von überwiegend Christen bewohnte Stadt Karakosh

Je näher die Parlamentswahlen rücken, desto nervöser die Stimmung

Dass bis jetzt noch niemand die Verantwortung für die neuerlichen Anschläge übernahm, deutet auf eine Schiitenmiliz als Urheber hin. Während die sunnitischen Terrororganisation, allen voran Al-Kaida und jetzt auch ISIS (Islamischer Staat im Irak und Syrien), Bekennerschreiben auf einschlägigen Webseiten platzieren und sich mit ihren Taten brüsten, bleibt die Identifikation des schiitischen Terrors ohne klare Definition. Beobachter verweisen darauf, dass die Gewalt diverser Terror-Banden darauf abzielt, die Regierungstruppen zu schwächen und zugleich Präsenz zu zeigen. Vor den Parlamentswahlen am 30. April sollen die Bürger eingeschüchtert werden, damit sie nicht zur Wahl gehen. Daher wird es in den nächsten Tagen sicher weitere blutige Anschläge geben.

Allerdings sei es trotz der kritischen Lage nicht möglich, die ersten Wahlen seit dem Abzug der US-Truppen aus dem Krisenland hinauszuzögern, heißt es seitens der Wahlkommission. Denn eine Verschiebung der Wahlen aufgrund der Sicherheitssituation würde das Vertrauen der Bürger in die Regierung und die Sicherheitskräfte weiter schwinden lassen und das Land in noch größeres Chaos stürzen. Daher betont die Kommission immer wieder, dass die Wahlen termingemäß abgehalten werden. Und die irakischen Sicherheitskräfte wollen reibungslose Wahlen sichern.

Universitäten in Bagdad werden zum Ziel

Insgesamt sind am Osterwochenende über 50 Menschen durch Terroranschläge getötet worden, die meisten in Bagdad. Am Sonntag sprengte sich ein Selbstmordattentäter in einer schiitischen Universität im Norden der Hauptstadt, im Stadtteil Khadamija in die Luft. Danach stürmten Bewaffnete das Gelände der Imam-Kadhim-Universität und nahmen mehrere Studenten als Geiseln. Nach heftigen Gefechten mit den Entführern konnten die Sicherheitskräfte die Hochschule wieder unter ihre Kontrolle bringen. Allerdings lief die Befreiungsaktion nicht unblutig ab. Mindestens fünf Personen wurden getötet und 15 weitere verletzt. Zu dem Anschlag bekannte sich ISIS, die sich zwei Tage zuvor von Al-Kaida losgesagt hatte. Der Grund für die Spaltung: Die Al-Kaida-Ideologie unter der Führung des Ägypters Aiman Al Zawahiri ist den ISIS-Terroristen nicht radikal genug.

ISIS war im Irak entstanden, nachdem die amerikanischen Truppen 2003 den Diktator Saddam Hussein gestürzt hatten. Die Terrorgruppe unter der Führung von Abu Omar al Baghdadi nannte sich in ihren Anfangszeiten „Al-Kaida im Zweistromland“, später dann „Islamischer Staat im Irak“. Sie hat ihr Einflussgebiet inzwischen auf die

syrischen Rebellengebiete ausgedehnt.

Die ISIS-Lager in Syrien gelten inzwischen als „erste Adresse“ für Dschihadisten aus aller Welt.

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