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Afrika

Blutige Landfragen im Südsudan

Grenzkonflikte mit dem Norden, Streit zwischen den Volksgruppen, Landkonflikte: Auch nach der Unabhängigkeit nimmt die Gewalt im Südsudan kein Ende. Jetzt sollen Vermittler - wie die Organisation "Reconcile" - helfen.

Ein Mann hält ein Gewehr in der Hand (Foto: picture alliance/dpa)

Illegale Waffen verschärfen die Konflikte im Südsudan

Kaum zu glauben, dass wegen diesem Stück Land vielleicht bald Menschen sterben werden. Es ist nur ein kleiner Fleck Erde. Nur die Ruine eines Gebäudes steht auf ihm, das Strohdach eingestürzt, die Wände aus getrockneter Erde weisen große Löcher auf. Ringsherum hängen die Grashalme herunter - nachdem stundenlang Regen auf sie heruntergeprasselt ist. "Die Loguri und die Yondu bekämpfen sich", sagt Pastino Lokujakia Ambo, einer der Ältesten der Gegend. Kurz wird er von einem LKW unterbrochen, der sich seinen Weg durch die schlammige Straße bahnt, die das Grundstück durchtrennt. Nach dem Regen ist sie nur noch eine schmutzig-braune Schlammpiste, aber eine wichtige Verkehrsader - der einzige Weg nach Uganda.

"Menschen sind mit Pfeil und Bogen beschossen worden. Es hat Verletzte gegeben und wir haben gehört, dass sich der Loguri-Clan Waffen besorgt hat, um auf die Yondu zu schießen", erzählt Lokujakia Ambo. Doch auf die Frage, warum es zu der Gewalt zwischen beiden Clans gab, schüttelt er nur ratlos den Kopf. Landkonflikte sind keine Seltenheit im Südsudan.

Der Frieden schafft Gewalt

Eine Gruppe Männer sitzt auf bunten Plastikstühlen vor einer Reihe grner Bäume (Foto: DW).

Reden als Lösung - Reconcile-Mitarbeiter bei der Arbeit

Konflikte wie der zwischen den Yondu und Lugori gehören zum Alltag von Peter Tibi. Er sitzt rund 40 Kilometer weiter in seinem Büro in der Stadt Yei. Tibi ist der Direktor von "Reconcile", einer Organisation des Sudanesischen Kirchenrates. Der Pfarrer spricht mit leiser, sanfter Stimme - doch das kann über die Wucht seiner Worte kaum hinwegtäuschen. Denn der Südsudan hat ein großes Problem mit Landkonflikten. "Während des Krieges sind viele Menschen vertrieben worden. Sie lebten dann in anderen Gegenden oder sogar außerhalb des Südsudan", berichtet Peter Tibi. Nach Schätzungen internationaler Hilfsorganisationen und der Vereinten Nationen waren es mehr als vier Millionen Menschen.

Seit 2005 aber herrscht Frieden im Südsudan - die Regierung des Nordens und die Rebellen unterschrieben damals ein Friedensabkommen. Das hat die Landkonflikte aber erst ausgelöst. "Seit Frieden herrscht, kommen immer mehr Menschen wieder zurück. Sie wollen Land, um Ackerbau zu betreiben oder Häuser zu bauen. Und je mehr Menschen zurückkommen und Land wollen, desto größer werden die Konflikte".

Land ohne Gesetz

Das wäre die Stunde der Regierung, aber die scheint gegen die Landkonflikte machtlos zu sein. "Wir haben mehrfach den Landrat darüber informiert, was hier passiert", sagt der Clan-Älteste Pastino Lokujakia Ambo. Doch passiert ist nichts. Die Polizei lässt sich kaum blicken und der UN-Friedenstruppe UNMISS fehlen die Ressourcen. Nur einmal während des Gesprächs rollt ein weißer Jeep mit der wehenden blauen UN-Fahne vorbei, Soldaten aus Bangladesch schauen kurz auf das Grundstück. Doch die nächste Kaserne ist mehr als 50 Autominuten entfernt.

"Die Behörden sind bei Landkonflikten meist machtlos", bestätigt auch Peter Tibi. Denn oft weiß niemand, wem ein bestimmtes Stück Land wirklich gehört. Auch im Konflikt zwischen Yondu und den Loguri ist das der Fall. Seit Menschengedenken habe man hier friedlich zusammengelebt, erzählt der Clan-Älteste Ambo. 2002 hätten die Loguri dann plötzlich Anspruch auf das Grundstück erhoben und die Yondu aufgefordert, es zu verlassen. Doch das zuständige Gericht ist auch in Yei - und völlig überlastet. Es kann Jahre dauern, bis ein Fall entschieden wird.

Viele Waffen und wenig Polizei

Zwei Soldaten in Uniform mit blauen Kappen vor einem weißen Jeep der Vereinten Nationen (Foto: DW).

Meistens machtlos - Soldaten der UN-Friedenstruppe

Weil der Staat nicht für die Sicherheit seiner Bürger sorgen kann, helfen sich viele Südsudanesen eben selbst, sagt Peter Tibi. Aus Kriegszeiten sind immer noch viele illegale Waffen im Umlauf - rund 720.000, schätzen Experten. "Wenn es einen Konflikt gibt, dann greifen viele Menschen schnell zu ihren Waffen", erzählt Peter Tibi. "Frieden wird es nur geben, wenn alle Bürger ihre Waffen abgegeben." Genau das hat die neue Regierung auch zu einer ihrer Prioritäten erklärt - doch bisher zögern viele Bürger aus Angst, ihre Waffen abzugeben.

Das "Reconcile"-Team versucht daher, die Konflikte nicht eskalieren zu lassen. Auch im Streit zwischen den Yondu und den Loguri versucht es, zu vermitteln. Die Yondu hat "Reconcile" bereits an den Vermittlungstisch gekriegt, jetzt müssen sie noch die Loguri überzeugen. Am Ende lässt sich dann vielleicht ein Kompromiss finden. Das Land könnte geteilt werden oder ein Clan den anderen ausbezahlen, wenn dieser das Land verlässt. Doch erstmal brauchen Peter Tibi und seine Kollegen einen langen Atem, denn solche Verhandlungen können Monate dauern.

Autor: Daniel Pelz
Redaktion: Lina Hoffmann

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