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Nahost

Blutige Kämpfe um Rebellenhochburg Kufa

US-Truppen haben am Sonntag (23.5.) den militärischen Druck auf den irakischen Rebellenführer el Sadr verstärkt und sind mit Panzern in dessen Hochburg Kufa vorgestoßen. Dabei kamen mindestens 18 Menschen ums Leben.

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Muktada el Sadr mit Gefolgsleuten


Bei der Verfolgung von Milizionären drangen amerikanische Soldaten nach irakischen Angaben in die Sahla-Moschee von Kufa ein. Sie hätten das Tor mit einem gepanzerten Fahrzeug aufgebrochen und im Inneren mehrere Menschen getötet, heißt es laut Agenturangaben. Die US-Streitkräfte haben die Miliz El Sadrs beschuldigt, religiöse Stätten als Waffenlager und als Ausgangspunkt von Angriffen zu missbrauchen.

Kufa liegt an einem Arm des Euphrats. Die Stadt ist Muslims schiitischer Glaubensrichtung besonders heilig, weil hier der Schwiegersohn des Propheten Mohammed und vierte Kalif, Ali, im Jahr 661 getötet wurde. Seine Anhänger, die Schiiten, erkennen seitdem nur ihn und seine Nachfolger als rechtmäßige Träger der Kalifenwürde an. Kufa war über eine kurze Zeit auch Hauptstadt des Kalifats. Wichtigstes Kennzeichen der Stadt ist die Große Moschee mit ihrer vergoldeten Kuppel.

Auch Auseinandersetzungen in Nadschaf

Auch im nahe gelegenen Nadschaf gab es am Wochenende Kämpfe mit Anhängern El Sadrs, während es in Kerbela ruhig blieb. Dort sollte am Sonntag eine irakische Polizeitruppe mit Patrouillen beginnen. Die schiitischen Geistlichen in Kerbela haben wiederholt versucht,

zwischen der Miliz El Sadrs und den US-Truppen zu vermitteln.

Auch in anderen Landesteilen Iraks kam es wieder zu zahlreichen Anschlägen und Übergriffen. Der schwerste war am Samstag ein Selbstmordanschlag in Bagdad, bei dem fünf Menschen ums Leben kamen. Der Anschlag galt Vizeinnenminister Abdul Dschabbar Jussef el Scheichli, der Verletzungen am Kopf und an der Brust erlitt.Eine von Abu Musab el Sarkawi geführte Terrorzelle mit Verbindungen zu El Kaida bekannte sich zu dem Anschlag. In einer Erklärung der Monotheismus- und Dschihad-Gruppe war von einer Warnung an die Adresse der USA und ihre Verbündeten die Rede. El Scheichli wurde als Abtrünniger und Verräter bezeichnet.

Unruhen in ganz Irak

Nördlich von Bagdad, in Bakuba, erschossen Bewaffnete am Sonntag einen Polizeioffizier und einen Studenten in einem Auto. Ein weiterer Polizist wurde nach Klinikangaben verletzt. Auch im Süden Iraks fiel ein Polizist Anschlag zum Opfer; bei der Bombenexplosion zwischen Basra und Subeir wurden zwei weitere Polizisten schwer verletzt. In Basra selbst explodierte eine Mörsergranate in einem Haus. Dabei kam eine Frau ums Leben, fünf Männer wurden verletzt.

Nach Berichten über einen amerikanischen Angriff auf eine Hochzeitsgesellschaft in Westirak erklärte US-Brigadegeneral Mark Kimmitt, es gebe keine Anzeichen, dass dort eine Hochzeit gefeiert worden sei. Stattdessen seien Hinweise auf einen terroristischen Wüstenstützpunkt gefunden worden, darunter Militärferngläser, Batteriepacks für die Zündung von Bomben und ausländische Pässe. US-Einheiten griffen auch das Dorf Mogr el Dib an. Bei dem Angriff wurden Augenzeugen zufolge mehr als 40 Menschen getötet.

Britische Regierung beunruhigt

Die britische Regierung ist nach Presseberichten vom Sonntag beunruhigt über die militärische Strategie ihrer amerikanischen Verbündeten. Die Zeitung "Sunday Times" veröffentlichte Auszüge aus einem internen Regierungsmemo, in dem das harte Vorgehen der

US-Truppen in Falludscha und Nadschaf dafür verantwortlich gemacht wird, dass die öffentliche Unterstützung für die Koalitionstruppen sowohl bei Sunniten als auch bei Schiiten zu schwinden begonnen hat. (ali)