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Aktuell Amerika

Blutige Gefängnisrevolte in Venezuela

In einer Haftanstalt in Venezuela sind bei Zusammenstößen zwischen rivalisierenden Banden und Sicherheitskräften mindestens 50 Menschen getötet worden.

Die Tageszeitung "Ultimas Noticias" berichtete auf ihrer Website von 54 Todesopfern, der Fernsehsender Globovision von rund 50 und weiteren 90 Verletzten. Offizielle Zahlen der Behörden liegen noch nicht vor.

Die Häftlingsmeuterei ereignete sich im Gefängnis in der Stadt Barquisimeto im Norden des lateinamerikanischen Landes. Die für die Haftanstalten verantwortliche Ministerin Iris Varela sagte, die Revolte sei ausgebrochen, nachdem sich Gefangene gegen die Durchsuchung ihrer Zellen nach illegalen Waffen durch Mitglieder der Nationalgarde gewehrt hätten. Nach Angaben Varelas hatten sich die Behörden zu den Durchsuchungen entschlossen, nachdem sie Hinweise erhalten hätten, dass Zusammenstöße zwischen rivalisierenden Banden drohten, die um die Vorherrschaft in der Haftanstalt kämpfen.

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Viele Tote bei Gefängnismeuterei

Auf im Fernsehen übertragenen Bildern war zu sehen, wie blutende Häftlinge aus dem Gefängnis getragen wurden. Einheiten der Nationalgarde umstellten das Gebäude, während besorgte Angehörige davor ausharrten, um Informationen über die Inhaftierten zu erhalten (Artikelbild). Die meisten Verletzten hätten Schusswunden erlitten, sagte ein Arzt der örtlichen Klinik.

In Venezuela sind die Gefängnisse chronisch überfüllt, immer wieder kommt es zu Gewalt. Erst im August waren bei einer Schießerei zwischen rivalisierenden Banden in einem Gefängnis südlich der Hauptstadt Caracas 25 Menschen getötet und 43 verletzt worden. Zurzeit gibt es landesweit 33 Haftanstalten, die eigentlich nur für 12.000 Insassen ausgelegt sind. Tatsächlich sind dort nach Angaben aus Regierungskreisen aber vier Mal so viele Häftlinge untergebracht.

Oppositionsführer Henrique Capriles nahm die Meuterei in der Anstalt von Barquisimeto zum Anlass, um der Regierung Versagen im Umgang mit den überfüllten Gefängnissen und den wiederholten Gewaltausbrüchen in den Anstalten vorzuwerfen. "Die Gefängnisse in unserem Land sind ein Beispiel für die Unfähigkeit dieser Regierung und ihrer Anführer. Sie haben das Problem nie gelöst", schrieb Capriles im Kurznachrichtendienst Twitter. "Wie viele Tote muss es in diesen Gefängnissen noch geben, damit die Regierung ihr Versagen anerkennt und handelt?" Vizepräsident Nicolas Maduro sprach im Fernsehen von einem tragischen Vorfall und kündigte eine offizielle Untersuchung an. Maduro vertritt derzeit Präsident Hugo Chavez, der auf Kuba wegen einer Krebserkrankung behandelt wird.

wl/uh (dapd,afp, dpa)

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