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Aktuell Afrika

Blutbad vor Polizeischule in Libyen

Es muss eine Explosion von ungeheurer Kraft gewesen sein: Im Westen des Bürgerkriegslands Libyen detonierte ein mit Sprengstoff beladenes Fahrzeug vor einer Polizeischule. Es gab mehr als 70 Tote.

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Blutbad vor Polizeischule in Libyen

Es seien hunderte Rekruten gewesen, die sich vor der Polizeischule in der Küstenstadt Sliten aufhielten, als usich nmittelbar in ihrer Nähe die Explosion ereignete, berichtete der Bürgermeister der Stadt, Miftah Lahmadi. Bei dem Anschlag wurden mindestens 70 Menschen getötet und laut der staatlichen libyschen Nachrichtenagentur Lana 127 weitere verletzt. Demnach war auf einem Lastwagen eine Bombe versteckt. Die Explosion soll libyschen Presseberichten zufolge sogar noch in der rund 60 Kilometer entfernten Stadt Misrata zu hören gewesen sein.

Steinmeier verurteilt das Attentat

Nach Angaben des UN-Sondergesandten für Libyen, Martin Kobler, sprengte sich ein Selbstmordattentäter mit der Bombe in die Luft. Kobler rief die Libyer im Kurznachrichtendienst Twitter auf, sich "im Kampf gegen den Terrorismus rasch zu vereinen".

Außenminister Frank-Walter Steinmeier verurteilte das Attentat auf die Polizeiakademie. "Der Anschlag zeigt einmal mehr, wie wichtig es ist, dass alle Libyer dem Krebsgeschwür des Terrors gemeinsam entgegentreten", sagte Steinmeier. Jetzt müsse so schnell wie möglich die geplante Regierung der nationalen Einheit gebildet werden. Deutschland sei bereit, eine solche Regierung beim Wiederaufbau der staatlichen Strukturen zu unterstützen.

Wer steckt hinter dem Anschlag?

Wer für die Tat im Westen Libyens verantwortlich ist, war zunächst unklar. Ähnliche Angriffe waren in der Vergangenheit vom libyschen Ableger der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) verübt worden. Der IS beherrscht in dem Land einen Küstenstreifen am Mittelmeer rund um die Stadt Sirte. Der Küstenort Sliten, der rund 160 Kilometer von der libyschen Hauptstadt Tripolis entfernt liegt, ist allerdings nicht für die Anwesenheit von Dschihadisten bekannt.

Libyen versinkt nach dem Sturz des Machthabers Muammar Gaddafi im Jahr 2011 im Chaos. Das ölreiche Land wird von zahlreichen bewaffneten Milizen beherrscht, die neben den beiden rivalisierenden Regierungen und Parlamenten in Tobruk und in der Hauptstadt Tripolis um die Macht ringen. Überdies nutzt der IS das entstandene Machtvakuum.

Friedensabkommen ist weiter umstritten

Im Dezember unterzeichneten Vertreter der beiden Regierungen zwar ein von den Vereinten Nationen vermitteltes Abkommen zur Bildung einer gemeinsamen Übergangsregierung. Außerdem sollen ein neues Parlament gewählt und eine Verfassung verabschiedet werden. Das Abkommen ist aber in den konkurrierenden Parlamenten noch umstritten.

cw/sc (APE, dpae, afp, rtre)

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