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Aktuell Afrika

Blutbad unter nigerianischen Studenten

Bewaffnete haben ein Studentenwohnheim in der Stadt Mubi im Nordosten Nigerias angegriffen und mindestens 26 Menschen getötet. Wer hinter dem Überfall steckt, ist noch unklar.

Die Täter kamen in der Nacht, sagte Mohammed Ibrahim, Polizeisprecher des Bundesstaates Adamawa, in dem Mubi liegt. Sie seien auf das Campus-Gelände der Polytechnischen Hochschule vorgedrungen, hätten die Namen von Studenten gerufen und diese getötet, als sie aus ihren Zimmern gekommen seien. Augenzeugen berichten dagegen, die Angreifer seien von Zimmer zu Zimmer gezogen und hätten ihre Opfer erschossen oder erstochen. "Ich habe gehört, dass die Täter anscheinend zunächst nach der ethnischen Zugehörigkeit gefragt und die Studenten dann erschossen haben", sagte ein anderer Student.

Ein Sprecher der Armee in Adamawa bestätigte den Angriff. Der Bundesstaat wurde in der letzten Zeit von Gewalttaten erschüttert, die der radikalislamischen Gruppierung Boko Haram zugeschrieben werden.

Anschlag oder Studentenfehde?

Ob die Boko Haram wirklich hinter dem Massaker steht, ist aber längst nicht ausgemacht. Die Polizei untersuche auch, ob sich hinter dem Überfall eine Auseinandersetzung zwischen rivalisierenden politischen Studentengruppen stecke, sagte Yushau Shuaib, Sprecher der Nationalen Notfallbehörde. An der Hochschule hätten unlängst Studentenwahlen stattgefunden. Einige der Kandidaten dieser Wahl seien unter den Getöteten. Ein Zusammenhang zwischen der Abstimmung und dem Überfall sei naheliegend.

Polizeisprecher Ibrahim ergänzte, bei einer kürzlich durchgeführten Razzia in den Studentenunterkünften sei eine große Anzahl von Waffen beschlagnahmt worden, darunter eine Panzerabwehrrakete, diverse selbstgebaute Bomben, Messer und Sturmgewehre.

Allerdings könne es sich auch um einen Anschlag der Boko Haram handeln. Die Armee hatte in der vergangenen Woche in Mubi nach eigenen Angaben 156 mutmaßliche Mitglieder der Gruppierung festgenommen. Zudem sei einer ihrer ranghohen Anführer getötet worden. Mubi liegt unweit der Stadt Maiduguri im Nachbarbundesstaat Borno, die als Hochburg der radikalen Fundamentalisten gilt. Dort waren am Samstag bei einem Angriff in der Nähe des Universitätsgeländes ebenfalls drei Studenten getötet worden.

Selbsternannte Gotteskrieger

Der Islamistengruppe Boko Haram werden in diesem Jahr bereits mehrere Anschläge mit etwa 1000 Opfern zur Last gelegt. Die Gruppe soll Verbindungen zum Terror-Netzwerk Al-Kaida haben. Ziel ihrer Anschläge sind häufig christliche Kirchen, Orte, an denen Alkohol ausgeschenkt wird oder staatliche Einrichtungen wie Polizeistationen. Zunehmend sind aber auch Muslime unter den Opfern. Boko Haram will in Nigeria einen islamischen Gottesstaat errichten, auf Grundlange des Rechts der Scharia.

Nigeria ist mit 155 Millionen Einwohnern der bevölkerungsreichste Staat Afrikas. Über die Hälfte der Einwohner bekennen sich zum Islam, etwa 40 Prozent sind Christen. Vor allem der Norden ist fast ausschließlich vom Islam geprägt, der Süden vorwiegend christlich.

gmf/fab (afp, dapd, dpa, epd, kna, rtr)