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Aktuell Afrika

Blutbad in Platinmine

Hat die Polizei das Feuer eröffnet oder waren es die rund 3000 Minenarbeiter im südafrikanischen Marikana? Was mit einem Streik begann, endete in einem Blutbad mit insgesamt 44 Toten.

Bei einem unangemeldeten Streik kam es zu Schießereien zwischen Bergarbeitern und der Polizei. An der Platinmine 70 Kilometer nordwestlich der Hauptstadt Johannesburg hatte der Streik am vergangenen Freitag begonnen. Über das Wochenende waren bereits zehn Menschen zu Tode gekommen, darunter auch zwei Polizisten.

Die Polizei weist jede Verantwortung von sich: “Die Polizei hat alles getan, aber die Minenarbeiter haben gesagt, dass sie nicht weggehen würden und bereit seien, zu kämpfen“, erklärte ein Polizeiminister. „Was soll die Polizei denn in solchen Situationen tun, wenn sie es ganz klar mit bewaffneten und zu allem entschlossenen Kriminellen zu tun hat, die die Ordnungskräfte ermorden?“

Die Polizei und Sanitäter kümmern sich um Bergarbeiter, die verletzt am Boden liegen (rtr)

Ob die Polizei oder die Berarbeiter das Feuer eröffneten, ist unklar

Illegale Schusswaffen im illegalen Streik

Die Bergarbeiter waren in den Streik getreten, weil sie eine Verdreifachung ihres Gehalts von 4000 Rand (umgerechnet etwa 400 Euro) auf 12.000 Rand (etwa 1200 Euro) verlangen. Zudem sind zwei verschiedene Gewerkschaften in den Streik involviert. Zwischen den Angehörigen der rivalisierenden Gewerkschaften soll es ebenfalls zu Gewalttaten gekommen sein.

Die streikenden Bergarbeiter waren mit illegalen Schusswaffen und mit Macheten bewaffnet, weshalb die Auseinandersetzung besonders brutal verlief. Einige Menschen wurden verbrannt und zu Tode gehackt. Die örtlichen Medien berichteten von einem “Massaker“. Die Polizei habe nach eigenen Angaben zunächst versucht, mit Wasserwerfern und Tränengas die streikende Menge in den Griff zu bekommen. Dann waren Schüsse gefallen. Eine Kommission soll aufklären, wer zuerst geschossen hat.

Brutalität unangemessen für eine Demokratie

Video ansehen 01:29

Südafrika: Polizeigewalt gegen Minenarbeiter

Der südafrikanische Präsident Jacob Zuma rief zum Ende der “sinnlosen Gewalt“ auf. “Wir glauben, dass es in unserem demokratischen System genug Möglichkeiten gibt, jeden Streit durch einen Dialog beizulegen, ohne dabei das Gesetz zu brechen oder Gewalt anzuwenden.“, sagte Zuma.

Doch auch der Regierung wird vorgeworfen, sich in dem Konflikt falsch verhalten zu haben. Kritiker prangern an, dass die Machthaber nicht früher reagiert hätten, um den Konflikt zu schlichten. Kein einziges Regierungsmitglied habe die Mine seit Beginn des Streiks Ende vergangener Woche besucht.

Bergwerk vorübergehend geschlossen

Das Bergwerk, das dem britischen Konzern Lonmin gehört, hat seinen Betrieb vorübergehend eingestellt. Das Unternehmen ist der drittgrößte Platinproduzent der Welt und mit 28.000 Beschäftigten einer der größten Arbeitgeber Südafrikas. Die südafrikanische Stiftung Bench Marks beschäftigt sich mit den Arbeitsbedingungen im Bergbau. Sie kritisierte die Lebens- und Arbeitsbedingungen in Marikana scharf. Die Gesundheit und die Sicherheit der Bergarbeiter würden systematisch gefährdet, hieß es in einer Studie der Organisation.

In Südafrika befinden sich etwa 80 Prozent der weltweit bekannten Platinreserven. Das Edelmetall wird unter anderem zur Herstellung von Katalysatoren, Laborgeräten und Schmuck verwendet.

nem/haz (dpa, epd, dapd)

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