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Politik

Blutbad in Karachi

Ein Mord an einem Politiker hat die ohnehin sehr angespannte Situation in der pakistanischen Wirtschaftsmetropole Karachi explodieren lassen: Gruppen Bewaffneter zogen mordend und marodierend durch die Stadt.

Brennender Bus in der Nacht, daneben Motorradfahrer (Foto: dpa)

Karachi in Flammen: Aufgebrachte Menschen setzen Fahrzeuge und Geschäfte in Brand.

Die Zentralregierung in Islamabad fürchtet eine neue Serie auch ethnisch oder religiös motivierter Unruhen in der größten Stadt Pakistans: Das Handelszentrum Karachi wird von schweren Ausschreitungen erschüttert, die am Dienstag (03.08.2010) noch anhielten. Bislang wurden nach Behördenangaben mindestens 45 Menschen getötet, die meisten erschossen. Barrikaden wurden errichtet, Geschäfte, Fahrzeuge, Tankstellen in Brand gesetzt.

Das Großaufgebot an Sicherheitskräften hat große Mühe, die öffentliche Ordnung wieder herzustellen. Immer noch waren Schüsse zu hören. Auch Feuer wurden in manchen Gegenden der 18 Millionen Einwohner zählenden Stadt noch gelegt. Viele Märkte, Unternehmen, Schulen und Universitäten blieben geschlossen.

Anschlag vor einer Moschee

Auslöser der Unruhen war die Ermordung eines Abgeordneten. Ein Sprecher der Provinz Sindh, Jamil Soomro, erklärte, es seien "Kräfte am Werk, die die gewählte Regierung destabilisieren wollen". Ministerpräsident Yusuf Raza Gilani rief die Führer aller Parteien auf, politische Reife zu beweisen und ihre Anhänger zu mäßigen.

Der Abgeordnete Raza Haider, der im Provinzparlament saß, war am Montag bei einer Beerdigungsfeier vor einer Moschee erschossen worden. Auch sein Leibwächter fiel dem Anschlag zum Opfer. Haider war Mitglied der Awami Nationalpartei, die als national und säkular gilt. Sie wurzelt in der Bewegung Muttahida Qaumi (MQM), die die Stadt regiert und vor allem aus Nachfahren von Einwanderern aus Indien besteht, die nach der Staatsgründung 1947 nach Pakistan kamen.

Autor: Siegfried Scheithauer (ap,rtr,dpa)
Redaktion: Ulrike Quast