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Aktuell Nahost

Blutbad in Bagdad ruft Politik auf den Plan

Bei dem IS-Anschlag in der irakischen Hauptstadt starben mehr als 200 Menschen. Mehrere hundert Zivilisten wurden verletzt, viele von ihnen schweben in Lebensgefahr. Die Regierung verspricht ein neues Sicherheitskonzept.

Ziel des Anschlags war ein Einkaufszentrum im Stadtteil Karrada in der City der irakischen Hauptstadt. Ein Sprengstoffwagen detonierte in dem beliebten Viertel. Weil viele Iraker während des Fastenmonats Ramadan zum Essen ausgingen und spät Einkäufe erledigten, waren in der Innenstadt von Bagdad noch viele Menschen unterwegs. Mehrere Gebäude wurden schwer beschädigt und stürzten teilweise ein, darunter auch das Einkaufszentrum. Die Zahl der Opfer erhöhte sich mehrfach, weil Helfer weitere Leichen unter den Trümmern bargen und weil Schwerverletzte im Krankenhaus starben. Nach neuesten Angaben des Gesundheitsministeriums wurden mindestens 200 Menschen getötet.

Immer wieder Anschläge

Kurz vor dem Ende des Ramadan war dies der schwerste Anschlag im Irak in diesem Jahr. Schon in der Vergangenheit hatte sich die Miliz zu zahlreichen Attentaten im Irak bekannt. So starben im Mai bei einer Anschlagserie in Bagdad mindestens 86 Menschen. Der "IS" erklärte, der Anschlag habe sich gegen Angehörige der schiitischen Bevölkerungsmehrheit gerichtet. Die sunnitische IS-Miliz verübt immer wieder Anschläge auf Schiiten, die sie als Ungläubige ansieht.

Irak Bagdad Anschlag in Karrada Foto: Reuters/Khalid al Mousily

Feuerwehrleute auf der Suche nach Opfern des Anschlags

Ein weiterer Sprengsatz detonierte Polizeikreisen zufolge auf einem Markt im Schiiten-Viertel Al-Shaab im Norden der Stadt. Dort habe es mindestens zwei Tote gegeben. Ministerpräsident Haider al-Abadi besuchte die Anschlagsorte und ordnete Staatstrauer an. Sein Konvoi wurde von wütenden Anwohnern mit Steinen und Flaschen beworfen. Abadi hatte nach der Rückeroberung der IS-Hochburg Falludscha mehr Sicherheit versprochen, allerdings ist bislang kein Rückgang der Anschläge zu beobachten.

Irakischer Ministerpräsident Haider al-Abadi Foto: picture-alliance/dpa/R. Jensen

Steht in der Kritik: Der irakische Ministerpräsident Haider al-Abadi

Nun kündigte al-Abadi Änderungen des Sicherheitskonzepts für die Hauptstadt an. So gab er unter anderem Anweisungen, dass Sicherheitskräfte nicht länger gefälschte Sprengstoffdetektoren einsetzen dürfen, die ein britischer Geschäftsmann vor mehreren Jahren an den Irak verkauft hatte. Diese schwarzen Plastikgeräte haben einen pistolenartigen Griff und eine kleine Antenne, mit der angeblich Sprengstoff aufgespürt werden kann. Tatsächlich sollen die angeblichen Detektoren jedoch völlig nutzlos sein, wurden aber dennoch weiterhin von vielen Beamten benutzt. Stattdessen gab al-Abadi den Einsatz anderer Geräte zum Aufspüren von Sprengsätzen in Fahrzeugen in Auftrag. Sicherheitsleute an Kontrollstellen dürfen künftig während ihrer Arbeit keine Mobiltelefone mehr benutzen. Die Aufklärung aus der Luft soll verstärkt werden, die Koordination zwischen Sicherheitskräften in der Hauptstadt verbessert und Kontrollposten neu organisiert werden.

IS-Schläferzellen im Land

Ob das neue Sicherheitskonzept Verbesserungen bringen wird, bleibt abzuwarten. Tatsache ist, dass die Terrormiliz "IS" nun auch ihre Taktik zu verändern scheint. Der "IS" versuche, die demütigende Niederlage in Falludscha mit weiteren Attentaten zu vergelten, sagte ein ehemaliger Armee-Offizier in Bagdad. Die Annahme der Regierung, die Anschläge seien bislang nur aus einer Gegend gesteuert gewesen, sei ein Fehler. Es gebe Schläferzellen im Land, die ganz unabhängig voneinander agierten. Nach der Einnahme von Falludscha bringt sich die irakische Armee für den Sturm auf die IS-Hochburg Mossul in Stellung. Mossul gilt als faktische Hauptstadt des "IS" im Irak.

"Terroristen Einhalt gebieten"

Bundeskanzlerin Angela Merkel verurteilte die Anschläge von Bagdad wie auch den IS-Überfall auf ein Restaurant in Bangladesch, bei dem 28 Menschen getötet wurden. Es gebe keinerlei Rechtfertigung für diese barbarischen, menschenverachtenden Taten. Die internationale Zusammenarbeit müsse weiter intensiviert werden, um den Terroristen Einhalt zu gebieten, erklärte die Kanzlerin. Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) sagte, es zeige sich einmal mehr, dass die Terroristen des sogenannten IS nicht davor zurückschreckten, unschuldige Kinder, Mütter und Väter im Namen ihrer hasserfüllten Ideologie zu ermorden.

cgn/jj/haz (afp, dpa, rtr)

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