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Politik

Blutbad im Gazastreifen

Beim blutigsten Militäreinsatz seit einem halben Jahr haben israelische Truppen im Gazastreifen 19 Palästinenser getötet. Die Hamas, der die Attacke galt, drohte umgehend mit Vergeltungsaktionen.

Quelle: AP

Israelische Soldaten zogen schon oft gezielt gegen die Hamas in den Einsatz (Archivbild)

Die israelische Armee hat am Dienstag (15.1.2008) im Gazastreifen mindestens 19 Palästinenser getötet und 45 weitere verletzt. Es war der schwerste Angriff seit sechs Monaten. Unter den Toten waren der Hamas zufolge 13 Mitglieder der Kassam-Brigaden, des bewaffneten Arms der radikalislamischen Organisation, sowie der Sohn ihres Führers Mahmud el Sahar, Hossam. Palästinenserpräsident Mahmud Abbas verurteilte das Vorgehen Israels als "Massaker" am palästinensischen Volk. Eine israelischen Armeesprecherin sprach von einem Einsatz "gegen terroristische Bedrohungen". Der Gazastreifen wird von der Hamas kontrolliert.

15 Hamas-Anhänger starben nach Angaben der Hamas durch Schüsse oder Granaten im Viertel El Seitun im Osten Gazas. Hamas-Führer Sahar, dessen erstgeborener Sohn bereits durch die israelische Armee getötet worden war, habe angekündigt "Israel auf die einzige Weise zu antworten, die es versteht", teilte die radikalislamische Organisation mit. Als ersten Racheakt beschoss die Hamas die südisraelische Stadt Sderot und die nahe des Gazastreifens gelegene Ortschaft Nahal Os. Acht Israelis wurden laut Hamas leicht verletzt.

Offensive mit Granatfeuer

Während der am Morgen begonnenen israelischen Offensive war es Augenzeugen zufolge zu heftigen Gefechten zwischen den Soldaten und palästinensischen Kämpfern gekommen. Eine Granate sei in ein Haus eingeschlagen. Nach weiteren Augenzeugenberichten schlugen auch im Norden des Gazastreifens, bei Beit Hanun, israelische Granaten ein. Dort wurden nach israelischen Angaben am Abend zwei Palästinenser durch einen Raketenangriff getötet. Der Armeesprecherin zufolge hatten die Soldaten das Feuer sowohl auf Palästinenser eröffnet, die sich ihnen genähert hatten, als auch auf ein "Auto mit bewaffneten Männern".

Quelle: AP

'Massaker': Palästinenserpräsident Mahmud Abbas

"Was heute passiert ist, ist ein Massaker, ein Gemetzel", sagte Abbas vor Journalisten in Ramallah im Westjordanland. "Derartige Massaker werden keinen Frieden bringen." Der Palästinenserpräsident fügte allerdings hinzu, wenn es Israel mit dem Frieden im Nahen Osten ernst sei, gehe er von einem Friedensvertrag noch vor Jahresende aus.

Vision des Friedens

Israel und die Palästinenser verhandeln seit der internationalen Nahost-Konferenz von Annapolis im November wieder über einen Friedensschluss. Nach dem Willen von US-Präsident George W. Bush soll dieser noch vor seinem Ausscheiden aus dem Amt im Januar 2009 zustande kommen.

Die Hamas hatte den Gazastreifen im Juni 2007 unter ihre Kontrolle gebracht. Seither sieht Israel das Palästinensergebiet als "feindliche Einheit" und hat harsche Sanktionen gegen die Bewohner verhängt. Die Zahl der vom Gazastreifen aus auf den Süden Israels abgefeuerten Raketen hat seit der Machtübernahme der Hamas massiv zugenommen. Israel seinerseits hat die Zahl seiner Luftangriffe auf den Gazastreifen seither stark erhöht. (tos)

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