Blutbad auf dem Sinai | Aktuell Nahost | DW | 24.11.2017
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Anschlag in Ägypten

Blutbad auf dem Sinai

Bei einem Terroranschlag auf eine Moschee auf der ägyptischen Sinai-Halbinsel sind nach jüngsten Angaben mindestens 235 Menschen getötet worden. Vermutlich ist ein Ableger der Terrormiliz IS dafür verantwortlich.

Ägypten Anschlag auf dem Sinai (Getty Images/AFP)

Rund um die Moschee hatten die Angreifer Sprengsätze gezündet und auf Gläubige das Feuer eröffnet

Mehr als 100 Menschen seien bei dem Angriff im Norden der Halbinsel verletzt worden, meldet die staatliche ägyptische Nachrichtenagentur Mena. Die Regierung in Kairo ordnete eine dreitägige Staatstrauer an. Noch nie zuvor seien in Ägypten bei einem einzelnen Anschlag so viele Menschen getötet worden. Zunächst übernahm niemand die Verantwortung für den Terrorakt. 

Flüchtende beschossen

Wie es aus Sicherheitskreisen hieß, kamen die Angreifer in vier Geländewagen, legten zunächst mehrere Sprengsätze rund um die Al-Rawdah-Moschee in der Nähe der Provinzhauptstadt Al-Arisch und zündeten sie, als die Gläubigen nach dem Freitagsgebet herauskamen. Anschließend hätten sie auf Flüchtende geschossen, hieß es weiter. 

Ägypten Anschlag auf Moschee in Al-Arisch (picture-alliance/dpa)

Die Al-Rawdah-Moschee wird von Gläubigen eines Sufi-Ordens besucht

Militärisches Sperrgebiet

Die Stadt am Mittelmeer galt früher einmal als schicker Urlaubsort. Der Angriff zeigt indes, dass die Sicherheitskräfte die Situation trotz aller Beteuerungen und Erfolgsmeldungen im Kampf gegen den Terrorismus nicht unter Kontrolle haben. Denn auf dem Sinai kommt es immer wieder zu terroristischen Angriffen eines Ablegers der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS). Vor allem Sicherheitskräfte sind im Visier der Islamisten. Seit dem Sturz des islamistischen Präsidenten Mohammed Mursi im Sommer 2013 haben die Dschihadisten in Ägypten bereits hunderte Polizisten und Soldaten getötet.

Im Gegenzug gehen Militär und Polizei massiv gegen mutmaßliche Terroristen vor. Bei Razzien kam es zuletzt häufiger zu tödlichen Schusswechseln. Der Norden der Halbinsel ist zu großen Teilen militärisches Sperrgebiet.

Griechenland Ägyptischer Präsident Al-Sisi (Reuters/Y. Kourtoglou)

Präsident Abdel Fattah al-Sisi hatte sich nach dem Anschlag mit seinen Sicherheitsberatern getroffen

Auch örtliche Volksgruppen, denen Kollaboration mit den Ägyptern vorgeworfen wird, wurden bereits Ziele von Attentaten. Ebenfalls im Visier des IS sind immer wieder auch Christen sowie Anhänger des Sufismus, einer mystischen Richtung des sunnitischen Islam.

Die Moschee in dem kleinen Ort sei ein einfaches Ziel gewesen, heißt es aus Sicherheitskreisen auf dem Sinai. Sie liege abseits der größeren Städte und werde von Gläubigen eines Sufi-Ordens besucht. Die Terrormiliz IS sieht Sufis als "Abtrünnige" vom Islam an.

Präsident al-Sisi kündigt harte Reaktion an

In Kairo traf sich Präsident Abdel Fattah al-Sisi mit Sicherheitschefs zu einer schleunigst einberufenen Krisensitzung. In einer Fernsehansprache sagte er: "Wir werden mit aller Härte auf diesen Akt der Terroristen antworten. Militär und Polizei werden unsere Märtyrer mit aller Kraft rächen."  Bislang hat noch keine Gruppierung die Verantwortung für den Anschlag übernommen. 

EU sagt Ägypten Beistand zu

Die EU hat Ägypten nach dem Anschlag auf der Sinai-Halbinsel Beistand zugesichert. "Als Europäer teilen wir die Trauer (...), als europäische Institutionen werden wir beim Kampf gegen den Terrorismus an der Seite der ägyptischen Behörden und des Volkes stehen", sagte die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini. Die Verantwortlichen für solch unerträgliche Taten müssten zur Verantwortung gezogen werden. "Niemand darf wegen seiner Religion getötet werden, keine heilige Stätte darf durch Gewalt und Terrorismus geschändet werden", sagte Mogherini.

uh/qu (afp, dpa, rtr)

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