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Musik

"Blut und Geist" Bach und Mendelssohn im Dritten Reich

Zum 200. Geburtstag von Felix Mendelssohn-Bartholdy zeigt eine Ausstellung im Bachhaus in Eisenach Mendelssohn als Wiederentdecker von Johann Sebastian Bach. Im Mittelpunkt: die Vereinnahmung Bachs durch die Nazis.

Bachhaus Eisenach (Quelle: Hendrik Schmidt dpa)

Das Bachhaus in Eisenach

Felix Mendelssohn Bartholdy spaltet die Musikgeschichte wie kaum ein Zweiter. Schon zu Lebzeiten galt er bei den einen als Wunderkind, den anderen war er zu glatt und sogar rückwärts gewandt. Ein unbestrittenes Verdienst ist aber die Wiederentdeckung der Musik von Johann Sebastian Bach, der in Vergessenheit geraten war. 100 Jahre später hat sich das Bild gewandelt: seit 1933, dem Beginn der Nazi-Zeit, durfte die Musik des Juden Mendelssohn nicht mehr gespielt werden. Bach dagegen wurde ideologisch verklärt und seine Musik im Sinn der Nationalsozialisten ungedeutet.

Gefährlicher Zwischenfall

Felix Mendelssohn (Quelle: dpa)

Felix Mendelssohn Bartholdy

Er war Gewandhauskapellmeister in Leipzig, hat dort die Bachgesellschaft mitgegründet, die Matthäus-Passion wieder aufgeführt und damit Bach dem Vergessen entrissen. Seine Kompositionen galten als meisterhaft und sorgten in ganz Europa für Furore. Felix Mendelssohn Bartholdy war einer der gefeierten Musiker seiner Zeit. Dann 1933: der christlich getaufte Jude Mendelssohn durfte nicht mehr gespielt werden. "Seine Musik ist genialisch, aber für eine völkische Bewegung untragbar" - stellte ein Funktionär aus Josef Goebbels' Reichmusikkammer fest. Er trage zur "Verweichlichung" der deutschen Musik bei. Eine Ausnahme gab es allerdings. Auf die Schauspielmusik zu Shakespeares Sommernachtstraum wollte man denn doch nicht verzichten. Regiemtreue Komponisten wurden aufgefordert, Neuschöpfungen zu schreiben, den Sommernachtstraum quasi zu "arisieren". Sein Schöpfer galt inzwischen als "gefährlicher Zwischenfall" für die Musik.

Deutschester der Deutschen

Vitrine im Bachhaus Eisenach (Quelle: Sigrid Hoff)

Vitrine im Bachhaus Eisenach

Während Mendelssohn, der die Bach-Rezeption wiederbelebt hatte, von den Nazis diffamiert wurde, wurde Johann Sebastian Bach im Dritten Reich als "nordischer" Tonkünstler gefeiert. Seine Musik erklang auf Reichsparteitagen und die Texte seiner Werke wurden im nationalsozialistischen Sinn umformuliert. Die "Reichsstelle für Musikbearbeitungen" besorgte die "Säuberung der Texte" von "jüdischen "Begriffen". In einer Vitrine der Ausstellung im Eisenacher Bachhaus liegt ein Choral, der zum Kampflied der Hitlerjugend umgedichtet wurde, ein Foto zeigt den Leipziger Thomanerchor, der 1937 geschlossen der Hitlerjugend beigetreten war, und religiöse Oratorien-Texte wurden zu propagandistischen Hymnen umgeschrieben.

Spuren heute

Fassade des neuen Bachhauses in Eisenach (Quelle: Sigrid Hoff)

Fassade des neuen Bachhauses in Eisenach

Eine Ausstellung, die Bach und Mendelssohn gewidmet ist, wird in dem trotz des modernen Anbaus verhältnismäßig kleinen Museum in Eisenach gezeigt. Und hier wird immer wieder die Frage gestellt, welche Rolle Bach im Dritten Reich gespielt habe. Aber warum werden diese Exponate nicht in Leipzig gezeigt, wo beide Komponisten gelebt haben? Weil -so erläutert der Kurator Jörg Hansen - dieses schwierige Thema noch nie in der Öffentlichkeit gezeigt worden sei, und diese Ausstellung es in Leipzig, wo Bach wie ein Heiliger verehrt wird, wohl schwer haben würde. Allerdings: ein Ruhmesblatt für die Musikgeschichte sind auch die Veröffentlichen nach 1945 nicht. Lexika, die nur oberflächlich sprachlich überarbeitet worden sind, aber das Gedankengut der Zeit weitergeben, finden sich noch heute in den Bibliotheken.

Autorin: Sigrid Hoff

Redaktion: Gudrun Stegen

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