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Reise

Blogs und ihre Macher: Der Grenzgänger

Höhenangst in Kanada, Kampfsport in Thailand oder Stammestanz in Neuseeland: Christoph Karrasch sucht auf seinen Reisen das Abenteuer.

Kanada Reiseblogger Christoph Karrasch in Toronto

EdgeWalk in Toronto: Christoph Karrasch auf dem Rand einer Plattform des CN-Towers, 350 Meter über der Stadt.

In zehn Tagen um die Welt? Für Christoph Karrasch (32) kein Problem. Der Reiseautor ist so erfolgreich, dass seine Reisen längst nicht nur auf seinem Video-Reiseblog Von unterwegs stattfinden, sondern zuletzt auch im Fernsehen. Ob Ski-Yoga in St. Moritz, Thai-Boxen in Koh Phangan oder Haka tanzen mit den Maori in Neuseeland - alles besser als nur irgendwo am Strand zu liegen. Das macht der zweifache Familienvater lieber bei sich zuhause, in Kiel.

DW: Christoph, wie lange warst Du in den letzten zwölf Monaten von zuhause weg?

Christoph Karrasch: Nur knapp drei Monate. In den Jahren davor waren es in der Spitze viereinhalb bis fünf Monate. Das war schon hart für meine Familie. Inzwischen habe ich das Glück, mehr an großen Projekten zu arbeiten, bei denen viel Vorarbeit zuhause am Schreibtisch passiert.

Heißt das, Du hast nach fünf Jahren als Reiseblogger genug vom Reisen?

Ich muss schon immer noch weg, das merke ich. Wenn du diesen Reisevirus einmal hast...(lacht). Aber das ist kein Weglaufen oder Ausbrechen, denn mein Alltag ist schön und ausfüllend. Und das Gefühl, zu reisen, habe ich mittlerweile auch schon, wenn es nach Amrum oder Föhr geht, nicht erst nach einem Acht-Stunden-Flug.

Reiseblogger Christoph Karrasch in Lalitpur, Nepal

Seit 2011 reist der Blogger und Reiseautor kreuz und quer durch die Welt, hier ist er in Nepal.

Was hat Dich 2011 motiviert, einen Reiseblog zu starten?

Eigentlich nur mein Reisehunger. Ich hatte zu der Zeit einen guten Job als Moderator beim Kieler Privatsender "Deltaradio" - mit festem Gehalt und 30 Tagen Urlaub im Jahr. Dadurch konnte ich auch mit Anfang zwanzig schon öfter mal nach Barcelona oder London reisen.
Mit der Zeit wurde das Reisen für mich zu einem Hobby, das immer mehr Raum einnahm. Irgendwann haben mir die 30 Tage einfach nicht mehr gereicht: Also fing ich an, darüber nachzudenken, wie ich Hobby und Beruf verbinden könnte. Nach einer Recherchereise in Südostasien schrieb ich ein paar Redaktionen an, um Geschichten darüber zu verkaufen - mit Erfolg!
Die fanden es, glaube ich, ganz gut, mal die Reiseerlebnisse eines Jüngeren zu lesen. Der Blog, auf dem auch viele meiner Geschichten stehen, war und ist dabei meine Visitenkarte. Mein Geld verdiene ich vor allem mit Beiträgen und Artikeln für klassische Medien.

Musst Du immer abenteuerliches erleben?

Ich bin nicht der Typ, der sich durch den Urwald kämpft und nur von Krötenfleisch lebt. Aber ich erlebe gern etwas auf Reisen - und ich suche mir dabei ganz bewusst auch Dinge, die andere links liegen lassen. Kampfsport in Thailand zum Beispiel könnte ja jeder leicht machen. Aber ich hab's getan und weiß jetzt, wie es ist, wenn man unter Palmen eins auf die Nase kriegt. Und wenn mich meine Blogleser nach Neuseeland schicken, um mit den Maori einen Kriegstanz zu lernen, umso besser. Daran werde ich mich mein ganzes Leben lang erinnern.

Reiseblogger Christoph Karrasch im Karongwe Camp in Südafrika

Abenteuer Safari: Christoph Karrasch unterwegs in Südafrika.

2014 ging es für Dich in zehn Tagen um die Welt: Wie kam diese ungewöhnliche Reise zustande?

Die Idee, in zehn Tagen um die Welt zu reisen und dabei Herausforderungen zu bestehen, hatte ich schon lange. Als dann ein Buchverlag auf mich zukam, um mit mir über mögliche Projekte zu sprechen, hab ich das einfach mal fallen lassen. Ein Konzept und viele Gespräche später stand das Ding. Da hab ich dann erst mal geschluckt.

Abgesehen vom zeitlichen Aspekt: Worin bestanden die Schwierigkeiten dieser Weltreise?

Ich wollte interaktiv, das heißt zusammen mit meinem Publikum, reisen. Mein Videoblog sollte dabei das Bindeglied zwischen uns sein. Drei Monate vor der Reise haben die Zuschauer über meine Route abgestimmt - fünf Orte auf fünf Kontinenten. Als nächstes habe ich gefragt, was genau ich dort machen soll.
Es gab sehr viele Vorschläge, teilweise auch lebensgefährliche Sachen wie in den Everglades mit Krokodilen schwimmen, aber sowas fällt natürlich direkt durchs Raster. Ganz grundsätzlich wollte ich aber so viele Aufgaben am jeweiligen Ort erfüllen, wie die Zeit hergibt. Über meine Hauptaufgabe vor Ort haben meine Follower auf dem Blog abgestimmt, während ich schon unterwegs war.

Auf was hättest du während der zehn Tage lieber verzichtet?

Auf den Skytower-Sprung in Auckland. Das war der schlimmste Tag meines Lebens. Noch als ich oben auf dem Podest stand, habe ich mir eingebildet, ich wäre hinterher ganz stolz. Aber dieses Gefühl kam nie. Stattdessen habe ich hinterher noch ewig gezittert vor Adrenalin. Aber wenn du weißt, dass die Kamera läuft, ist da immer der Gedanke: "Na gut, für den Film mach ich's".

Das klingt eher für die Zuschauer spaßig, nicht für Dich. Gab es auch Aufgaben, bei denen Du Dich richtig wohl gefühlt hast?

Zum Glück ja! In Kapstadt hatte ich die Aufgabe, in einem Township bei einem Hausbauprojekt mitzuhelfen, das war toll. Oder in Kathmandu habe ich Couchsurfing in einem Waisenhaus gemacht. Da saß ich dann mit 25 Kids verschiedenen Alters zusammen, mit meiner Ukulele in der Hand, und habe ihnen deutsche Lieder vorgespielt - und sie haben mir ihre vorgesungen. Wenn ich nicht nur unterhalten, sondern auch berühren kann, freut mich das sehr.

Reiseblogger Christoph Karrasch in Delhi, Indien

Mit der Rikscha quer durch Delhi: auf den Spuren der Sechs-Freunde-Theorie.

Ein anderes ungewöhnliches Reiseprojekt, "Kleine Welt", lief von März bis Mai 2016 bei dem deutschen TV-Sender N24. Du wandelst auf den Spuren der Sechs-Freunde-Theorie: "Jeder kennt jeden auf der Welt über sechs Ecken". In immerhin zwei Folgen hast den Praxistext gemacht. Stimmt die Theorie?

Statistisch kann ich das natürlich nicht beweisen, aber warum sollte nicht auch der Stammeskrieger in Papua-Neuguinea jeden über sechs Ecken kennen? Als wir in der zweiten Folge eine Verbindung zu Ishita Malaviya, Indiens erster Profi-Surferin, herstellen wollten, waren wir auch nicht sicher, ob das klappt.
Unsere Startperson, eine junge Vietnamesin, war bei einem Song-Slam in Frankfurt am Main im Publikum. Sie kannte jemanden aus Marburg, der als Entwicklungshelfer in Katmandu arbeitete und wiederum Freunde in Delhi hatte. Das brachte uns schon ein ganzes Stück näher an Ishita. Nach genau sechs Stationen und einer Fahrt quer durch Indien waren wir am Ziel.

Reiseblogger Christoph Karrasch am Nordkap in Norwegen

Träumen von Fiji: Reise-Autor Karrasch, hier am Nordkap

Und dann?

Hat sich der Sender gegen die Fortsetzung der Reihe entschieden. Aber für mich ist "Kleine Welt" noch nicht zu Ende erzählt. Vielleicht kann ich Euch nach ein paar weiteren Reisen sagen, ob ich immer noch an die Sechs-Freunde-Theorie glaube.

Du wirst also weiter viel unterwegs sein. Wohin würde es Dich denn ziehen, wenn Zeit und Geld dabei keine Rolle spielen würden?

Auf jeden Fall mal ins Weltall, gucken, was da oben so los ist. Und nach Fiji, wegen des Films "Die Truman Show". Seitdem Truman von Fiji träumt, träume ich von Fiji.


Das Interview führten Matthias Steinbrecher und Taina Niederwipper.

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