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Digitales Leben

Bloggerin Yoani Sánchez packt aus

Fünf Jahre lang lag die Bobs-Trophäe im Schrank der DW-Redaktion. Yoani Sánchez aus Kuba gewann 2008 den DW-Award für das beste Blog, den sie jedoch nie entgegennehmen konnte. Jetzt aber ist sie auf der re:publica.

Die Polizei hatte sie schon mehrmals verschleppt. Geschlagen wurde sie auch. Das gehört zum Alltag der Menschen auf Kuba, die sich nicht den Mund verbieten lassen. Yoani Sánchez gehört zu diesen Menschen. Weil sie es tun muss, sagt sie. Sie möchte "Dämonen austreiben", ihre Motivation sei die Zukunft Kubas, betont sie, sie wolle nicht später ihren Enkeln erklären müssen, dass sie nichts gegen die Unterdrückung getan habe. Dafür wird sie von der Regierung nun als Dissidentin beschimpft, als "Lügnerin und Söldnerin des Auslands".

Yoani Sánchez schreibt in ihrem Blog "Generación Y" über den Alltag in Kuba. Nicht ganz unkritisch, auch den Castro-Clan seziert sie in ihren Texten. Deswegen ist sie der Regierung ein Dorn im Auge. Anfang des Jahres durfte sie nach etlichen vergeblichen Anträgen ausreisen und nun ist sie auf weltweiter Tournee. Sie erzählt über ihre Arbeit, über Repressalien und darüber, wie sie erstens die Zensur in Kuba überwindet und zweitens, mit welchen Tricks sie ihre Sichtweise in der Welt verbreiten kann. 

Incognito ins Touristenhotel

Auf Twitter hat sie mehr als 500 000 Follower, die meisten kommen gar nicht aus Kuba. Denn dort ist das Internet für normale Menschen nicht bezahlbar. Private Anschlüsse gibt es nicht, nur in Hotels und Internetcafés. Wer dort das Netz nutzt, muss zwischen sechs und zwölf Dollar pro Stunde bezahlen (bei einem durchschnittlichen Monatsverdienst von 20 Dollar). Die Internetgeschwindigkeit ist mit dem eines Modems aus den 90er Jahren vergleichbar.

Die kubanische Bloggerin Yoani Sánchez, Gewinnerin des Deutsche Welle Awards The Bobs 2008. Hier auf einem Foto aus dem Jahr 2011. (Foto:Javier Galeano/AP/dapd)

Seit 2008 musste sie darauf warten, ihre Auszeichnung entgegenzunehmen: Yoani Sánchez

Da muss man sich schon etwas einfallen lassen, wenn man Informationen übers Netz bekommen möchte. Yoani zum Beispiel hat sich schon mal als europäische Touristin ausgegeben und sich in ein Hotel mit Internetanschluss geschlichen. Das hat nur deswegen funktioniert, weil sie etwas Deutsch kann – sie hat vor ihrer Karriere als Bloggerin zwei Jahre in der Schweiz gelebt.

Ein sehr wichtiges Werkzeug ist die mobile Technik. Per SMS werden Tweets an eine Telefonnummer im Ausland gesendet, auch einen Kontakt in Deutschland gibt es, von dort aus landet der Tweet dann im Netz. Der Nachteil dabei: Interaktion ist nicht möglich. Yoani Sánchez nennt das: "Tweeting in the dark" – in die Dunkelheit tweeten. Was dann weiterhilft, ist die Verbreitung durch Retweets, wenn man ihre Tweets also weiter postet.

Der heilige USB-Stick

Um möglichst effektiv zu arbeiten, schreibt sie die Texte für ihr Blog offline, lädt sie dann auf einen USB-Stick und gibt ihn anschließend einer vertrauten Person, die den Inhalt ins Netz stellt. Irgendwann, sagt sie lachend auf der re:publica-Bühne, werde sie dafür sorgen, dass der USB-Stick als “Saint Memory Stick“ heilig gesprochen wird.

Und dann appelliert sie an das Publikum: "Wenn Sie nach Kuba reisen, nehmen Sie Ihren alten Laptop oder Ihr altes Handy mit und geben Sie es irgendeinem Kubaner auf der Straße. Sie könnten damit das Leben dieses Menschen verändern und einem normalen Bürger dazu verhelfen, die rote Linie der Zensur zu überqueren."

In Berlin bekommt sie Applaus, doch nicht überall schlägt ihr soviel Sympathie entgegen. Bei einem Vortrag im italienischen Perugia wurde sie ausgebuht. Im Publikum waren militante Castro-Anhänger, die die Veranstaltung so lange störten, bis sie rausgeschmissen wurden.

Die kubanische Regierung beobachtet Yoani Sánchez und ihre Reise genau. Sie rechnet damit, dass weitere Vorträge, auch in Deutschland, gestört werden. Darüber macht sie sich aber keine Sorgen. Sie ist froh, dass sie jetzt in einem demokratischen Land sei, in dem man offen seine Meinung sagen könne.

Endlich bekommt sie den Bobs-Award

Die kubanische Bloggerin Yoani Sánchez, Gewinnerin des Deutsche Welle Awards The Bobs 2008, besucht auf ihrer Auslandstour die Berliner Mauer in der deutschen Hauptstadt Berlin (Quelle: DW)

Mittlerweile darf Yoani Sánchez ins Ausland verreisen - zum Beispiel nach Berlin

Wie wichtig ihre Beschreibungen des Lebens auf Kuba sind, zeigen die vielen Preise aus dem Ausland. Die konnte sie allerdings noch nie entgegennehmen, da sie jahrelang nicht ausreisen durfte. In Berlin kann sie im Rahmen der re:publica nun endlich ihren Bobs-Award in Empfang nehmen. Die Jury hatte ihr Blog "Generación Y" 2008 zum Best Blog gekürt. Der Jury gefiel besonders ihr "poetischer Stil und ihre klare Ausdrucksform" sowie die "hohe Symbolkraft für die gesamte Blogosphäre".

Damals sagte Yoani Sánchez in einer Videobotschaft: "Der Preis wird viele Blogger in unserem Land ermutigen. Eines Tages werden hier alle Menschen in der Lage sein, sich öffentlich zu äußern, ohne zuvor um Erlaubnis zu bitten. Dazu leistet dieser Preis einen wichtigen Beitrag."

Ihr Blog "Generación Y" ist übrigens, nach ein paar anfänglichen Stör-Versuchen seitens der kubanischen Regierung, unzensiert zu lesen. Nur jetzt nicht. Die Seite ist nicht erreichbar. Jeder kann sich denken, wer da seine Finger im Spiel hat. Doch Yoani und ihre Anhänger werden immer Mittel und Wege finden, ihre Texte dem Rest der Welt zugänglich zu machen.

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