1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Politik

Blogger mischen im US-Wahlkampf mit

Beim Parteitag der Demokraten 2004 in Boston waren Blogger erstmals zugelassen wie "richtige" Journalisten. Nun läuft der US-Wahlkampf an und die Blogger nehmen immer mehr politischen Einfluss.

Computertastatur, Quelle: AP

Immer mehr Menschen veröffentlichen ihre Meinung im Internet

Es hätte eine der üblichen Fernsehdebatten im Wahlkampf werden sollen. Organisiert vom Fernsehsender Fox News im US-Bundesstaat Nevada. Aber Harry Reid, der demokratische Senator in Nevada, blies die Veranstaltung ab. Die offizielle Begründung: Einer der Chefs von Fox hatte auf dem Sender den US-Senator Barack Obama mit Osama Bin Laden verglichen - wenn auch nur im Scherz.

Blogger als Journalisten

Blogger Matt Stoller ist sich jedoch sicher: Die Absage der Debatte ist seiner Zunft zuzuschreiben. Seit dem Nominierungsparteitag der Demokraten 2004 in Boston ist der Einfluss von Bloggern auf die Politik in den USA in der Tat deutlich gewachsen. Damals waren sie zum ersten Mal als eine Art "Journalisten" ernst genommen worden und hatten sogar einen eigenen Arbeitsbereich.

Portrait von Matt Stoller, geboren 1978, Quelle: Matt Stoller

US-Blogger Matt Stoller

Matt Stoller, selbst für die Demokraten aktiv, sieht die aktuelle Entwicklung der Medien kritisch und will gegen die Missstände vorgehen. In den letzten 30 bis 40 Jahren hätten sich die traditionellen Medien zunehmend ideologisch ausgerichtet, findet er. Fox zum Beispiel sei "ein parteiischer republikanischer Nachrichtenverteiler."

Überzeugungsarbeit

Mit der Fernsehdebatte, wie sie in Nevada geplant war, so argumentiert Stoller, hätten die Demokraten Fox News zu Unrecht als unabhängigen Nachrichtensender erscheinen lassen. Zusammen mit anderen Linken wollte Stoller dies verhindern. Er fing also an, seine Meinung in Blogs zu veröffentlichen.

Logo des US-Senders Fox, Quelle: Fox

Wie unabhängig berichtet Fox News?

Er habe zum Beispiel Leute dazu ermutigt, einflussreichen demokratischen Politikern Emails zu schreiben und diese dazu aufzufordern, die Fernsehdebatte abzusagen, berichtet Stoller. Offenbar mit Erfolg: Schließlich sei es linken Aktivisten gelungen, Senator Harry Reid davon zu überzeugen, die Debatte abzusetzen.

Bloggen alleine reicht nicht

Blogtexte allein reichen natürlich noch nicht aus, um Politik zu machen. Nicht nur Harry Reid, sondern sämtliche Personen in seinem Umfeld müssten - zum Beispiel mittels Telefonanrufen oder Emails - überzeugt werden, sagt Stoller. Das Internet ermögliche dabei die schnelle Kommunikation.

Harry Reid vor einem Walhbanner in US-Farben, Quelle: AP

Nevadas Senator Harry Reid

Der konservative Jonah Goldberg erkennt den Erfolg der linken Blogs an. Er weist aber noch auf ein anderes Phänomen hin: Blogger, sagt er, seien darauf angewiesen, dass traditionelle Medien, vor allem Zeitungen wie die New York Times, ihre Geschichten aufnähmen. Erst dann würden sie ein breites Publikum erreichen.

Das geschriebene Wort ist König

Meinungsforschern zufolge übt das Fernsehen den größten Einfluss auf politische Entscheidungen der Amerikaner aus. Trotzdem ist die Bedeutung von Zeitungen und Blogs nicht zu unterschätzen: Goldberg, der selbst bei CNN gearbeitet hat, sagt vor allem über die Redakteure bei den Kabelfernsehsendern: "Sie werden durch das geschriebene Wort angetrieben, sie verbringen den ganzen Tag damit, das geschriebene Wort zu lesen, sie recherchieren nicht selbst, sie denken nicht selbst nach, außer über das, was sie von Blogs und Webseiten und Zeitungen und Magazinen bekommen. Das geschriebene Wort ist immer noch König und wird es auch eine ganze Weile sein."

Die Redaktion empfiehlt

WWW-Links

Audio und Video zum Thema