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Asien

Blogger aus Bangladesch: "Die Polizei wird nichts unternehmen"

Vor dem Hintergrund der aktuellen Gewalt in seinem Land berichtet der bekannte bengalische Blogger Imran Sarkar über Morddrohungen. Der DW-Autor schildert im Interview die gefährliche Lage in Bangladesch.

DW: Was können Sie uns über die Todesdrohungen berichten, die sie erhalten haben?

Am Sonntagabend habe ich einen Anruf aus Großbritannien erhalten. Eine männliche Stimme warnte mich, dass ich ermordet werden würde. Er sagte: "Du wirst getötet werden." Ich fragte ihn, warum er mich töten wolle. Aber der Anrufer legte einfach auf.

Haben Sie das erste Mal Todesdrohungen erhalten?

Das ist wirklich fürchterlich und inakzeptabel. Als ich mich einmal gegen die Verhaftung eines Redakteurs ausgesprochen habe, hat mich die herrschende Partei öffentlich kritisiert und sogar Todesdrohungen über die sozialen Medien gegen mich ausgesprochen. Und gestern habe ich dann diesen Telefonanruf erhalten. Das ist demnach leider nicht das erste Mal, dass ich mit dem Tod bedroht wurde. Das muss ich fast täglich erdulden. Dieses Mal geht es um Kritik an der Regierungspolitik, insbesondere an den Einschränkungen der Meinungsfreiheit. Zuvor hatte ich mich auch gegen soziales Unrecht ausgesprochen. Immer mit dem gleichen Ergebnis: Ich erhielt Todesdrohungen wegen meines Engagements.

Wie verändert das ihr tägliches Leben?

Es ist sehr schwierig für mich, mein alltägliches Leben zu ändern. Ich nehme für gewöhnlich an einer Reihe von Protesten jeden Tag teil. Aber wenn die Angriffe so öffentlich werden und die herrschende Partei ebenfalls derartige Drohungen ausspricht, dann mache ich mir ernsthaft Sorgen und es fällt mir zunehmend schwer, normal weiter zu leben. Ich lebe gewissermaßen im Untergrund und verlasse mein Versteck nur, wenn es nötig ist. Ich glaube nicht, dass die bengalischen Sicherheitsbehörden sich angemessen verhalten. Obwohl ich öffentlich bedroht werde, haben die Behörden bisher niemanden verhaftet. Ich informiere die Behörden schon gar nicht mehr, denn sie werden ohnehin nichts unternehmen.

Haben Sie darüber nachgedacht aufzuhören?

Ich habe mehrfach Anrufe bekommen und wurde aufgefordert, aufzuhören, meinen Blog zu schreiben. Und die Regierung nicht mehr zu kritisieren. Sie haben mir wörtlich über Social Media gesagt: "Wenn du nicht aufhörst, töten wir dich." Außerdem habe ich Drohbriefe bekommen. Allerdings war das jetzt das erste Mal, dass ich einen Drohanruf auf dem Handy bekommen habe. Allen Drohungen zum Trotz habe ich niemals daran gedacht aufzuhören. Wir müssen unser Land beschützen vor einem Syndikat aus militanten Gruppen und Politikern, die das Wesen unserer Nation verändern wollen.

Im Jahr 1971 wurde Bangladesch befreit – mit dem Ziel, zu einem säkularen und liberalen, demokratischen Staat zu werden. Genau das wollen diese Leute ändern. Sie wollen Bangladesch zu einem extremistischen, militanten Land machen. Deshalb müssen wir gegen solche Bestrebungen ankämpfen. Wir haben eindrucksvolle Erinnerungen an unsere Eltern und Großeltern, die für unser Land gekämpft haben. Deshalb kommt Aufhören für mich nicht in Frage. Mir geht es darum, dass Bangladesch das Land aller 160 Millionen Bürger wird und nicht nur das einer privilegierten Minderheit.

Inwieweit ist die amtierende Regierung schuld an der Situation im Land?

Die Regierung trägt dafür die volle Verantwortung. Sie tut nicht genug, um das Land zu beschützen. Ich denke, die Untätigkeit der Regierung und irgendwie auch die Duldung der Ermordungen haben dazu geführt, dass die Angreifer mehr und mehr die Angst verloren haben. Die Regierung hat es auch versäumt, die Verantwortung dafür zu übernehmen, und die jüngsten Äußerungen unserer Premierministerin haben nur noch mehr dazu beigetragen, eine Kultur der Straflosigkeit zu stärken.

Imran Sarkar ist ein bekannter bengalischer Blogger und schreibt auch für DW-Alaap.

Das Interview führte Rodion Ebbighausen.

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