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Asien

Bloggen unter Lebensgefahr

Ein Jahr nach dem Mord an dem amerikanisch-bangladeschischem Blogger Avijit Roy sind die Täter noch immer auf freiem Fuß. Seitdem sind drei weitere Blogger getötet worden. Viele andere haben das Land verlassen.

Die Ekushey Buchmesse ist ein wichtiges Ereignis für alle Buchliebhaber und Intellektuelle in Bangladesch. Der Veranstaltungsort war bis auf den letzten Platz gefüllt, als der Blogger Avijit Roy und seine Frau Rafida Bonya die Messe am 26. Februar 2015 besuchten.

Nachdem er einige Bücherstände besucht und einige Bücher signiert hatte, in denen er die Existenz Gottes anzweifelt, verließ er die Messe und ging gemeinsam mit seiner Frau zum Auto. Plötzlich wurden die beiden von mindestes drei Jugendlichen mit Macheten angegriffen. Die Männer hackten auf Roy ein und töteten ihn, seine Frau wurde schwer verletzt. Die Attacke dauerte gerade einmal eine Minute, mitten auf einer belebten Straße in der Nähe eines Polizei-Checkpoints.

Mord an Avijit Roy, Tatort (Foto: DW)

Der Blogger Avijit Roy wurde auf offener Straße brutal ermordet

Die Mörder sind auf der Flucht

Ein Jahr ist seit dem brutalen Mord vergangen und noch immer gibt es laut Polizei keine Spur von den Tätern. Roy war ein Anwalt für die freie Meinungsäußerung in Bangladesch, er gründete den Blog Mukto-Mona, eine Plattform für freie Denker.

Monirul Islam, der Chef der Abti-Terror-Abteilung der Polizei von Dhaka vermutet, dass eine islamistische Gruppe mit dem Namen "Ansarullah Bangla Team" den Mord begangen hat. Die Gruppe selbst hatte noch am Abend der Tat die Verantwortung übernommen.

"Wir haben keine Augenzeugen gefunden, die bereit waren, eine eidesstattliche Aussage zum Mord an Roy zu machen", sagt Islam. "Einige haben mit uns gesprochen, aber niemand war in der Lage, die Gesichter der Mörder zu beschreiben."

Roys Ehefrau Rafida Bonya Ahmed hat während der Tat einen Daumen verloren. Sie hat erntshafte Zweifel an den Ermittlungen. "Niemand aus der bangladeschischen Regierung, niemand von den Ermittlungsbehörden hat den Kontakt mit mir aufgenommen", sagt sie gegenüber der DW.

Die Polizei hat mindestens acht Verdächtige festgenommen, aber bislang hat niemand ein Geständnis abgegeben.

Blogger fliehen aus Bangladesch

Nach dem Mord an Roy sind drei weitere Blogger und ein Verleger seiner Bücher innerhalb weniger Monate getötet worden: Washiqur Rahman Babu, Ananta Bijoy Das, Niloy Neel und Faisal Arefin Dipon. Islamistische Gruppen haben sich in sozialen Netzwerken zu den Taten bekannt.

Sie sagen, die Blogger hätten den Islam kritisiert – ein Akt, den sie nicht tolerieren könnten. Alle Opfer waren Unterstützer von Roy, was darauf schließen lässt, dass die Mörder es gezielt auf Menschen abgesehen haben, die in Verbindung mit seinem Mukto-Mona Blog stehen. Der Blog enthält zahlreiche Texte über Atheismus, Vernunft und Wissenschaft.

Rafida Bonya Ahmed sagt, es gehe hier nicht nur darum, dass Fanatiker gewaltsam auf Kritik am Islam reagieren. Es sei auch ein Kampf zwischen Säkularismus und Extremismus. "In der Geschichte haben sich Extremisten immer von wissenschaftlichen Fakten und säkularen Ideen bedroht gefühlt", sagt sie. Der Mutko-Mona Blog sei ein Pionier in der Bloggerszene Bangladeschs gewesen und habe genau das getan. "Es ist leicht zu verstehen, warum sie uns als ihre Hauptfeinde ansehen."

Bangladesch Protest gegen Ermordung von US-Blogger (Bildergalerie)

Es herrscht ein Kampf zwischen Säkularen und Extremisten, sagt Rafida Bonya Ahmed

Die Mordserie hat dazu geführt, dass zahlreiche Blogger das Land verlassen haben, berichtet der atheistische Blogger Asif Mohiuddin. "Mindestens 28 Blogger sind aus Bagladesch geflohen im letzten Jahr. Weitere 40 denken darüber nach wegen der ständigen Sorge angegriffen zu werden."

Mohiuddin kam 2013 nach Deutschland, nachdem er von religiösen Fundamentalisten in Dhaka angegriffen und wegen Kritik am Islam von der Regierung verhaftet wurde. Sein Blog wurde verboten, was ihn letztendlich dazu veranlasste, das Land zu verlassen.

"Einige internationale Organisationen helfen Bloggern aus Bangladesch, die verzweifelt Hilfe benötigen."

Internationale Unterstützung

Um diese Blogger zu unterstützen, fand am 21. Februar eine "Solidaritätsbuchmesse" in den Niederlanden statt mit Diskussionen zwischen Bloggern aus Bangladesch und europäischen Rechtsexperten.

Jakob de Jonge, Direktor des Hague Peace Project und einer der Organisatoren der Veranstaltung sagt, es sei unakzeptabel, was mit freien Denkern in dem südasiatischen Land geschehe. "Wir werden alles in unserer Macht stehende tun, um mehr Freiräume für die freie Meinungsäußerung in Bangladesch zu schaffen", sagt er.

Rechtsexperten, die an der Veranstaltung teilgenommen haben, haben die internationale Gemeinschaft aufgerufen, die Blogger zu unterstützen und die Meinungsfreiheit in dem 160-Millionen-Einwohnerstaat sicherzustellen. Aura Freeman von Amnesty International sagt, dass Dhaka die internationale Verpflichtung habe, die Meinungsfreiheit zu schützen.

"Es gab regelmäßig Angriffe auf diejenigen, die ihr Recht auf Meinungsfreiheit ausüben", sagt sie. "Damit die Regierung ihrer Verantwortung gerecht wird, üben wir internationalen Druck auf sie aus über mehrere Plattformen."

Exilblogger haben jedoch Zweifel, dass sich die Situation in Bangladsch in absehbarer Zeit verbessert. Sie glauben nicht an Unterstützung der großen Parteien des Landes.

"Sie glauben, das würde sie Stimmen der frommen Muslime kosten", sagt ein bekannter Blogger, der anonym bleiben will. "Unser Image als Blogger ist so angeschlagen, dass es sich in kurzer Zeit nicht erholen wird."

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