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Digitales Leben

Bloggen gegen Mordkommandos

In Bangladesch häufen sich Berichte über sogenannte außergerichtliche Tötungen. Darüber bloggt der Journalist Abu Sufian und erhält den "Reporter ohne Grenzen"-Award bei den BOBs 2012.

Ein Plakat der beiden ermordeten Journalisten Sarowar und Runi ,Foto: DW/Harun Ur Rashid Swapan 11.05.2012, Dhaka

Blogger Protest in Dhaka

Trotz demokratischer Strukturen in Bangladesch häufen sich Berichte über sogenannte außergerichtliche Tötungen: Staatliche Sicherheitskräfte sollen in den vergangenen Jahren mutmaßliche Täter getötet oder gefoltert haben, ohne dass es jemals ein gerichtliches Verfahren gegeben hat. Der Journalist und Blogger Abu Sufian berichtet in seinem Blog über solche Mordfälle, über Rechtswillkür und Korruption. Er fordert die Behörden in seinem Land auf, für mehr Transparenz zu sorgen. Alle vermeintlichen Straftaten sollen nur innerhalb der rechtsstaatlichen Rahmenbedingungen geahndet werden.

Bangla blogger Abu Sufian Copyright: Abu Sufian Mai, 2012

Blogger Abu Sufian

Die Nichtregierungsorganisation "Reporter ohne Grenzen" stuft Bangladesch als Land mit einer sehr geringen Pressefreiheit ein. Nicht zu Unrecht: Trotz demokratischer Strukturen fühlen sich Abu Sufian und viele andere Journalisten nicht sehr wohl, im eigenen Land zu leben und zu arbeiten.

Für sein Engagement erhält Abu Sufian bei der Verleihung der BOBs am 26. Juni den "Reporter ohne Grenzen"-Award.

Sonderkommando einer alten Regierung

Der Kampf gegen den islamistischen Terror ist auch in Bangladesch ein brisantes Thema. Islamistische Gruppierungen lehnen die weitgehend sekuläre Staatsstruktur ab und würden lieber einen Gottesstaat mit streng ausgelegten islamischen Musterbild errichten. Die Abspaltung von Pakistan 1971 betrachten sie eher als einen Fehler.

Aufgrund zunehmender terroristischer Anschläge beschloss die Regierung unter Premierministerin Khaleda Zia 2004, eine Spezialeinheit zu gründen, die aus den besten Männern mehrerer Sicherheitskräfte besteht. Zum bengalischen Neujahrfest wurde Rapid Action Battalion (RAB) ins Leben gerufen.

Diese Spezialeinheit hat es tatsächlich geschafft, mehrere hochrangige Terroristen zu verhaften oder zu töten sowie ihre illegalen Waffen und Ausrüstung sicherzustellen.

Rapid Action Battalion RAB: Die Spezialeinheit patrouliiert auf der Straße. Foto: dpa - Report+++

Rapid Action Battalion RAB: Die Spezialeinheit macht vielen Angst

Die schwarz gekleideten Kommandos erwecken Furcht und Neugier unter der Bevölkerung. Diese Einheit wird als allmächtig angesehen, der es offenbar immer wieder gelingt, am Rande der rechtsstaatlichen Strukturen zu agieren und an mutmaßlichen Tätern Lynchjustiz zu üben. Bei sogenannten "Zusammenstößen" kommen oft Menschen ums Leben, die eigentlich vor Gericht stehen sollten.

Eingeschüchterte Journalisten

Solche Vorkommnisse werden in Bangladesch heftig diskutiert. Allerdings kaum in den Medien: Journalisten scheinen zu eingeschüchtert, um zu diesen Vorfällen offen und klar Stellung zu nehmen. Selbst wenn sie unter schwierigen Bedingungen mit eigener Recherche zur Aufklärung solcher "außergerichtlichen" Morde beitragen können, werden diese Beiträge oft gar nicht veröffentlicht.

Der bengalische Journalist Abu Sufian hat auch unter diesen Umständen gelitten. Als Enthüllungsjournalist war er recht bekannt, da er über mehrere Fälle von außergerichtlichen Hinrichtungen berichtet hatte. Bei seinem früheren Arbeitgeber hat er zu diesem Thema sogar einen Dokumnentarfilm in drei Teilen gedreht. Bereits nach der Ausstrahlung der ersten Folge musste der Sender unter massivem "Druck von oben" die Serie einstellen.

"Wenn herkömmliche Medien versagen, können die Blogger die unangenehme Nachricht verbreiten", unter diesem Motto engagiert sich Abu Sufian für Themen, die ansonsten unbemerkt geblieben wären. Zur Zeit bloggt er unter anderem für Bangladeschs bekannteste Online-Zeitung "bdnews24.com", die auch mit der DW zusammen arbeitet.

Blogger unterstützen die Medien

Als Journalist und Blogger fühlt sich Abu Sufian besonders betroffen, wenn Kollegen unter unnatürlichen Umständen ums Leben kommen. Als Anfang Februar das Journalistenpaar Sagar Sarowar und Mehrun Runi in seiner Wohnung in Dhaka brutal ermordet wurde, stand die ganze Nation im Schockzustand. Trotz vollmundiger Versprechen von Regierungsseite ist der Mordfall bis heute nicht aufgeklärt. Der ehemalige DW-Kollege Sagar Sarowar war auch als Blogger aktiv. Viele Journalisten fragen sich, ob sie vielleicht das selbe Schicksal erwartet.

Dieser Mord und weitere Fälle im Lande haben Journalisten und Blogger enger zusammengeführt. "Jedem von uns ist das Risiko bewusst, aber wir müssen weitermachen und das tun wir auch“, sagt Abu Sufian aus tiefster Überzeugung.

Abu Sufian freut sich sehr über den Preis, den er im Rahmen des Global Media Forums entgegen nehmen wird. "Es ist zweifellos ein großartiger Verdienst. Als Blogger, als Journalist und als Bürger von Bangladesch schätze ich diese Auszeichnung sehr. Alle bengalischen Blogger und Journalisten haben es gemeinsam verdient", glaubt er.

Shahidul Alam auf dem Global Media Forum 2012. Foto: Shahidul Alam

BOBs- Jury Mitglied Shahidul Alam

Im Netz beobachtet

BOBs Jurymitglied Dr. Shaidul Alam aus Bangladesch engagiert sich ebenfalls für das Thema. Er war Teil einer ungewöhnlichen Initiative, die die breite Öffentlichkeit auf willkürliche Mordfälle seitens der Sicherheitskräfte aufmerksam machen sollte. "Wir heben die Orte, an denen solche Fälle stattfinden, anhand von Google Earth hervor. Nach sehr mühsamen Recherchen versuchen wir immer, den genauen Tatort zu ermitteln", erklärt Alam. Die Idee dahinter war, dass auch normale Bürger Information liefern sollten, die zur Aufklärung myseriöser Morde beitragen könnten; die Organisation hätte sie dann zu ihrer Datenbank hinzufügen können. "Leider hat es nicht geklappt, da der Normalbürger von Bangladesch sich im Internet nicht mehr wohlfühlt. Er weiß genau, man könnte im Internet anhand der IP-Adresse seine Spuren aufsuchen. Als einmal Facebook und YouTube in Bangladesch vorübergehend blockiert wurde und mehrere Menschen verhaftet worden waren, hat sich dieser Verdacht bestätigt.“

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