1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Service

Bloggen für sich und andere

Ein Blog kann alles sein, da tut Austausch gut. Im Pressesalon von "The BOBs: DEUTSCHE WELLE International Weblog Awards 2004" trafen sich Stars der Blogger-Szene aus China, Russland und Deutschland.

default

DW-Redakteurin Yuelei Hu und die Starbloggerin Mu Zimei (rechts)


The BOBs - Best Of The Blogs 2004

Moderator und Jury-Mitglied Konstantin Klein im Café Largus (rechts) und Anton Nossik, russisches Jury-Mitglied aus Moskau (links)

Ein bisschen sieht es aus wie im heimischen Wohnzimmer. Als Kulisse dient ein Wandregal voller Bücher, mit dabei: Sydney Sheldon, Konsalik und Suzie Wong. Auf den Tischen des Kölner Cafe Largus stehen verkabelte Notebooks. Die Erkenntnisse des DW-WORLD Pressesalons werden mitgetippt und live ins Internet gestellt. Schließlich geht es hier um eine neue Form der Kommunikation: unmittelbar, selbstreferenziell und selten ganz einfach zu erklären. Was genau sind den nun überhaupt Weblogs?

Technik und Anarchie

"Das Interessante an Blogs ist, dass sie alles mögliche sein können: Tagebuch, Reisebericht oder ein tägliches Abgrasen technisch interessanter und politisch interessanter Links wie bei mir", erklärt Jörg Kantel. Der Herr mit den Snoopy-Socken ist in Bloggerkreisen als "der Schockwellenreiter" bekannt. So heißt die Internetseite, die Kantel seit April 2000 mit großem Erfolg betreibt. Den hat er, obwohl sein täglicher Weblog nur von zwei Themen handelt: Technik und Anarchie.

In der deutschen Bloggeria gilt Kantel als Autorität. Der EDV-Leiter eines Max-Planck-Instituts war schließlich einer der Ersten. Nach einer beeindruckenden Karriere als Kaufmann, Gitarrist, Schauspieler und Systembetreiber sieht Kantel die Bloggerszene als neue Graswurzelbewegung. "Das ist erstmals eine Möglichkeit, die einen in die Lage versetzt, ohne finanzielle Mittel ein potentiell riesiges Pubklikum zu erreichen", sagt er und beugt sich über sein Notebook.

Russische Elite

Ein potentiell riesiges Internetpublikum gibt es im Prinzip auch in Russland. Das World Wide Web boomt seit fünf Jahren auch beim östlichen Nachbarn. Nur leider bekommen das die wenigsten vor Ort auch mit. "In egalitären Ländern wie den Vereinigten Staaten oder in Europa haben etwa die Hälfte der Bevölkerung einen Zugang zum Internet. Und zwar aus allen Bevölkerungsschichten. In Russland sind es die Eliten, die am besten Ausgebildetsten, die Wohlhabensten", sagt Anton Nossik. Und schätzt den Anteil der User auf maximal 13 Prozent der Bevölkerung.

Nossik gilt als der "Guru" des russischen Internets. Kaum ein wichtiges Internet-Projekt in Russland, an dem er nicht in irgendeiner Form beteiligt wäre. Der Manager mit abgeschlossenem Medizinstudium betont die zentrale Rolle von Blogs bei der Meinungsbildung. Während die Behörden in Russland Schritt für Schritt ihre Kontrolle über die Fernseh- und Rundfunkanstalten mehren würden, blieben die Blogs weitgehend unbehelligt.

Erotik und Philosophie

"Blogs erlauben es jedem sein eigener Produzent, Chefredakteur oder Prophet zu werden. Sie tragen ihre eigene Begrenztheit aber natürlich mit sich. Denn es kommt immer darauf an, wie viele Leute den auch Blog lesen", sagt Nossik. Über mangelnde Aufmerksamkeit kann Mu Zimei nicht klagen. Die 26-jährige chinesische Publizistin, die mit bürgerlichem Namen Li Li heißt und Philosophie studiert, versammelte Millionen von Usern auf den Internetseiten ihres erotischen Tagebuchs. Bis sie auf Druck der chinesischen Regierung einen Password-Schutz einbauen musste.

"Ein Blog soll unterhaltsam sein. Und wenn er diese Funktion erfüllt, dann ist es ein guter Blog. Genau wie ein gutes Magazin", erklärt die Dame, die zum ersten Mal auf Auslandsreise ist. Gemeinsam mit den Herren Kantel und Nossik gehört sie zur Jury für "The BOBs: Deutsche Welle International Weblog Awards 2004" und ist nach Deutschland gekommen, um über die Preisträger aus aller Welt zu befinden. Mu Zimei sieht in Weblogs eine weitere Globalisierung des Informationsaustausches.

Eine wachsende Bewegung

Aber werden Blogs jetzt auch die Welt verändern? "Nein, das werden sie nicht. Aber Blogs können Teil einer wachsenden Bewegung sein", erklärt Schockwellenreiter Kantel zum Schluss. Dann klemmt er sich mit der Kollegin Mu Zimei hinter den Bildschirm. Schließlich muss er ihr noch seinen Blog zeigen. Und den Horizont erweitern trotz Sprachbarriere. Denn es gibt noch soviel zu entdecken. Gemeinsam und im World Wide Web.

Die Redaktion empfiehlt

  • Datum 23.11.2004
  • Autorin/Autor Marcus Bösch
  • Drucken Seite drucken
  • Permalink http://p.dw.com/p/5tYa
  • Datum 23.11.2004
  • Autorin/Autor Marcus Bösch
  • Drucken Seite drucken
  • Permalink http://p.dw.com/p/5tYa