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Politik & Gesellschaft

Blockupy-Aktivisten legen Mainhattan lahm

Rund 40 Organisationen der bankenkritischen Bewegung "Occupy" haben Bankangestellte daran gehindert, ihre Geldhäuser zu betreten. Die Polizei ist mit massivem Aufgebot vor Ort.

Grün wartet auf bunt: Über 5000 Polizeibeamte aus ganz Deutschland haben am Freitagmorgen (18.05.2012) das Frankfurter Bankenviertel komplett abgeriegelt. Mit kugelsicheren Westen, Körperschutzteilen aus Hartplastik und Spezialhelmen ausgerüstet, warten sie hinter doppelt aufgestellten Absperrgittern. In den ohnehin leeren Straßen reiht sich ein Einsatzwagen an den nächsten. Hubschrauber kreisen in der Luft. Alles wirkt, als hätten die Behörden sich für einen Angriffskrieg gerüstet.

Um 6.00 Uhr morgens wollten die Aktivisten unter dem Motto "Blockupy" anrücken und die Eingänge zu den wichtigsten Banken blockieren. Doch um diese Uhrzeit ist noch niemand zu sehen. "Die schlafen noch. Mit leerem Magen demonstriert es sich nicht so gut", witzelt einer der Polizisten, die sich zu dem "Spuk" sonst nicht äußern dürfen.

Bildtext: Großeinsatz der Polizei und Absperrung im Bankenviertel in Frankfurt/ Main. 5000 Beamten sind im Einsatz gegen die angekündigten Proteste der Globalisierungsgegner der Bewegung Blockupy. Sie stehen auch auf den Gleisen. Der öffentliche Nahverkehr in der Stadt liegt weitgehend lahm. Copyright: Wolfgang Dick/ DW, 18.05.2012; Rechte an DW abgetreten.

Polizisten - zahlreich im Einsatz

Die Polizei ist gewappnet

Bereits die ganze Nacht haben Beamte und Sicherheitskräfte an den Zäunen ausgeharrt. Manche gähnen müde. Alle warten gespannt. Alle hoffen, dass keiner der Aktivisten durch die Absperrungen kommt. Gespenstische Ruhe in den Straßen rund um die Europäische Zentralbank. Zu normalen Zeiten pulsiert hier das Leben. Viel Verkehr. Viele Menschen.

Zwei Bankangestellte in Freizeitkleidung bewegen sich im Baneknviertel in Frankfurt/ Main. Copyright: Wolfgang Dick/ DW 18.05.2012, Frankfurt

Inkognito: Banker

Kurz nach sieben Uhr huschen die ersten Gestalten ins Zentrum der Absperrzone. Mit hastigen Schritten eilen sie durch die ansonsten menschenleeren Straßen. Mobiltelefone werden gezückt. Fragende und unsichere Blicke begegnen sich. Manch einer irrt ein paar Mal an derselben Stelle vorbei. Die meisten kapitulieren, treten wieder den Heimweg an. Kein Wunder, die Eingänge der Banken sind mit Brettern aus Holz verriegelt. Das haben die Banken selbst aus Sorge um den angekündigten Angriff übernommen.

Kein Geschäft zu machen

"Das sind alles Banker", meint Jack Bailly, mit Blick auf Passanten. Der französischstämmige Mann betreibt einen Zeitungskiosk zwischen der Deutschen Bank und der Europäischen Zentralbank. Banker, unterwegs ohne Anzüge und Lackschuhe? "Die Polizei hat ihnen geraten, in Freizeitkleidung zu kommen, um nicht aufzufallen und um niemanden zu provozieren", klärt Bailly schmunzelnd. Sein Geschäft für diesen Freitag hat er bereits abgeschrieben. Einem niederländischen Journalisten gibt er noch ein Interview. Den Aufwand der Sicherheitskräfte finden beide übertrieben.

Bildtext: Ein niederländischer Journalist befragt Jack Bailly, den einzigen Kioskbesitzer gegenüber der EZB (Europäische Zentral Bank). Copyright: Wolfgang Dick/ DW, 18.05.2012/ Rechte an DW abgetreten.

Jack Bailly (r.) gibt ein Interview

Jack Bailly will noch Zeitungen in die Europäische Zentralbank bringen und dann nach Hause gehen. Doch in den Banken, heißt es, sei kaum jemand. Tatsächlich arbeitet an diesem Freitag auch in der Europäischen Zentralbank nur eine Notbesetzung. Die Verteilung der Zeitungen haben die Polizisten übernommen. Dafür müssen sie erst einmal die Absperrungen überwinden, die sie selbst aufgebaut haben. Inzwischen stehen die verunsicherten Bankangestellten in ihrer Freizeitkleidung in kleinen Gruppen zusammen. Einige lächeln zufrieden. Andere sind sauer. Alle haben gerade erst über ihre Mobiltelefone erfahren, dass auch sie nach Hause gehen dürfen, denn fast alle Banken bleiben geschlossen.

Ruhe - vor dem Ansturm?

Im Bankenviertel ist es dementsprechend ruhig. Erst am Vormittag jagen dann mehrere Kolonnen von Polizeiautos mit lauten Signalen durch die Straßen zum Messegelände der Stadt. Dort hat sich eine erste Gruppe von rund 50 "Blockupy-Demonstranten" mit Transparenten versammelt.

Bildtext: Zeltstadt der Globalisierungsgegner (Occupy-Bewegung) im Bankenviertel von Frankfurt/ Main. Copyright: Wolfgang Dick/ DW, 18.05.2012; Rechte an DW abgetreten.

Occupy-Zeltstadt im Bankenviertel

Ihre Zeltstadt vor der EZB wurde bereits vor Tagen zwangsweise geräumt. Es dauert keine fünf Minuten und die Protestler sind von Polizisten eingekesselt. Am Weitergehen werden sie gehindert.

Buhrufe der Demonstranten werden laut. Aber die Aktivisten bleiben friedlich. Die Polizeikräfte ebenfalls. Journalisten und Kameraleute kommen angelaufen und beginnen ihre Interviews. Ob denn mit dem abgeriegelten Bankenviertel die Aktion nicht gescheitert sei, wird gefragt. "Nein, absolut nicht", erklärt eine Blockupy-Anhängerin.

Globalisierungsgegner in Frankfurt/ Main. Copyright: Wolfgang Dick/ DW 18.05.2012, Frankfurt

Bunt gegen Grün

Die Polizei habe den Job bestens erledigt, die Banker von ihren Arbeitsplätzen fernzuhalten, erklären mehrere Demonstranten hämisch. Die umstehenden Polizisten finden das nicht lustig. Unbeteiligte Passanten schütteln den Kopf und fragen die Gruppe der Demonstranten, ob sie denn glaubten, dass sich mit ihren Aktionen das Denken der Bankmanager oder das Bankensystem verändern würde. "Das ist natürlich ein langsamer Prozess", erklärt einer der Protestler.

Der Eingang zur Commerzbank im Bankenviertel ist mit Spanplatten vernagerlt. Copyright: Wolfgang Dick/ DW 18.05.2012, Frankfurt

Banken haben dicht gemacht

Aber es sei wichtig, darauf hinzuweisen, dass die Exzesse der Finanzwelt so von Bürgern nicht hingenommen würden. Die so angegriffenen Banker bekommen von den Demonstrationen nichts mit. Die weiteren angekündigten Proteste werden noch manchen Polizeieinsatz notwendig machen. "Ändern wird sich wohl nichts", meint eine Apothekerin, die gegenüber der Commerzbank ihr Geschäft doch noch geöffnet hat. Sie verspricht sich einen besonderen Absatz von Schmerzmitteln. Nicht für die Banker. Nicht für die Demonstranten. Aber für die Polizei.

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