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Kultur

Blockbuster: Regisseur George Lucas wird 70

Mit "Star Wars" und "Indiana Jones" hat US-Regisseur George Lucas Kinogeschichte geschrieben. Inzwischen ist er einer der erfolgreichsten Filmproduzenten aller Zeiten. Nur ein Oscar fehlt ihm bis heute.

In London haben gerade die Dreharbeiten zum neusten Kino-Epos "Star Wars: Episode VII" begonnen. Der Erfinder dieses Weltraummärchens, George Lucas, ist aber nicht als Regisseur dabei, sondern nur in einer Nebenrolle: als Berater. Die Regieanweisungen am Set in den Londoner Pinewood Studios gibt dieses Mal Jeffrey Jacob Abrams (Star Track, Mission Impossible III). George Lucas kann in aller Ruhe seinen 70. Geburtstag feiern.

Leben auf der Überholspur

Geboren wird George Lucas als Sohn eines Walnuß-Farmers am 14. Mai 1944 im kalifornischen Modesto. Er liebt die Abenteuer von Robinson Crusoe, Tom Sawyer und Huckleberry Finn, verschlingt die Comics von Flash Gordon, Buck Rodgers und Supermann und träumt davon, Rennfahrer zu werden. Beim "Car Crashing" mit frisierten Autos rast er über menschenleere Straßen – wie James Dean. Aber kurz vor seinem 18. Geburtstag erlebt Lucas einen schweren Autounfall. “Irgendwie wurde mir klar, dass das vielleicht doch nicht das Richtige für mich ist.“ Er entscheidet sich, an der University of Southern California in Los Angeles Englisch, Astronomie, Geschichte und Film zu studieren. Als Newcomer produziert er vier Kurzfilme, u.a. den Sciene-Fiction-Film "THX 1138: 4EB", der 1968 sogar in Deutschland auf den Oberhausener Kurzfilmtagen läuft.

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Dreharbeiten zum Kinofilm "Star Wars" (1977): zweiter von links Jung-Regisseur George Lucas

Nach Abschluss seines Studiums geht Lucas zum Warner-Studio. Dort lernt der extrem schüchterne junge Mann Francis Ford Coppola kennen. Die beiden freunden sich an und der sieben Jahre ältere Coppola wird sein Lehrmeister. 1969 gründen die beiden das alternative Filmstudio American Zoetrope. Dort entsteht Lucas erster Spielfilm: "THX 1138". Er spielt in einer trostlosen Zukunftsgesellschaft, deren Mitglieder mit knallharter Arbeit die Produktion steigern sollen. Als der Film 1971 ins Kino kommt, reagieren die Kritiker zwar positiv, aber an der Kinokasse floppt das Werk.

Aufstieg in Hollywood

Nur zwei Jahre später feiert Georg Lucas mit "American Graffiti" seinen Durchbruch als Regisseur. Das Generationen-Portrait, angesiedelt im Jahr 1962, erzählt die Geschichte jugendlicher High-School-Absolventen, die ein letztes Mal durch die Straßen ihrer Kleinstadt fahren, ehe sich am nächsten Morgen ihre Wege trennen werden. Der Kinofilm stand damals für den sozialen Umbruch einer Ära und das Ende des jugendlichen "Rock and Roll". "American Graffiti" kostete 1,3 Millionen Dollar und spielte in den USA rund 55 Millionen Dollar ein: ein erster kommerzieller Erfolg für den jungen Regisseur.

Kurz zuvor hatte Lucas mit 20th Century Fox, einem der größten Produktionsstudios in Amerika, vereinbart einen Science-Fiction-Film zu drehen. Mit dem Erfolg im Rücken setzte er seine Forderungen durch: Er will den Film mit seiner eigenen Firma produzieren. Außerdem sichert er sich die Rechte an eventuellen Fortsetzungen und am Merchandising, das ihm später Millionen einbringt. Das Studio stimmt zu. Und die Erfolgsgeschichte des George Lucas nimmt ihren Lauf.

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Ritter und Fabelwesen: die Weltraummärchen von George Lucas haben Filmgeschichte geschrieben

Verborgene Sehnsüchte

Lucas will einen Kino-Film für die 10-12-jährigen drehen. "Ich erkannte, dass den Kids von heute ein Phantasieleben fehlt, so wie wir es hatten – sie haben keine Western, keine Piratenfilme, keine Abenteuer." Ihm schwebt ein Weltraummärchen vor, eine Kombination aus "2001 Odyssee im Weltraum" und den Actionstreifen von "James Bond". Heraus kommt eine futuristische Saga mit Weltraumrittern und Fabelwesen: "Star Wars". Damit versucht George Lucas eine ganz neue Mythologie und ein neues Filmgenre zu kreieren.

Lucas hatte sich intensiv mit Märchen, Esoterik und Mythen befasst und stieß dabei auf Bücher des amerikanischen Anthropologen Carlos Castaneda (1925-1998). Andererseits ist er fasziniert von dem Mythenforscher Josef Campbell (1904-1987), an dessen Werk "Der Heros in tausend Gestalten" er sich ebenfalls orientiert. Verknüpft mit seinen technischen Fertigkeiten konstruiert George Lucas daraus das dramaturgische Gerüst für “Star Wars“.

George Lucas 70. Geburtstag

Lucas mit Filmfigur aus "Star Wars" beim TV-Scream Award (2011)

Zweieinhalb Jahre schreibt Lucas an dem Drehbuch, einem Skript ohne Sex und Gewalt. Allerdings hält sich sein Talent als Drehbuchautor in Grenzen. Als die Studiobosse und enge Freunde 1976 die erste Testvorführung von "Star Wars" sehen - noch ohne Spezialeffekte, sind alle geschockt: Lucas´ Frau Marcia bricht in Tränen aus, Regisseur Brian De Palma verreißt alles, und George Lucas versinkt zu einem Häufchen Elend. Nur Regisseur Steven Spielberg tröstet ihn: "George, dein Film ist großartig. Ich prophezeie dir, der wird 100 Millionen Dollar einspielen!"

Kommerzielle Erfolgsgeschichte

"Star Wars" spielt in den ersten zwei Jahren weltweit 276 Millionen Dollar ein und wird zum bis dahin erfolgreichsten Film aller Zeiten. Später werden zwei Nachfolgefilme gedreht bzw. noch eine Trilogie, die die Vorgeschichte erzählt. Außerdem gehören noch Fernseh- und Animationsfilme zum Star-Wars-Universum des George Lucas. Wobei allein die Einnahmen durch das Merchandising auf 20 Milliarden Dollar geschätzt werden. Inzwischen rangiert Georg Lucas laut US-Magazine "Forbes" unter den reichsten Menschen der Welt auf den vordersten Plätzen - mit einem geschätzten Vermögen von 4,9 Milliarden US-Dollar.

Bildergalerie Star Wars Dreharbeiten 1977

Meister ihres Fachs: Steven Spielberg, George Lucas und Harrison Ford (Indiana Jones") bei den Filmfestspielen in Cannes

Die Ironie des Schicksals: Lucas hat als einer der wenigen New-Hollywood-Regisseure, zwar finanzielle Unabhängigkeit von Hollywood erreicht, ist aber zugleich Gefangener seines "Star Wars"-Erfolges geworden. Wenn er etwas anderes produziert hat, wie "Indiana Jones", erhält dafür der Regisseur Steven Spielberg die Anerkennung. US-Filmemacher William Friedkin meinte Ende der 70er Jahre: "Die Folgen von “Star Wars" waren so ähnlich, wie der Durchbruch von McDonald´s: Der Geschmack für gutes Essen ging einfach verloren.“

Das einzige, was George Lucas in seiner steilen Erfolgsgeschichte fehlt, ist ein Oscar. 2005 wurde er aber dafür mit dem höchsten Preis des American Film Institute für sein Lebenswerk geehrt: "Ich bin stolz darauf, zu einer außergewöhnlichen Gruppe von Leuten gezählt zu werden, die ihr Leben der Kunst des Filmemachens gewidmet haben." Sein "Star-Wars"-Imperium hat er 2012 an Walt Disney verkauft.

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