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Fokus Osteuropa

Blockade Georgiens: Armenien sitzt in der Falle

Russland hat den Grenzpunkt Werchnij Lars an der Grenze zu Georgien geschlossen. Die Auswirkungen treffen vor allem Armenien: Dem Land bleiben kaum noch Straßenverbindungen ins Ausland.

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Grenzsperrungen führen zu Problemen

Vor mehr als zwei Monaten schloss Russland den Grenzpunkt Werchnij Lars – nach offiziellen Angaben wegen notwendiger Renovierungsarbeiten. Infolge des Abchasien-Konflikts ist dieser Grenzübergang die einzige Straßenverbindung zwischen Russland und Georgien auf dem Festland. Georgien kann seine Güter auch auf dem Seeweg, mit der Eisenbahn oder über Straßen transportieren, die über aserbaidschanisches, armenisches oder türkisches Territorium verlaufen. Die Schließung des Grenzpunktes Werchnij Lars schafft in erster Linie große Probleme für Armenien, den strategischen Partner Russlands in der Region.

Keine Alternativen

Aufgrund bilateraler Konflikte mit Aserbaidschan und der Türkei sind die Straßenverbindungen Armeniens ins Ausland bereits heute stark eingeschränkt. Zwar ist die Einreise nach Georgien weiterhin möglich. Doch durch die Schließung des Grenzübergangs nach Russland ist etwa ein Weitertransport von Waren unmöglich geworden.

Moskau hatte vorgeschlagen, als Alternative den Rochskij-Tunnel zu nutzen. Dieser Tunnel führt jedoch über das Gebiet der abtrünnigen georgischen Teilrepublik Südossetien – und genau hier liegt ein weiteres Problem.

Im Gespräch mit der Deutschen Welle sagte der Politologe Sergej Schakarjanz, Russland habe sich der Blockade Armeniens seitens der Türkei und Aserbaidschans praktisch angeschlossen. Moskau hätte klar sein müssen, dass der Vorschlag, den Rochskij-Tunnel zu nutzen, dem offiziellen Tiflis missfallen werde, betonte der Politikwissenschaftler. Ihm zufolge betrachtet Tiflis den Transit über Gebiete, die von Georgien nicht kontrolliert werden, als illegal.

Exporteinbußen in Armenien

Unterdessen sind die Folgen der Straßen-Schließung in Armenien schon zu spüren. Die Preise für die Grundnahrungsmittel sind vorerst zwar nur leicht gestiegen. Doch wenn der Grenzpunkt Werchnij Lars weiterhin geschlossen bleibt, wird eine drastische Preiserhöhung nicht mehr zu vermeiden sein. Besonders schwer trifft es die Bauern. Deren Produkte, Früchte und Gemüse, sind in Russland begehrt. Nun werden sie in Armenien verkauft, bestenfalls nach Georgien zu exportiert. Beispielsweise wurden anstatt der vom Landwirtschaftsministerium erwarteten 10.000 Tonnen Aprikosen nur etwa 8.000 Tonnen exportiert. Derzeit hat die Pfirsich- und Weintraubenernte begonnen. Ob es gelingen wird, die geplanten Mengen zu exportieren, ist ungewiss.

Einziger Weg führt in den Iran

Informationen, wann die Renovierungsarbeiten am Grenzpunkt Werchnij Lars auf russischer Seite abgeschlossen sein werden, liegen nicht vor. Wenn sie nicht bald beendet werden, wird der Winter die Straßenverbindung unpassierbar machen. Armenische Experten verstehen nicht, warum eine Straße geschlossen gehalten wird, wenn Moskau sein Ziel, Georgien zu blockieren und den Verkehr über Südossetien zu leiten, nicht erreicht hat. Vorerst können armenische Bauern ihre Produkte nur noch über eine verbliebene Straßenverbindung ins Ausland bringen, und zwar in den Iran.

Aschot Gasasjan, Jerewan
DW-RADIO/Russisch, 8.9.2006, Fokus Ost-Südost

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