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Kunst

Bling Bling, Baby! Eine Ausstellung über die Lust an der Künstlichkeit

Mehr ist mehr! So ist die Devise einer jungen Generation von Fotografen. Sie setzen auf übertriebenen Protz und Prunk, und auf Ironie. Eine Ausstellung widmet sich dem "Bling Bling" in der Kunst.

Wer die Ausstellung "Bling Bling Baby" besucht, sollte keine Angst vor Kitsch haben. Die Fotografen bevorzugen grelle Farben, schrille Kontraste und surreale Motive. Zugleich scheinen ihre Bilder wie Kommentare auf die jüngsten politischen Ereignisse: Die Protz- und Glitzerwelten von Künstlerstars wie Pierre et Gilles oder David LaChapelle erinnern an die letzten Bilder, die aus dem Privatreich Donald Trumps an die Öffentlichkeit drangen: Ehefrau Melania im Seiden-Négligé, frühstückend an einem goldenen Tisch ihres dreistöckigen Penthouse in New York. Das Panoramafenster gibt den Blick auf den Central Park frei. Marmor und Gold, ganz besonders viel Gold, 24 Karat dem Vernehmen nach, sind an Wänden und Möbeln zu sehen.

Ausstellung Bling Bling Baby! im NRW-Forum Düsseldorf (NRW Forum/Matt Henry)

So ähnlich könnte es auch bei Donald Trump zu Hause aussehen (Foto: Matt Henry)

Der Unterschied: Wenn David LaChapelle das halbnackte Mannequin Naomi Campbell und ein Model mit Adonis-Leib in einem auf den ersten Blick paradiesischen Garten inszeniert, dann zeigt er zwar schöne Menschen und Luxus. Doch die zweite Bildebene offenbart die Kehrseite der schmucken Medaille: Statt kleiner pausbäckiger Engel halten Kindersoldaten Waffen in den Händen, die Wand, vor der sich Campbell räkelt, ist durch einen Bombeneinschlag zerfetzt worden. David LaChapelle ist nur einer der Fotografen, der düstere Fantasien bunt verpackt. Auch Matt Henry feiert das Unechte. Der Engländer aus Wales hat in Auktionen und bei Ebay Accessoires des US-Lifestyles ersteigert - und den baut er nun für seine Shootings nach. Nichts ist so, wie es scheint, alles ist Fake. Auch die Dame im Schaumbad gibt es nur in den Fotografien von Matt Henry. Doch das macht den Reiz seiner Bilder gerade aus: Sie sind schrill, übertrieben und erinnern an Filmstills von Regisseur David Lynch, dem Schmied amerikanischer Albträume.

Lust am Luxus

Bildergalerie | Ausstellung Bling, Bling Baby des NRW-Forum (C. Saage)

Wildes buntes Leben: Glam & Fashion

"Bling Bling" heißt eine Single aus dem Jahr 1999. Darin gibt sich der Rapper B.G. aus New Orleans der Faszination des Luxuslebens hin: Er singt von einer goldenen Rolex-Uhr, dem 20-Zoll-Fernseher und viel Glitzerschmuck. In dem dazugehörigen Video sieht man, wie er mit einer Yacht und anderen Gangsta-Rappern übers Meer schippert und es sich richtig gut gehen lässt. Er bezieht sich dabei auf den Begriff "Bling-Bling", der es als Bezeichnung für stark glitzernden Schmuck sogar in den Duden geschafft hat. Die Ausstellung im Düsseldorfer NRW-Forum dekliniert die Spielarten des Glitzerns, Schillerns und Träumens vom Luxus in Mode, Kunst und Inszenierung durch.

Die Lust am Kontrast, an der Übertreibung und Zuspitzung hat eine ganze Generation jüngerer Fotografen auf der ganzen Welt ergriffen. Der in den USA lebende gebürtige Frankfurter Martin Schöller ist einer von ihnen. Durch Erweiterungen und Ergänzungen zeigt er die Maskerade der Schönheit und des Glamour. Heraus kommen verstörende Porträts, auf denen etwa der US-Schauspieler Michael Douglas aussieht, als sei er gerade verprügelt worden. In Wirklichkeit ist es lilafarbener Lidschatten an seinem Auge, der ihn zwar ramponiert aussehen lässt, diesen Eindruck aber eben nur vortäuscht.

Opulente Bildwelten junger Fotografen

Bildergalerie | Ausstellung Bling, Bling Baby des NRW-Forum (M. Schreiber)

Mike Schreiber: B.G., New York 2007

Für sein Porträt von Jeff Koons hat Martin Schöller so richtig dick aufgetragen: Das Gesicht des für seine Kitschskulpturen berühmten Künstlers ist mit weißem Make Up zugeschmiert, auf seinem Kopf thront eine Mischung aus Krone und Barrett aus bunten Blumen. Viele Fotos der Ausstellung "Bling Bling Baby" spielen mit der Realität, mit dem Abbild-Charakter der Fotografie. Doch sie sind eben "keine Dokumentarfotografien", wie die Kuratorin Nadine Bath betont. Es ginge immer nur um den Illusionismus, die Opulenz und die Übertreibung. Und natürlich um das Ego des Fotografen. Da hat die Wirklichkeit das Einsehen.

 

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