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Politik

Blindgänger in Berlin

In diesem Jahr wurde in Berlin auf vielfältige Weise des Kriegsendes vor 60 Jahren gedacht. Das scheint ewig her zu sein. Manchmal aber ist der Krieg wieder erschreckend nah.

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So etwas hat der Alte Fritz noch nicht gesehen: Direkt neben dem berühmten Reiterstandbild des Preußenkönigs fand ein Bauarbeiter eine Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg. Und zwar nicht irgendeinen mickrigen Blingänger, sondern einen 500-Kilo-Kawenzmann: 250 Kilo Sprengstoff, 250 Kilo Bombenkörper, Zünder intakt. Und das im Herzen Berlins, auf dem Boulevard Unter den Linden, zwischen Oper und Humboldt-Universität.

Das Pferd des Alten Fritz wäre vor Schreck am liebsten in Richtung Tiergarten weggaloppiert, wenn es nicht aus Bronze wäre. Der Alte Fritz selbst, so schien es, schüttelte verwundert sein königliches Haupt. Er hatte den besten Blick auf die Hektik, die dann ausbrach: Uni und Guggenheim-Museum wurden geräumt. Auf dem Weihnachtsmarkt erkalteten Maronen und Glühwein. In der Oper wurde die Generalprobe für Mussorgskys "Boris Godunow" abgesetzt. Kranken- und Feuerwehrwagen fuhren mit Blaulicht auf. Dramatische Minuten im vorweihnachtlichen Berlin: Die britische Riesenbombe hatte einen chemischen Langzeitzünder und hätte jederzeit in die Luft gehen können.

Doch die Feuerwerker meisterten die heikle Aufgabe mit Bravour: Sie machten das Ungeheuer unschädlich. Nichts und niemand kam zu Schaden, auch der Alte Fritz reitet ohne Dellen weiter über den Boulevard. Es war die fünfte Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg, die seit Jahresbeginn in der Hauptstadt entschärft wurde. Weit über 1000 sollen noch im Boden liegen.