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Aktuell Welt

Blind, entstellt oder gar tödlich: Tropenkrankheiten

Nach wie vor leiden Millionen Menschen unter tropischen Krankheiten - die wirtschaftliche Entwicklung ganzer Regionen ist behindert. Die Weltgesundheitsorganisation will nun mehr dagegen tun.

Eine an Malaria erkrankte Frau im Südsudan (Foto: AFP)

Eine an Malaria erkrankte Frau im Südsudan

Viele tropische Krankheiten machen blind, entstellen, verstümmeln ihre Opfer oder führen gar zum Tode. Insgesamt leiden 1,5 Milliarden Menschen in 149 Ländern unter einer oder mehreren dieser 17 als "vernachlässigt" geltenden Krankheiten in den warmen Klimazonen, wie die Weltgesundheitsorganisation (WHO) in einem jetzt veröffentlichten Bericht bilanziert. Dirk Engels, Chef der WHO-Sektion "Vernachlässigte Tropenkrankheiten", machte in Genf deutlich, dass der afrikanische Kontinent besonders betroffen sei. Aber auch in Lateinamerika, Asien und selbst in europäischen Ländern litten Menschen an einigen dieser Krankheiten.

Größere Anstrengungen erforderlich

Um Malaria, die Schlafkrankheit, das Denguefieber, Lepra, die Flussblindheit, Bilharziose sowie eine Reihe anderer von Parasiten verursachte Tropenkrankheiten nachhaltig eindämmen zu können, fordert die WHO die Weltgemeinschaft zu noch größeren Anstrengungen als bisher auf. WHO-Generaldirektorin Margaret Chan erklärte, allein bis 2020 würden insgesamt rund 16 Milliarden Dollar benötigt (14,1 Milliarden Euro), bis 2030 seien es 32 Milliarden Dollar.

Die Bekämpfung von Tropenkrankheiten müsse langfristig als integraler Bestandteil der Entwicklungszusammenarbeit gesehen werden, betonte sie. Wichtig seien auch freiwillige Beiträge der Pharmaindustrie. Ferner müssten die direkt betroffenen Länder eigene Investitionen für die Bekämpfung von Tropenkrankheiten in dem Maße aufbringen, wie ihre wirtschaftliche Entwicklung vorankomme.

Ein Bezirk südlich von Abidjan in der Elfenbeinküste (Foto: AFP)

Mit Insektiziden gegen die Anophelesmücke, die Malaria überträgt

Kampf gegen die Schlafkrankheit

Laut Chan wurden in den vergangenen Jahren wichtige Erfolge verbucht, die "gesichert und erweitert" werden müssten. Die WHO-Generaldirektorin verwies in dem Zusammenhang auf den afrikanischen Kontinent südlich der Sahara, wo man die Schlafkrankheit gut in den Griff bekommen habe. "Gemeinsame Anstrengungen eines Netzwerks afrikanischer Länder haben dort das Vorkommen der Schlafkrankheit um 90 Prozent reduziert", erklärte sie. Bei der Krankheit handelt es sich um eine parasitäre Infektion, die durch Tsetse-Fliegen übertragen wird. Der Erreger greift das zentrale Nervensystem an, unbehandelt ist die Krankheit tödlich.

Nach Angaben der WHO gibt es inzwischen in mehr als 70 Ländern Gesamtkonzepte, mit denen Tropenkrankheiten unter Kontrolle gebracht werden sollen. 27 Länder hätten bis Ende 2014 das WHO-Ziel erreicht, bis zu 75 Prozent der Schulkinder vor Helminthiasis, durch parasitische Würmer ausgelöste Krankheiten, zu schützen. Auch in Deutschland ist Helminthiasis keine Seltenheit mehr.

se/haz (dpa, afpe, rtre)