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Deutschland

Blicke auf die Berliner Mauer

Mitten in Berlin kehren Mauer und Stacheldraht zurück. Am einstigen Grenzübergang Checkpoint Charlie macht ein riesiges Panorama das Leben an der deutsch-deutschen Grenze wieder lebendig.

Das Werk des Künstlers Yadegar Asisi könnte die Diskussion über den richtigen Umgang mit dem geschichtsträchtigen Ort wieder anfachen. Asisi zeigt auf dem 900 Quadratmeter großen Rundbild schlichte Alltagsszenen. Blicke über die Mauer von Kreuzberg nach Berlin-Mitte den 80er Jahren Eine Frau geht mit ihrem Hund an der Berliner Mauer spazieren. Stünde rechts von ihr keine Mauer, könnte sie den Todesstreifen sehen. Für die Frau gehört der Anblick der Mauer zum Alltag. Auf den Besucher wirkt der Blick aus dem Westen über die Grenze eher erschreckend.

Der 1955 in Wien geborene Yadegar Asisi knüpft mit seinen monumentalen Rundbildern an die großen Panoramen des 19. Jahrhunderts an. Sein erstes über 100 Meter großes Riesenpanorama zum Mount Everest eröffnete er 2003 in einem alten Gasometer in Leipzig.

Video ansehen 01:59

Alltagsszenen einer einst geteilten Stadt

Das Grausame war selbstverständlich

In Berlin blickt der Besucher von einer Plattform auf eine Szenerie, die für den Künstler selbst jahrelang Alltag war: Beim Kaffee in seiner Küche, sagt Asisi, habe er jeden Tag wie beiläufig in den Todesstreifen geblickt. "Ich habe in den 80er Jahren in Kreuzberg an und mit der Mauer gelebt. Das Panorama bündelt einen Teil meiner Erfahrungen in vielen Szenen und Details." Mit ähnlichen Bildern hatte Asisi in Berlin, Leipzig, Dresden und anderen deutschen Städten bereits Hunderttausende Besucher angezogen.

Der kreisrunde Bau am ehemaligen Grenzübergang Checkpoint Charlie eröffnete an diesem Sonntag - einen Tag später als geplant, damit Asisi noch an den Feinheiten arbeiten konnte. 300 Gäste finden gleichzeitig in der Rotunde Platz. Gleich nebenan können die Touristen auch eine neu eröffnete Ausstellung zum Kalten Krieg besichtigen.

Auf den Panorama-Rundbildern am Checkpoint Charlie erlebt der Besucher einen grauen Novembertag: Westberliner zünden an der Mauer ein Lagerfeuer an, zwei Männer schrauben an einem alten, knallbunten Kombi. Westdeutsche Touristen blicken von einem Holzgerüst gen Osten. Im Hintergrund grüßt still und blass der Fernsehturm. Was erst nach mehreren Minuten auffällt: Der Besucher wird beobachtet. Zwei Grenzsoldaten überwachen die Plattform durch Ferngläser. Dies sei Alltag in den 80er Jahren gewesen, sagt Asisi. Sein Werk solle zeigen, wie grausam und gleichzeitig normal dieser Alltag an der Berliner Mauer war. "Ich rede über Menschen, die sich arrangieren mussten mit einem grausamen Etwas."

gb/hp (dpa, epd)

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