1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Top-Thema – Podcast

Blick aus Deutschland auf die Türkei

Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdoğan erlebt die schwersten Proteste seiner Amtszeit. Die türkische Bevölkerung in Deutschland beobachtet gespannt die Demonstrationen in der Türkei.

„Ich habe es am eigenen Leib erlebt. Ich konnte nicht atmen, mich hat das Tränengas auch erwischt“, erzählt Kenan Kolat, der Vorsitzende der Türkischen Gemeinde in Deutschland. Ende Mai 2013 haben die Proteste in Istanbul gegen ein Bauvorhaben im Gezi-Park begonnen. Kolat war in der Türkei und hat dort einige Tage die Demonstrationen der Menschen direkt beobachtet. Die Polizei reagierte mit harter Gewalt gegen die Demonstranten.

Die Folge der Gewalt: Die Proteste weiteten sich aus. Inzwischen protestieren die Menschen auch, weil sie den Regierungsstil von Ministerpräsident Erdoğan selbstherrlich finden. Sie werfen ihm vor, dem ganzen Land seine konservativ-religiösen Werte aufzwingen zu wollen – etwa indem er per Gesetz den Verkauf von Alkohol noch schärfer reglementiert als bisher.

Die türkische Bevölkerung in Deutschland verfolgt die Entwicklung in der Türkei nur aus der Ferne. So wie Kenan Kolat wäre die Berlinerin Berrin Alpeck gerade gern näher dran. Sie telefoniert viel in diesen Tagen, denn auch Bekannte und Verwandte von ihr sind bei den Protesten dabei: „Tagsüber gehen sie ganz normal zur Arbeit und am Abend gehen sie zur Demo. Die gehen für ihre Freiheit, für ihre demokratischen Rechte auf die Straße“, sagt sie.

Bekir Yilmaz, der Vorsitzende der Türkischen Gemeinde zu Berlin, macht sich auch Sorgen um die Gewalt in der Türkei. Er glaubt jedoch, dass oppositionelle Gruppen die Proteste benutzen, um die Regierung zu stürzen. Aber auch Yilmaz findet Erdoğans Reaktion nicht richtig. Er meint, dass auch ein Ministerpräsident nicht immer mit dem Kopf durch die Wand gehen darf. Auch wenn er 50 Prozent bei Wahlen hat, so Yilmaz, sollte Erdoğan ein Ohr für alle haben, damit sie in einer Gesellschaft friedlich miteinander leben können.



Glossar

Amtszeit, -en (f.) – die Zeit, in der jemand ein wichtiges Amt hat, z.B. als Präsident

am eigenen Leib er|leben – selbst dort sein und etwas persönlich erleben

Tränengas (nur Singular, n.) – das Gas, durch das man weinen, niesen und husten muss

etwas erwischt jemanden – etwas erreicht jemanden; etwas packt jemanden

Vorsitzende, -n (m./f.) – die Person, die eine Organisation oder eine Gruppe leitet

Bauvorhaben, - (n.) – der Plan, in Zukunft etwas zu bauen

Demonstrant/in, -en/-innen (m./f.) – jemand, der an einer Demonstration teilnimmt

Folge, -n (f.) – hier: das Ergebnis

sich aus|weiten – hier: mehr werden

Regierungsstil, -e (m.) – die Art, wie eine Regierung oder Person herrscht

selbstherrlich – mit zu viel Macht und zu viel Selbstvertrauen

jemandem etwas auf|zwingen – jemanden zwingen, etwas zu tun, das sie/er nicht will

per Gesetz– durch ein Gesetz; mit einem Gesetz

etwas schärfer reglementieren – hier: etwas strenger regeln

etwas verfolgen – regelmäßig beobachten, was passiert

Ferne (nur Singular, f.) – der Ort, der weit weg ist

näher dran – nicht so weit entfernt

Demo, -s (f.) – Abkürzung für: die Demonstration

oppositionell – hier: gegen die Politik der Regierung

die Regierung stürzen – der Regierung die Macht wegnehmen

mit dem Kopf durch die Wand gehen – die eigene Entscheidung ohne Rücksicht umsetzen

jemand hat ein Ohr für jemanden – jemand ist bereit jemandem zuzuhören


Fragen zum Text

1. Was steht im Text? Die Proteste haben angefangen …
a) mit harter Gewalt gegen die Demonstranten durch die Polizei.
b) mit Demonstrationen gegen einen geplanten Bau in einem Park.
c) durch Ministerpräsident Erdoğans Regierungsstil, den viele Menschen selbstherrlich finden.

2. „Die türkische Bevölkerung in Deutschland verfolgt die Entwicklung in der Türkei nur aus der Ferne.“ Dieser Satz bedeutet:
a) Die Türken in Deutschland sind froh, nicht in der Türkei verfolgt zu werden.
b) Die Türken in Deutschland beobachten weit weg von der Türkei die Entwicklung dort.
c) Die Türken in Deutschland sind an der Entwicklung in der Türkei näher dran.

3. Lest aufmerksam noch einmal den Text. Bei welcher Person wird nicht klar, ob sie die Proteste in der Türkei direkt gesehen hat oder nicht?
a) Kenan Kolat
b) Bekir Yilmaz
c) Berrin Alpeck

4. In welchem Satz passt die Präposition nicht zum Verb „gehen“?
a) Abends gehen die Menschen in Istanbul zur Demonstration.
b) Die Menschen gehen tagsüber durch die Arbeit.
c) In der Türkei gehen die Menschen für ihre Rechte auf die Straße.

5. Bei den Protesten in der Türkei gehen die Menschen … die Regierung Erdoğan auf die Straße?
a) gegen
b) zu
c) durch

Arbeitsauftrag
In Redewendungen wie „mit dem Kopf durch die Wand“ oder „ein Ohr für alle haben“ werden Teile des menschlichen Körpers für einen sprachlichen Ausdruck verwendet. Kennt ihr weitere deutsche Redewendungen mit Körperteilen? Stellt sie in eurer Lerngruppe vor.


Autorin/Autor: Diana Peßler/Michael Stegemann
Redaktion: Raphaela Häuser

Die Redaktion empfiehlt

WWW-Links

Audio und Video zum Thema

Downloads