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Aktuell Asien

Bleibt Nordkoreas Machthaber beim Krieg der Worte?

Kim Jong Un hat die Truppen seines Landes mit drastischen Worten auf eine mögliche militärische Auseinandersetzung mit Südkorea eingeschworen. Doch Experten wollen - noch - keine unmittelbare Kriegsgefahr erkennen.

Mit besonders martialischen Worten drohte der nordkoreanische Machthaber Kim Jong Un (Artikelbild: zweiter von rechts) einen Angriff auf die südkoreanische Insel Baengnyong an. Die kleine Insel nahe der Seegrenze zwischen dem Norden und der Süden werde im Falle eines bewaffneten Konflikts das erste Ziel der nordkoreanischen Armee sein, zitierte die staatliche Nachrichtenagentur KCNA Kim. Wenn der Befehl zum Angriff erteilt worden sei, "müsst Ihr den verrückten Feinden das Kreuz brechen, die Kehle durchschneiden und ihnen so klar zeigen, was ein echter Krieg ist", sagte Kim demnach bei einem Kasernenbesuch weiter. Der besuchten Artillerieeinheit befahl der junge Staatschef, die Insel in ein "Meer von Flammen" zu verwandeln. Vorrangige Angriffsziele seien unter anderem Radarstellungen und Raketenwerfer.

Bewohner haben "ein bisschen Angst" 

Ein Verwaltungsbeamter auf Baengnyong sagte, die Notunterkünfte auf der Insel seien vorbereitet, alle Dorfversammlungen seien im Alarmzustand. Es gebe zwar keinen "Massenexodus" auf die Hauptinsel, aber die Bewohner hätten doch "ein bisschen Angst". Auf Baengnyong leben rund 5000 Menschen, zudem gibt es dort mehrere militärische Einrichtungen.

Anlass für die nordkoreanischen Drohungen war ein groß angelegtes Militärmanöver der USA und Südkoreas, das am Montag begann. Wegen dieses Manövers und neuer UN-Sanktionen, die nach nordkoreanischen Raketen- und Atomtests verhängt worden waren, werden schon seit Tagen immer neue Warnungen gegen Südkorea und die USA ausgestoßen. Unter anderem wurde Washington ein atomarer Erstschlag angedroht. Südkorea unter der neuen Präsidentin Park Geun Hye versetzte seinerseits die Armee in Alarmbereitschaft.

Noch keine praktischen Veränderungen auf der Halbinsel

Auch kündigte Pjöngjang einen Ausbau seines Atom- und Raketenprogramms an und erklärte den Nichtangriffspakt mit Südkorea von 1953 einseitig für ungültig. Letzteres wurde inzwischen jedoch vom Süden zurückgewiesen. Ein Sprecher des Außenministeriums in Seoul betonte, eine einseitige Aufkündigung oder Beendigung des Waffenstillstandsabkommens sei gemäß dessen Bestimmungen und dem Völkerrecht nicht zulässig. Das Abkommen bleibe in Kraft, und Südkorea werde sich zusammen mit China und den USA jedem Versuch entschieden in den Weg stellen, das Abkommen für null und nichtig zu erklären.

Brüllende nordkoreanische Soldaten bei einem Manöver (Foto: picture-alliance/dpa)

Nordkoreanische Soldaten bringen sich bei einem Manöver auf eine höhere "Betriebstemperatur"

Auch nach Ansicht der Vereinten Nationen bleibt der Waffenstillstand weiterhin in Kraft. Sprecher Martin Nesirky sagte in New York, das Abkommen sei von der UN-Vollversammlung angenommen worden und weder Nord- noch Südkorea könnten es einseitig aufheben. Er fügte hinzu, bislang seien seit Nordkoreas Ankündigung noch keine praktischen Veränderungen auf der koreanischen Halbinsel festgestellt worden. Experten wiesen zudem darauf hin, dass Pjöngjang das Abkommen in den vergangenen 20 Jahren etwa ein Dutzend Mal für nichtig erklärt habe. Eine unmittelbare Kriegsgefahr könnten sie daher nicht erkennen.

Seit dem Koreakrieg von 1950 bis 1953 gibt es zwischen den beiden Staaten keinen Friedensvertrag. Nordkorea hat sich nahezu komplett abgekapselt, Südkorea vertraut auf ein Bündnis mit den USA, die 28.500 Soldaten in dem asiatischen Land stationiert haben.

sti/uh (afp, apd)

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