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Wirtschaft

Bleibt Draghi auf Kurs?

Am Donnerstag kommen die Währungshüter der Europäischen Zentralbank (EZB) zu einer Ratssitzung in Wien zusammen. Von ihrer ultra-lockeren Geldpolitik werden sie vermutlich nicht abweichen.

Experten zufolge wird EZB-Präsident Mario Draghi nach der Ratssitzung wahrscheinlich darauf verweisen, dass die Euro-Wächter erst im März ein umfangreiches Maßnahmenbündel auf den Weg gebracht haben, dessen Wirkung man erst einmal abwarten müsse. Der Leitzins dürfte deshalb aller Voraussicht nach auf dem Rekordtief von 0,0 Prozent verharren.

Draghi & Co hatten zuletzt ein Programm zum Kauf von Firmenanleihen beschlossen. Dieses soll im Juni beginnen. Das gesamte Wertpapier-Kaufprogramm, das neben Staatsanleihen auch Hypotheken-Papiere und Pfandbriefe umfasst, ist inzwischen auf 1,74 Billionen Euro angelegt und soll noch bis Ende März 2017 laufen.

Vom Idealwert weit entfernt

Mit den in Deutschland umstrittenen Käufen wollen die Euro-Wächter Banken dazu bewegen, weniger in Anleihen zu investieren und stattdessen mehr Kredite an die Wirtschaft auszureichen. Das würde die Konjunktur stützen und die Inflation anheizen, die aus EZB-Sicht weiter viel zu niedrig ist. So waren die Preise in der Eurozone im April sogar um 0,2 Prozent gefallen. EZB-Ziel ist aber eine Teuerung von knapp zwei Prozent - für die Notenbank der Idealwert für die Wirtschaft.

In Deutschland war der Anstieg der Preise im Mai mit 0,1 Prozent nur minimal - doch mittlerweile entspannt sich die Lage merklich. Grund ist der Ölpreis: Rohöl der Marke Brent knackte unlängst erstmals seit sieben Monaten wieder die Marke von 50 Dollar je Fass. Das dürfte sich auch in den neuen Inflations- und Wachstumsprognosen der Notenbank-Volkswirte widerspiegeln, die die EZB am Donnerstag veröffentlichen will.

Kommt die Inflation wieder?

Die EZB selbst hatte im März für das kommende Jahr eine Inflation von 1,3 Prozent vorausgesagt. Steigt der Ölpreis weiter, könnte jedoch schon in diesem Jahr eine Inflationsrate von 1,5 bis 1,7 Prozent erreicht werden. Das wiederum könnte die Kritiker der ultralockeren Geldpolitik veranlassen, von Mario Draghi ein Ende der Nullzinspolitik zu verlangen. Ratsmitglieder wie etwa Bundesbank-Chef Jens Weidmann fordern bereits seit längerem, dass die EZB ihre Geldschleusen nur so lange sperrangelweit offen halten sollte wie unbedingt nötig.

Indes: Es ist noch lange nicht ausgemacht, dass der Ölpreis weiter steigt und die von der EZB heißersehnte Inflation weiter anschiebt. Zwar glaubt die Internationale Energieagentur (IEA), dass bis 2017 das Überangebot an Rohöl abgebaut werden könnte, doch bei Preisen jenseits der 50-Dollar-Marke werden auch die ersten US-amerikanischen Fracking-Unternehmen wieder rentabel - was den Aufwärtstrend der Preise stoppen würde.

Stillstand angesagt

Mithin werden die EZB-Ratsmitglieder in Wien erst einmal gar nichts beschließen und abwarten. Denn für erste vorsichtige Signale, dass es bald einen Ausstieg aus der ultralockeren Geldpolitik in Euroland geben könnte, ist es noch viel zu früh. Zumal diese Signale für eine Zinswende heftige Turbulenzen auf den Kapitalmärkten auslösen können. In der USA zum Beispiel hatte es solche Turbulenzen gegeben, als der damalige Fed-Chef Ben Bernanke im Juni 2013 erstmals ein möglichen Ende der Anleihekäufe durch die Fed andeutete.

Eines aber ist jetzt schon an der Geldpolitik der Europäischen Zentralbank zu erkennen: Sie hat weder einen nennenswerten Einfluss auf die Inflation, noch auf die Kreditvergabe der Banken, geschweige denn auf die Konjunktur. Der Weltmarktpreis für Rohöl scheint da ein weitaus wirksamer Hebel zu sein - doch den kann keine Notenbank der Welt beeinflussen.