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Sprachbar

Bleiben

Zum Glück bleiben uns meist nur die schönen Erinnerungen im Gedächtnis: Weißt Du noch ...? Manchmal weckt das Wort aber auch unangenehme Erinnerungen – man denke etwa an das Sitzenbleiben in der Schule.

Bleiben heißt dauern, andauern. Bleiben heißt aber auch an einem Ort ausharren, nicht fortgehen. "Bleib doch noch", bitten wir den geliebten Menschen und wissen doch, dass er gehen muss. Bleiben scheint auf den ersten Blick ein unscheinbares Wort zu sein. Es weist aber, je nachdem, in welcher Umgebung, in welchem Kontext es steht, eine Bedeutungsvielfalt auf, die in der Tat erstaunlich ist.

Bleiben und die Zeit

Nehmen wir zwei Aussagesätze: "Er ist ganz derselbe geblieben." Das heißt, die Person – er – hat sich nicht verändert. Oder: "Er ist auf See geblieben". Dieses geblieben ist eine Umschreibung der Tatsache, dass zum Beispiel ein Matrose auf See umgekommen, also gestorben ist. Er ist dort geblieben. Für immer.

Bleiben hat stets mit Zeit zu tun. In so geläufigen alltäglichen Wendungen wie: "Bleib gesund", oder dem mehr oder weniger scherzhaft gemeinten "Bleib anständig" stecken die guten Wünsche, es möge so bleiben, also fortdauern. Möchten wir nicht manchmal die Zeit anhalten und wünschen, wenn etwas ganz besonders schön ist, die Zeit möge stehen bleiben?

Dauerhaftes Stehenbleiben

Bleiben wir einen Augenblick bei stehen bleiben. Verben, die Ruhe oder Dauer ausdrücken, werden in ihrer Grundform, dem Infinitiv, häufig mit bleiben verbunden. Zum Beispiel stehen bleiben. Dieses Stehen bleiben kann vielerlei bedeuten.

Eine Armband-Uhr, deren Zeiger auf Viertelvorvier stehen

Stehen geblieben?

Da haben wir die Uhr, die stehen geblieben ist, die – aus welchen Gründen auch immer – nicht mehr geht. Wenn die Ampel rot leuchtet, sollten wir tunlichst stehen bleiben. Und noch ein Beispiel für eine übertragene Bedeutung: Jemand ist in seiner Entwicklung stehen geblieben.

Von Ehrenrunden und Gedächtnisleistungen

Auch sitzen und hängen als Verben der Dauer oder Ruhe gehen zahlreiche Verbindungen mit bleiben ein; wobei sich wörtliche und bildhafte Bedeutungen ergeben. Beispiele: "Er blieb im Zuschauerraum sitzen, die anderen gingen ins Foyer an die Bar". Wer allerdings in der Schule sitzen bleibt, hat das Klassenziel nicht erreicht und muss wiederholen. In der Schülersprache heißt das dann eine Ehrenrunde drehen. Für dieses Sitzenbleiben kann man übrigens auch hängen bleiben sagen.

Hängen plus bleiben bedeutet in aller Regel jedoch etwas anderes. Ein Vorwurf bleibt hängen, – "alle wurden zwar freigesprochen, aber etwas bleibt doch immer an ihnen hängen. Harmloser und nur auf Gedächtnisleistungen bezogen ist das Hängenbleiben im Sinne von behalten, dauerhaft merken. Hängen bleiben, das kann aber auch jener fatale Augenblick sein, in dem wir mit dem Ärmel an diesem verdammten Nagel hängen bleiben und das Hemd, die Bluse oder die Jacke ruinieren.

Wenn nichts geheim bleibt

Ein Mann flüstert einer Frau etwas ins Ohr

Das bleibt unter uns!

Es bleibt dabei: Bleiben ist ein Wort, dessen tiefster Sinn, man könnte auch sagen, dessen Urbedeutung, mit Zeit zu tun hat – und sei sie auch noch so kurz. "Das bleibt unter uns", sagen wir vertrauensvoll zum Kollegen und gehen davon aus, dass dies auch so sein und bleiben wird.

Am nächsten Morgen aber wissen es alle im Büro, und wir haben die peinliche Gewissheit, dass bleiben auch von kurzer Dauer sein kann. Von längerer Dauer ist im Allgemeinen das sich selbst und den anderen Treubleiben. Werfen wir noch einen Blick auf die Nominalisierungen von bleiben; auf die Substantive also, deren Ursprung das Verb bleiben ist.

Es bleibt ein kleiner Rest

Da haben wir den Verbleib, ein Wort, das als Rubrik zum Verbleib auf Kurzbriefformularen zu finden ist. Zum Verbleib heißt, eine Nachricht oder auch Akten, Unterlagen oder Informationen aller Art sollen beim Empfänger bleiben. Sie müssen weder zurückgeschickt noch weitergeleitet werden.

Ein selten gebrauchtes Nomen ist Überbleibsel. Es ist das, was als kleiner Rest geblieben ist. Und ein letztes: die Bleibe. Das ist eine oft notdürftige Unterkunft, ein Obdach, ein Ort, an dem man vorübergehend unterkommen kann. Es wird bei der Hoffnung bleiben, dass alle Menschen einen Ort finden, an dem sie dauerhaft und geschützt leben können.

Bleibende Stangen, Teppiche und mehr

Eine junge Frau schneuzt sich die Nase

Sie sollte anderen vielleicht besser "vom Leibe bleiben"

Bleiben steckt auch in vielen Redewendungen. Da bleibt dann jemand gerne bei der Stange, weil er etwas gerne tut. Macht er diese Sache jedoch nicht gut, dann muss er sich anhören: Schuster bleib bei deinen Leisten. Anders liegt der Fall, wenn etwas besonders gut gemacht wird und man damit gerne vor anderen prahlt. Da muss man sich nicht wundern, wenn man den Satz zu hören bekommt: Bleib auf dem Teppich.

Und kommt man mit einer dick verschnupften Nase ins Büro, muss man sich nicht wundern von den Kollegen mit einem Bleib mir vom Hals! oder Bleib mir vom Leibe! empfangen zu werden. Niemand will gerne angesteckt werden.

Alles hängengeblieben?

Sie sind hoffentlich nicht auf der Strecke geblieben bei all diesen Erklärungen und haben bis zum Ende ausgehalten. Bleibt zu hoffen, dass alles hängen geblieben ist!

Fragen zum Text

Sitzen bleiben bedeutet, dass man …

1. in der Schule nicht versetzt wird.

2. seinen Platz verlässt.

3. etwas sehr gut beherrscht.

Etwas bleibt … Gedächtnis.

1. beim

2. im

3. zum

Wenn jemand auf der Strecke bleibt, dann …

1. hat jemand keinen Erfolg mit etwas.

2. ist das Auto auf der Straße stehen geblieben.

3. ist jemand beim Joggen ohnmächtig geworden.

Arbeitsauftrag

Diskutieren Sie in Ihrer Gruppe die Vor- und die Nachteile des Sitzenbleibens in der Schule. Erarbeiten Sie gemeinsam eine schriftliche Zusammenfassung des Ergebnisses Ihrer Diskussion.

Autor: Michael Utz

Redaktion: Beatrice Warken

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