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Blei

Zack! Das geschmolzene Blei wird in eine Schüssel mit Wasser auskippen. Das zischt und dampft einen Augenblick, und dann haben wir sie: Die gegossene Figur aus Blei, die sich so schön deuten lässt.‎

So ein bisschen in die Zukunft schauen können, wer möchte das nicht. Was wird es bringen das Neue Jahr. Niemand weiß es. Oder vielleicht doch? Manchmal hilft das Bleigießen – eine nette Form des Aberglaubens. Und es ist lustig. Vielleicht haben Sie ja noch so eine kleine bizarre Figur vor sich liegen vom Silvesterabend. Für alle, die nicht wissen, was Bleigießen ist, wollen wir es erklären und außerdem noch ein paar Informationen gewissermaßen rund ums Blei liefern. Das Stichwort lautet also Blei.

Von Bleigießen zum Buchdruck

Zunächst aber ein Blick auf den Silvesterabend. Bleigießen ist ein alter Brauch. Mit einiger Wahrscheinlichkeit hat er mit Gutenbergs Erfindung der Buchdruckerkunst zu tun. Die beweglichen, bleiernen Lettern entstanden, indem in eine Matrize flüssiges Blei gegossen wurde. So ließ sich im Prinzip jede beliebige Form herstellen, nicht nur die Buchstaben aus Blei.

Wobei Buchstabe in diesem Zusammenhang das falsche Wort ist, denn der Buchstabe wurde aus Buchenholz geschnitten. Daher der Name; aber das nur nebenbei.

Bereits im Altertum wurde Blei gegossen, allerdings zur Herstellung schwerer Wurfgeschosse. Im Mittelalter dann gab es Siegesplaketten für Turniere und so genannte Schaumünzen aus Blei. Diese herzustellen war verhältnismäßig einfach, denn Blei hat eine niedrige Schmelztemperatur und es ist weich.

Schmelztemperatur 328° Celsius

Ein kleiner Bleiklumpen in einem Löffel über eine Kerze gehalten schmilzt nach ganz kurzer Zeit und zwar – für alle, die es genau wissen wollen, – bei 328° Celsius. Ein Metall, das schwer ist, leicht zu schmelzen und dazu auch noch weich, hat seine Vorteile. Schon auf den Baustellen mittelalterlicher Zeit gab es das Richtblei; ein Bleistück an einer langen Schnur befestigt. Mit ihm konnten die Maurer lotrecht mauern, weil das Richtblei verlässlich die Senkrechte anzeigt.

Die Seefahrer und Schiffersleute benutzten das Senkblei. Ebenfalls ein Stück Blei an einem dünnen Seil befestigt. Es wurde ins Wasser geworfen und dank der sprichwörtlichen Bleischwere sank es sofort auf den Grund. Durch Markierungen am Seil konnte die Wassertiefe schnell ermittelt und das Schiff davor bewahrt werden, auf Grund zu laufen.

Blei im Wasser

Auch in den großen alten Standuhren, ja an den riesigen Uhrwerken der Kirchen gab es Blei. Wiederum als Gewicht. Die Formung dieser Uhrgewichte war verhältnismäßig einfach, denn Blei ist wie gesagt ein weiches und somit gut zu bearbeitendes Metall.

Geradezu ideal zur Herstellung von Rohrleitungen: Die alten Wasserleitungen waren alle aus Blei. In diesem Zusammenhang sollten wir erwähnen, dass Blei und die meisten seiner chemischen Verbindungen giftig sind. Bleivergiftung entsteht dann, wenn Blei in den Organismus gelangt und sich nach längerer Zeit im Körper angesammelt hat.

Blei schützt

Aber keine Angst. Auch wer jahrelang Wasser aus einer Bleirohrleitung verwendet und getrunken hat, wird kaum gesundheitliche Schäden davontragen, geschweige denn eine Vergiftung. Trinkwasser enthält nämlich Salze, die in den Leitungsrohren einen schützenden Überzug bilden und so die Entstehung löslicher Bleiverbindungen weitestgehend verhindern.

Dennoch gibt es in der deutschen Trinkwasserverordnung einen Grenzwert für Blei. Er liegt bei 0,04 Milligramm Blei pro Liter. Andererseits schützt Blei. Vor Strahlungen der Röntgenapparate zum Beispiel. Schwere Bleischürzen halten Strahlung von den Körperteilen, die nicht geröntgt werden, ab.

Mehr als nur ein Metall

Wie könnte es anders sein, auch Blei hat seine übertragenen Bedeutungen und ist unter anderem auch deshalb "stichworttauglich". Es ist die blasse bläulichgraue Farbe, die uns vom bleiernen Himmel sprechen lässt, das relativ hohe Gewicht des Metalls erscheint in figurativer Bedeutung in der drückend bleiernen Hitze eines schwülen Sommertags mit bedecktem bleigrauen Himmel.

In der Filmkunst, in der "Bleiernen Zeit" der Regisseurin Margarethe von Trotta, hat die bedrückende Schwere einer Epoche ihr Bild im Blei gefunden. Aber nun nichts mehr mit Schwere, auch nicht von den Beinen, die schwer wie Blei sein können, sondern zurück – fast hätten wir's vergessen – zum Bleigießen:

Herz, Schiff oder einfach nur ein Tropfen?

Wenn das Bleiklümpchen also im Löffel geschmolzen ist – zack – in eine Schüssel mit Wasser auskippen. Das spratzelt und zischt und dampft einen Augenblick und dann haben wir sie: Die gegossene Figur aus Blei, die sich so schön deuten lässt. Sieht sie nicht aus wie ein Herz? Das bedeutet sich neu verlieben. Oder ist das ein Schiff? Dann steht eine Reise bevor. Oder ein Anker, ein Ball, eine Maus?

Und jetzt ganz zum Schluss für alle, die so geduldig auf den Bleistift gewartet haben: Tatsächlich kann man mit Blei einigermaßen schreiben, weil es eben so weich ist. Früher wurde bearbeitetes, geschlämmtes Blei und eine Graphitart in den so genannten Bleistiften verarbeitet. Heute heißen sie zwar immer noch so, aber die Minen sind aus Graphit.

Fragen zum Text

Die Schmelztemperatur für Blei liegt bei …

1. 100° Celsius.

2. 328° Celsius.

3. 0° Celsius.

Als bleiern bezeichnet werden kann nicht: …

1. der Himmel.

2. die Sonne.

3. die Hitze.

An Silvester gießen manche Leute Blei, weil …

1. man anhand der gegossenen Figur die Zukunft vorhersagen können soll.

2. so die Bleistifte für das kommende Jahr herstellt werden.

3. es Glück bringen soll.

Arbeitsauftrag:

Bleigießen ist nur eine von vielen Traditionen, die es in der Winterzeit und in der Zeit um den Jahreswechsel gibt. Kennen Sie noch weitere? Schreiben Sie eine Liste und erläutern Sie die verschiedenen Bräuche schriftlich.

Autor: Michael Utz

Redaktion: Ingo Pickel

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