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Wirtschaft

Blechen für den Überfluss

Die Konzerne Vattenfall, Fortum und Sydkraft diktieren die Preise an der skandinavischen Energiebörse Nord Pool. Strom ist dort so teuer wie lange nicht - wegen des Stroms aus Wasserkraft, sagen die Konzernchefs.

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Strom aus Wasser gibt's in Schweden genug - theoretisch

Im Norden Schwedens produzieren Wasserkraftwerke die Energie für das ganze Land. Allein am Fluss Luleälven sind 15 mächtige Turbinen im Einsatz, die Strom im Überfluss erzeugen. Und doch stöhnen die Stromkunden in Schweden über die höchsten Preise seit Einführung der ersten alternativen Stromangebote.

Das Wetter ist schuld ...

Im Winter musste die harte Witterung als Begründung herhalten für die Versorgungsengpässe. Ausgeglichen wurden sie durch teure Zukäufe von ausländischem Atomstrom. Ausbleibende Regenfälle sorgten zudem für den niedrigsten Wasserstand in den Stauseen seit vielen Jahren. Dann kam der Frühling und die Preise hätten dem Lauf der Natur zufolge kräftig purzeln müssen. Nichts dergleichen geschah.

An der Energiebörse Nord Pool wird die Kilowattstunde mit rund 20 Öre gehandelt. Der Endverbraucher darf mitunter den für schwedische Verhältnisse astronomischen Preis von einer Krone pro Kilowattstunde berappen, das sind etwa neun Cent. Lars Josefsson, Konzernchef der schwedischen Vattenfall, sieht keinen Grund zur Klage. "Wir haben einen Strommarkt und der basiert auf der freien Wahl der Kunden. Wenn wir höhere Produktionskosten haben, müssen auch die Preise anziehen." Dabei ist Strom in Schweden vergleichweise preiswert: Im europäischen Durchschnitt werden zehn Cent pro KWh verlangt.

Der Markt ist schuld ...

Der Energie-Experte Tomas Kåberger von der Technischen Hochschule Chalmers in Göteborg will an den trockenen Sommer nicht recht glauben. Er macht die marktbeherrschende Stellung der drei größten Anbieter im Norden für das hohe Preisniveau verantwortlich. "Wenige Firmen teilen sich heute den Strommarkt und kontrollieren die Preise", erläutert Kåberger. "Die Wettbewerbsbehörden haben es zugelassen, dass die großen Konzerne die kleinen Anbieter aufkaufen. Ein echter Wettbewerb ist so nicht mehr möglich."

Vor ein paar Jahren noch war Schweden ein Musterbeispiel für die Liberalisierung der Strommärkte. Günstige Preise, ein transparentes Tarifsystem und mehr Investitionen in alternative Energiequellen waren versprochen. Davon ist heute wenig zu spüren. In einer Umfrage der schwedischen Zeitung "Svenska Dagbladet" sprachen sich im April 2004 knapp die Hälfte der Schweden für eine langfristige Anwendung von Atomkraft aus. 34 Prozent der 3000 Befragten unterstützen den Volksentscheid von 1980: Damals hatte sich die Bevölkerung gegen den Einsatz von Atomkraft entschieden.

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