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Geschichte

Bldergeschichten: "Casablanca" kommt in die Kinos

Wir stellen jede Woche ein Bild vor und erzählen seine Geschichte. Diesmal gehen wir zurück in das Jahr 1942: Damals beginnt eine wundersame Fäschung...

Filmstill aus Casablanca (Foto: Ullstein)

Filmstill aus Casablanca

Manchmal kann das Leben etwas schwierig sein. So auch in diesem Fall: Mann liebt Frau, Frau liebt auch Mann, aber inzwischen einen anderen (oder vielleicht doch nicht?) – und während die eigenen Gefühle gerade verzweifelt nach Halt suchen, bricht einem der Typ am Klavier mit dem ständigen "As times goes by" auch noch das Herz. Zum Glück gibt’s dazu ein Gläschen Champagner – zum Glück ist es "Casablanca". Der Film kommt 1942 in die amerikanischen Kinos und gilt nicht wenigen heute als einer der besten Produktionen aller Zeiten.

Das westdeutsche Publikum konnte da allerdings lange nicht recht mitreden. Als "Casablanca" 1952 in die deutschen Kinos gezeigt wird, ist das Original ziemlich entstellt. Auch "Casablanca" wird gekürzt und entstellt: Die Rolle des SS-Majors Strasser wird beseitigt, der geliebte Victor wird vom tschechischen Widerstandskämpfer zum norwegischen Entdecker merkwürdiger "Delta-Strahlen" degradiert, dem selbstverständlich kein KZ mehr droht, sondern die Verfolgung wegen "Sabotage". Zum Schluss sind fast alle Hinweise auf die Nazis verschwunden.

Der Hintergrund: Die Adenauer-Zeit lässt einen kritischen Blick auf die braune Vergangenheit noch nicht zu. Vor allem die "Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft" sorgt selbst für Zensur und hat darüber hinaus ein regelrechtes Klima für einen vorauseilenden Gehorsam geschaffen. Ausländische Filme haben es besonders schwer: Roberto Rossellinis Film "Paisà" hat in der deutschen Fassung nur noch sechs statt fünf Episoden, die sechste fehlt – in der werden ursprünglich italienische Partisanen von Deutschen erschossen. Und selbst bei "The Diary of Anne Frank" wird der Schluss gestrichen, der vom Schicksal der Familie nach ihrer Verhaftung berichtet.

Es soll noch bis in die 1970er Jahre dauern, ehe eine neue Fassung von "Casablanca" auf den Markt kommt und den Deutschen auch in dieser Hinsicht reiner Wein eingeschenkt wird (pardon: Champagner). Auf lange Sicht lässt sich ein guter Film eben nicht verstümmeln – the fundamental things apply. Und wenn doch nicht? Dann bleibt uns immer noch Paris!