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Politik

Blauhelm-Soldaten sind machtlos gegen Haitis Verbrecherbanden

In großen Teilen von Port-au-Prince herrschen Verbrecherbanden. Zwar sind 10.000 UN-Soldaten in Haiti stationiert. Doch Sicherheit konnten sie bisher nur in wenige Stadtviertel bringen.

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Ein brasilianischer Blauhelm-Soldat auf Patrouille in Port-au-Prince

In der haitianischen Hauptstadt Port-au-Prince werden täglich Menschen entführt, Schießereien und Raubüberfälle sind an der Tagesordnung. Vor allem in das am Stadtrand liegende Armenviertel Cité Soleil traut sich Medienberichten zufolge niemand, dort herrschen Verbrecherbanden und von dort tragen diese Gewalt und Terror über die Rue Nationale 1 in die benachbarten Teile der Stadt mit ihren über zwei Millionen Einwohnern.

Schwer bewaffnet rücken brasilianische Blauhelmsoldaten zwei Mal pro Woche in das Stadtviertel Bel Air ein. Auch dieses zentrale Gebiet der Hauptstadt hatten Banden, Kriminelle wie auch Anhänger des Anfang 2004 gestürzten Präsidenten Bertrand Aristide, terrorisiert. Die Stadt versank nach dessen Sturz in zügelloser Gewalt, Anarchie und völligem Chaos.

Stoßtrupps im Einsatz

Seit August dieses Jahres fahren Soldaten der Stabilisierungstruppe der UNO ihre Einsätze, um Stadtviertel wie Bel Air wieder sicherer zu machen. Großräumig umstellen sie das Gebiet mit gepanzerten Fahrzeugen, dann dringen Stoßtrupps vor, auf der Suche nach Verbrechern und Unruhestiftern. Die meisten Behausungen sind jedoch leer, viele sind ausgebrannt, in einigen liegen Kleider, Fotos und Hausrat auf dem Boden. Und überall stehen Autowracks herum.

"Die Banden haben alles in Brand gesetzt und die Leute vertrieben, ehe sie selbst das Weite suchten", erklärte der brasilianische Oberstleutnant Andre Novaes in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. "Die ersten Einwohner kommen jetzt zurück, weil es wieder sicherer geworden ist." Novaes' Soldaten gehören zur Gruppe der rund 10.000 Polizisten und UN-Blauhelme, die das in Chaos und Gewalt versunkene Land stabilisieren sollen.

Drogenhandel blüht

Im Sommer war in Port-au-Prince eine spürbare Verbesserung eingetreten, nachdem die auf rund 10.000 Soldaten und Polizisten verstärkte UNO-Truppe gemeinsam mit der haitianischen Polizei hart gegen die Banden vorgegangen war. Dabei waren Entführte befreit, Kidnapper getötet, Bandenchefs erschossen worden. Und einige Stadtteile wurden sicherer.

Doch die Banden sind damit keineswegs verschwunden, Gewalt und Kriminalität auch nicht. Entführung und Drogenhandel sind ein lukratives Geschäft geblieben. Die Cité Soleil, der Slum am Stadtrand zwischen Meer und Flughafenlandebahn, ist zu einer Sonderzone für Gesetzlose geworden. Weder die haitianischen Behörden noch die jordanischen Einheiten der UNO-Truppe, die für die Zone zuständig sind, haben Einfluss auf das Geschehen in den unzugänglichen Elendsquartieren. Dort leben nach unterschiedlichen Angaben zwischen 150.000 und 800.000 Menschen.

Wahltermin verschoben

Viele Haitianer sind mit der Arbeit der Blauhelme unzufrieden. Sie sehen in den UN-Leuten Touristen, die mit ihren großen weißen Geländefahrzeugen ungerührt an dem Müll vorüber fahren und ihre Fahrzeuge vorzugsweise vor Restaurants parken.

Haiti gilt nach Einschätzung der "Süddeutschen Zeitung" mittlerweile neben Kongo, Somalia und Tschad als unregierbares Land - und das mit Duldung der Vereinten Nationen. Seit dem gewaltsamen Sturz Aristides vor knapp zwei Jahren verwaltet der ehemalige UN-Diplomat Gerard Latortue die Insel. Pläne zur Regierungsbildung sind mehrmals gescheitert. Eine geplante Präsidentenwahl ist erst Ende November verschoben worden, dieses Mal auf den 8. Januar 2006. Zu der Wahl, die von den Vereinten Nationen überwacht werden soll, wurden 35 Kandidaten zugelassen. Die neue Regierung soll dann zwei Jahre nach dem Sturz Aristides die Amtsgeschäfte aufnehmen. Bisher sieht es jedoch eher so aus, dass auch dieser Termin verschoben werden wird. (mas)

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