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Fußball

Blatter und Platini bleiben gesperrt

Der Paukenschlag im Weltfußball kommt mit Ansage: Die FIFA-Ethikkommission verurteilt Päsident Joseph Blatter und UEFA-Chef Michel Platini zu acht Jahren Sperre. Beide sind bereits seit Oktober suspendiert.

Die Tage von FIFA-Präsident Joseph S. Blatter (79) und UEFA-Boss Michel Platini (60) im Weltfußball sind wohl gezählt. Die Ethikkommission des Weltverbandes verhängte jeweils acht Jahre Sperre gegen die beiden zuvor

bereits provisorisch suspendierten Funktionäre.

Platini, der sich als Nachfolger Blatters für die anstehende Wahl des FIFA-Präsidenten beworben hatte, kann dieses Kapitel somit abhaken.

Blatter reagierte auf das Urteil kämpferisch. Auf einer mitunter wirren Pressekonferenz am ehemaligen FIFA-Hauptquartier in Zürich wies er jede Schuld von sich und bezeichnete sich selbst als Opfer. Er werde in dieser Affäre als "Boxsack" missbraucht. Blatter kündigte, ebenso wie Platini,

rechtliche Schritte gegen die Entscheidung an.

"Ich bin immer noch der Präsident", sagte Blatter, er fühle sich verraten. "Ich bin auch ein Kämpfer", fügte der Schweizer hinzu, "es ist nicht möglich, dass diese Angelegenheit so zu Ende geht."

Schweiz FIFA PK Blatter

Unrasiert und mit Pflaster: Blatter wirkte auf seiner Pressekonferenz angeschlagen

Zum Verhängnis wurde beiden die dubiose Zahlung von 1,8 Millionen Euro, die Platini im Jahr 2011 von Blatter angeblich für lange zurückliegende Beratertätigkeiten erhalten hatte. Die Ermittler vermuten Schmiergeld für Blatters Sieg bei der Präsidentschaftswahl im Sommer des gleichen Jahres. Beide Funktionäre hatten immer wieder die Rechtmäßigkeit der Zahlung beteuert - die Richter entschieden anders. Blatter und Platini haben demnach gegen die Artikel 20 (Angebot oder Annahme von Geschenken oder anderen Vorteilen), 19 (Interessenkonflikt), 15 (Loyalität) und 13 (Allgemeine Verhaltensregeln) des FIFA-Ethik-Codes verstoßen. Für den Vorwurf der Bestechung und Korruption reichten die Beweise in den Augen der rechtsprechenden Kammer nicht.

Geldstrafen für Blatter und Platini

"Herr Blatter hat in seiner Funktion als FIFA-Präsident diese Zahlung autorisiert, die aber keine rechtliche Grundlage in der von beiden unterschriebenen schriftlichen Vereinbarung vom 25. August 1999 hatte", teilte die Ethikkommission mit: "Weder in seinerschriftlichen Stellungnahme noch während seiner Anhörung war Herr Blatter in der Lage, eine rechtliche Grundlage für diese Zahlung nachzuweisen. Seine Behauptung eines mündlichen Vertrages wurde als nicht überzeugend eingestuft und von der Kammer zurückgewiesen."

Blatter wurde zudem zu einer Geldstrafe in Höhe von 50.000 (rund 46.000 Euro) Schweizer Franken verurteilt, Platini muss eine Geldstrafe in Höhe von 80.000 (rund 74.000) Schweizer Franken zahlen.

Wahl für Blatters Nachfolge im Februar

Jerome Champagne: Kandidat für Blatter-Nachfolge (Foto: picture-alliance/dpa/F. Arrizabalga)

Jerome Champagne: Kandidat für Blatter-Nachfolge

Dem FIFA-Kongress am 26. Februar kommt nun entscheidende Bedeutung zu. Einige der Kandidaten auf Blatters Nachfolge haben angekündigt, grundlegende Reformen anzustreben. Ursprünglich wollte Blatter selbst die Abstimmung zu seiner Nachfolge leiten, aber dieser Plan ist mit dem Urteil geplatzt.

Fünf Kandidaten

bewerben sich auf das Amt an der Spitze des Weltfußballs. Neben dem Jordanier Prinz Ali bin Al Hussein und Scheich Salman bin Ibrahim Al Khalifa (Bahrain), bewerben sich der Franzose Jerome Champagne, UEFA-Generalsekretär Gianni Infantino (Schweiz) und der Südafrikaner Tokyo Sexwale.

Platini scheidet als möglicher Kandidat als Nachfolger für Blatter aus. Bis zum 26. Januar müsste er sich nachträglich für die Wahl registrieren lassen, durch die Sperre ist das aber ausgeschlossen. Der Franzose erhielt trotzdem die Rückendeckung seines Verbandes. “Die UEFA unterstützt Michel Platinis Recht auf ein ordentliches Verfahren und die Möglichkeit, seinen Ruf wiederherzustellen“, hieß es in einer schriftlichen Stellungnahme der UEFA. Man sei „natürlich extrem enttäuscht“ über die Entscheidung.

Platini kündigt Einspruch an

Michel Platini auf einer Pressekonferenz (Foto: Getty Images/P. Schmidli)

Einspruch höchstwahrscheinlich: Platini gibt nicht auf

"Ich bin schon verurteilt, ich bin schon verdammt", hatte Platini am Samstag in einer von seinen Anwälten verbreiteten Stellungnahme gesagt. Zu seinem Anhörungstermin war der gesperrte Präsident der Europäischen Fußball-Union (UEFA) gar nicht erst erschienen. Dahinter steckte eine durchschaubare Taktik - die Diskreditierung der FIFA-Richter, um so schnell wie möglich die nächsten Instanzen anrufen zu können.

Als nächste Instanz müssten Platini und Blatter vor die FIFA-Berufungskommission ziehen, danach stünde der Gang vor den Internationalen Sportgerichtshof auf dem Programm. Der hat Platinis Einspruch gegen die provisorische 90-Tage-Sperre vom 8. Oktober

bereits abgeschmettert.

Es sei dadurch kein Schaden für Platini entstanden, hieß es. Nach der Sportgerichtsbarkeit würden ordentliche Gerichte am Zug sein. Der (Image-)Schaden für die FIFA wäre kaum abzusehen.

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