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Aktuelles

Blatter steht im Abseits

"Sie wollen mich weg." Dieser Satz beschreibt den Zustand von FIFA-Präsident Joseph S. Blatter. Blatter äußert sich so in einem Interview zu den Vorwürfen gegen ihn in der Korruptionsaffäre. Der DFB geht auf Distanz.

FIFA-Chef Joseph Blatter (Foto: Reuters)

FIFA Sepp Blatter Torlinientechnologie

Er habe nichts genommen, er habe nichts gewußt, und er habe auch nichts gebilligt. So äußert sich Blatter im Interview mit der Schweizer Zeitung "SonntagsBlick". Schuld tragen in seinen Augen andere: "Ich heiße weder Bestechung gut, noch unterstütze oder rechtfertige ist sie", sagte der Schweizer.

Millionen als Provision?

#video#Joseph Blatter war bis 1998 Generalsekretär des Weltfußballverbandes FIFA und folgte dann dem Brasilianer Joao Havelange als Präsident nach. Havelange und das langjährige FIFA-Exekutivmitglied Ricardo Teixeira hatten, wie in dieser Woche durch eine Aktenveröffentlichung durch das Schweizer Bundesgericht bekannt wurde, Schmiergeldzahlungen in Millionenhöhe von der inzwischen insolventen Marketingfirma ISMM/ISL angenommen.

Blatter verwies darauf, dass es die FIFA gewesen sei, die Strafanzeige erstattet und den Fall ISL ins Rollen gebracht habe. "Die Leute, die mich attackieren, wissen, dass es so ist, aber sie lassen nicht locker. Sie wollen mich weg."

Zu den Leuten, die Blatter attackieren, gehört inzwischen auch der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes, Wolfgang Niersbach. Er zeigte sich geschockt von der ersten abwiegelnden Reaktion Blatters. "Wenn nicht unbedeutende Persönlichkeiten der FIFA Geld kassiert haben und die Reaktion darauf ist, dass das damals nicht verboten war, dann können wir uns als DFB davon nur klar distanzieren", sagte Niersbach am Rande einer Schiedsrichtertagung in Altenstein.

Der DFB-Präsident Wolfgang Niersbach (Foto: dpa)

DFB-Chef Wolfgang Niersbach

Der DFB-Chef bezog sich damit auf eine erste Stellungnahme der FIFA, in der der schon lange umstrittene Blatter zunächst von "Provisionszahlungen" gesprochen hatte. Man habe solche Finanztransaktionen damals als Geschäftsaufwand sogar von den Steuern abziehen können. "Heute wäre dies strafbar. Man kann die Vergangenheit nicht mit den Maßstäben von heute messen. Ich kann also nicht von einem Delikt gewusst haben, welches keines war."

Ermittlungen durch das IOC?

Dass Blatter damit den Deutschen Fußball-Bund gegen sich aufgebracht hat, kann dem Schweizer nicht ganz egal sein. Schließlich ist der DFB der größte Mitgliedsverband in der Welt-Fußballorganisation. Der deutsche Liga-Chef Reinhard Rauball hatte Blatter schon am Freitag zum Rücktritt aufgefordert. Nach Agenturberichten bereitet inzwischen das Internationale Olympische Komitee (IOC) Untersuchungen gegen sein Mitglied Blatter vor. Kurz vor Eröffnung der Olympischen Spiele in London kann das IOC eine erneute Korruptionsdebatte kaum gebrauchen.

ml/nis (dpa, sid)