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Fußball

Blatter prüft angeblich Kehrtwendung

Spekulationen über eine Rolle rückwärts von FIFA-Präsident Blatter sorgen für Irritationen in der Fußball-Welt. Meldungen, wonach der Schweizer seinen Rücktritt vom Rücktritt plane, stoßen auf wenig Gegenliebe.

Rücktritt vom Rücktritt oder doch nur ein Blatter-typisches Manöver gegen seine schärfsten Kritiker? Der Kampf um den FIFA-Chefsessel könnte eine überraschende Wendung nehmen. Der

umstrittene Präsident Joseph S. Blatter

soll einem Medienbericht zufolge doch wieder über einen Verbleib im Amt nachdenken und hat damit deutliche Reaktionen hervorgerufen. Die Zeitung "Schweiz am Sonntag" berichtet unter Berufung auf das Umfeld des Fußball-Weltverbandschefs, Verbände aus Asien und

Afrika

wollten den angekündigten Rückzug des 79-Jährigen verhindern. Blatter wiederum fühle sich dadurch geehrt und schließe nicht aus, weiter an der Spitze des skandalgeschüttelten Verbands zu bleiben.

"Es ist schwer, jemanden zu finden, der ebenbürtig ist. Blatter hat eine faire Chance. Es kommt nun drauf an, wie er sich in den nächsten Monaten verhält", sagte Blatters persönlicher Honorar-PR-Berater Klaus J. Stöhlker der Zeitung: "Blatter hat den Verband zu einem globalen, sehr erfolgreichen Konzern aufgebaut - und er ist ein Spitzendiplomat." Außerdem, fügte der in Ludwigshafen geborene Medienexperte mit deutschem und schweizerischem Pass hinzu, sei Blatter der "gewählte Präsident".

Forderungen nach schneller Ablösung

Domenico Scala spricht beim FIFA-Kongress (Foto: EPA/ENNIO LEANZA dpa Bildfunk)

Domenico Scala will FIFA-Reformen ohne Blatter

Der

Deutsche Fußball-Bund

und Domenico Scala als Vorsitzender der FIFA-Compliance-Kommission erteilten dem möglichen Ansinnen Blatters gleich eine Absage. "Wir kennen auch nur die Medienberichte aus der Schweiz, die uns in unserer klaren Haltung bestärken: Der von Blatter selbst angekündigte Rücktritt muss jetzt so schnell wie möglich formal vollzogen werden", sagte DFB-Mediendirektor Ralf Köttker und Scala betonte: "Für mich sind die Reformen das zentrale Thema. Deshalb halte ich es für klar unverzichtbar, den eingeleiteten Prozess des Präsidiumswechsels wie angekündigt umzusetzen."

Der Schweizer Rechtsprofessor Mark Pieth, der als Anti-Korruptions-Experte der FIFA mit seinen Reformvorschlägen gescheitert war, geht sogar weiter. Blatter müsse sofort gehen. "Blatter kann sich nicht als "lame duck" für Monate an seinen Job klammern. Es macht keinen Sinn, weiter Zeit zu verschwenden mit politischen Machtspielen." Genau darin ist Blatter aber ein Meister seines Fachs. Zu den Spekulationen wollte sich der Machtmensch nicht äußern, seine Tochter Corinne schließt im Gespräch mit der Schweizer Zeitung "Blick" eine Kehrtwendung hingegen aus: "In Anbetracht der

Ankündigung meines Vaters vom 2. Juni

erübrigt sich jeder weitere Kommentar."

Spekulationen bleiben

FIFA-Präsident Joseph Blatter geht an UEFA-Präsident Michel Platini und DFB-Präsident Wolfgang Niersbach (l.-r.) vorbei (Foto: picture-alliance/dpa/O. Weiken)

Positionsbestimmung nach Blatters Abgang: Was machen UEFA-Präsident Platini und DFB-Präsident Niersbach?

Obwohl dem gewieften Taktiker - auch trotz des Dementis seiner Tochter - ein Stimmungswandel zuzutrauen wäre, dürften Blatter alleine die jüngsten Misstrauensbekundungen seine weitgehende Isolation vor Augen geführt haben: Zunächst hatte das

Europa-Parlament

ebenfalls seinen sofortigen Rücktritt gefordert, ehe die globale

Kriminalpolizei-Organisation Interpol

die mit einer 20-Millionen-Euro-Spende der FIFA geförderte Partnerschaft zur Bekämpfung des Wettbetrugs aussetzte.

Dennoch: Völlig auszuschließen scheint ein Verbleib Blatters nicht zu sein. Von den möglichen

Nachfolgekandidaten

kristallisiert sich noch keiner heraus, der auf dem außerordentlichen Kongress eine Mehrheit für sich erzielen könnte. So hat sich UEFA-Chef Michel Platini auch noch nicht zu einer möglichen Kandidatur geäußert, in Hinterzimmer-Gesprächen will der Franzose erst die Lage erörtern. Auch Brasiliens früherer Fußball-Star Zico, der portugiesische Ex-Weltfußballer Luis Figo oder der gegen Blatter gescheiterte jordanische Prinz Ali bin al-Hussein scheinen aktuell nicht mehrheitsfähig zu sein. So könnte es am Ende doch

wieder auf Blatter hinauslaufen.

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