1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Sprachbar

Blatt

Es erfreut das Auge. Es kann zum Basteln und Spielen genommen werden. Es bietet Informationen – das Blatt. Wenn es sich wendet, kann es zum Guten der zum Schlechten sein.

Das Stichwort dieser Woche heißt "Blatt". Wir werden das Blatt von verschiedenen Seiten betrachten, den bildhaften und den gegenständlichen. Die richtigen Blätter – die an den Laubbäumen – wenden sich tatsächlich. Und zwar so um den 21. Juni, zur Zeit der Sommersonnenwende.

Umgekehrte Blätter

Schon Theophrast, ein griechischer Philosoph, der im 4. vorchristlichen Jahrhundert lebte, hat dieses Phänomen in seiner "Geschichte der Pflanzen" beschrieben. Dort ist festgehalten, dass Ölbäume, Linden, Ulmen und Weißpappeln ihre Blätter umkehren. Dieses "Blattwenden" ist in unterschiedlicher Deutlichkeit bei allen Laubbäumen zu beobachten.

Ein Bauernspruch aus dem Hessischen lautet: "Sankt Veit legt sich das Blatt auf die Seit". Gemeint ist der Veitstag: der 15. Juni.

Historische Flugblätter

Es ist Herbst geworden. Der Wind zaust die Bäume und wirbelt Blätter durch die Luft. Sie scheinen zu fliegen. Mit diesem Bild vor Augen ist leicht zu verstehen, was mit dem Wort Flugblatt gemeint ist. Wir alle kennen sie, die Flugblätter, einzelne Papierseiten bedruckt mit Mitteilungen aller Art; meist handelt es sich um Werbung. Um 1845 sind in München die berühmten "Fliegenden Blätter" entstanden: lose Blätter mit kuriosen Nachrichten, merkwürdigen Begebenheiten und witzigen Zeichnungen.

Blatt und Blätter, das bedeutet auch Zeitung beziehungsweise Zeitungen. Tage- und Wochenblatt sind gängige Ausdrücke. Wenn ein wichtiges, ja sensationelles Ereignis landesweit in der Presse gemeldet, ausführlich dargestellt und kommentiert wird, dann "rauscht es im Blätterwald". Oft geht es auch um Personen, die alles andere als ein "unbeschriebenes Blatt" sind, deren Lebenswandel sich vorzüglich für die Klatschspalten der Skandalblättchen eignet.

Flach und zwei Seiten

"Blat" – mit einem "t" geschrieben – ist schon seit althochdeutscher Zeit das Wort für die Buchseite und das "botanische" Blatt. Beide – um es ganz einfach zu sagen – sind flach und haben zwei Seiten. Von daher sind viele übertragene Bedeutungen unseres Stichworts leicht zu verstehen. An erster Stelle das "Blatt Papier".

Auch zu einem Kartenspiel sagt man Blatt. Skatblatt beispielsweise. Die Spieler haben ein gutes Blatt, das heißt günstige Karten, oder ein schlechtes Blatt. Viele Dinge, die ganz einfach flach sind, werden mit "Blatt" näher bezeichnet. Da gibt es das "Sägeblatt", das "Ruderblatt" und das "Bugblatt" bei den Tieren. Das ist der Körperteil, in dem das Herz sitzt, das der Jäger mit einem "Blattschuss" zu treffen versucht.

Allerliebstes Herzblatt!

Nicht mit dem Bugblatt zu verwechseln ist das "Herzblatt". Dieses ist, ganz wörtlich genommen, das innerste Blatt einer Pflanze. Man spricht von Salatherzen, oder in übertragener Bedeutung als Kosename vom "allerliebsten Herzblatt".

Wenn wir schon Salatherzen erwähnen, dürfen wir natürlich die "Blattsalate" nicht vergessen. Ja, das Essen. Was wäre die feine Küche ohne selbst gemachte "Blätterteigpastetchen" oder "Blätterteigtaschen", mit Herzhaftem oder Süßem gefüllt, zum Beispiel mit Feigenmus.

Das Feigenblatt

Natürlich! Das Feigenblatt! Angeblich bedeckt es auf unzähligen Gemälden die Blöße nackter Menschen und ist doch meist ein Ahorn- oder Weinblatt, denn diese sind größer als ein Feigenblatt. Wie auch immer, das Feigenblatt ist zum Synonym des Verhüllenden schlechthin geworden.

Übrigens wurden Blätter, meist größere, auch vor das Gesicht gehalten. Von Schauspielern nämlich. "Ehe die Komödianten die Masken erfanden, haben sie das Gesicht mit Feigenblättern verstellt und ihre Stichelreden vorgebracht" heißt es in einem alten Buch.

Offenheit gefragt

Wer hingegen "kein Blatt vor den Mund nimmt", der versteckt sich nicht und sagt offen seine Meinung. Das kann mitunter bewirken, dass sich das Blatt zum Guten wendet.

Fragen zum Text

Die berühmten "Fliegenden Blätter" sind entstanden: …

1. um 1845.

2. um 1996.

3. im Mittelalter.

Die Redensart kein Blatt vor den Mund nehmen bedeutet, …

1. dass jemand offen seine Meinung sagt.

2. dass jemand nicht sprechen kann.

3. dass jemand Mundgeruch hat.

Welches der drei Blätter gibt es nicht?

1. das Sägeblatt

2. das Flugblatt

3. das Nierenblatt

Arbeitsauftrag

Erstellen Sie eine Liste von 20 Wörtern, in denen das Wort Blatt vorkommt. Schreiben Sie dann einen Text, in dem Sie die Wörter sinnvoll in einer Geschichte unterbringen.

Autor: Michael Utz

Redaktion: Beatrice Warken

Die Redaktion empfiehlt

WWW-Links

Audio und Video zum Thema

Downloads