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Europa

Blasmusik für Benedetto

Bei seiner letzten Generalaudienz auf dem Petersplatz in Rom jubelten dem gerührten Benedikt bis zu 150.000 Menschen zu. Wie erlebten Pilger aus Deutschland, Indien und Kenia diesen besonderen Tag?

Für Barbara Kramer von der Blaskapelle begann der Tag in Rom früh: Aufstehen um halb sechs. Vom Hotel marschierten die Bayern aus Traunstein zusammen mit dem Schützenverein und Trachtengruppen zum Petersplatz. Viele Pilger aus dem deutschen Bundesland Bayern, aus dem Benedikt XVI. gebürtig stammt, reihten sich spontan ein. "Wir in Traunstein fühlen uns mit dem Benedikt sehr verbunden, denn er ist ja dort zur Schule gegangen", erzählt Barbara Kramer, die in der Kapelle das Becken schlägt. Am Petersplatz warten bereits Stunden vor der letzten Generalaudienz tausende Menschen auf Einlass. Sie klatschen begeistert, als die Bayern vorbeimarschieren. Vorne weg ein Fahnenträger.

An der Sicherheitskontrolle ist dann aber erst einmal Schluss. Die Schweizer Gardisten und italienischen Polizisten sind unerbittlich. Nach einigem Gerangel darf die Kapelle durch. Die Schützen, Dirndl- und Lederhosenträger müssen sich ganz normal anstellen. So wird der Bayern-Block in mehrere Teile getrennt. "Das war schon ein ziemliches Durcheinander", bedauert Manfred Kneidl aus Waging, der zur Gruppe gehört und nun ziemlich alleine auf seinem Plastikstuhl sitzt. Immerhin hat er eine gute Sicht auf die Treppen des Petersdoms, auf denen der Papst unter einem Baldachin aus weißem Metall sitzen wird. Im Ohr hat Manfred Kneidl einen blauen Kopfhörer. Er ist wie alle Mitreisenden zumindest akustisch über Funk mit dem Reiseführer der Traunsteiner verbunden. "Mir ist es ganz wichtig, dass ich heute den päpstlichen Segen noch einmal bekomme", sagt der gläubige Katholik. Und natürlich ein Foto als Andenken.

Barbara Kramer spielt das Becken in der bayrischen Blaskapelle aus Traunstein (Foto: DW / Bernd Riegert)

Der bayerische Papst wird zünftig verabschiedet: Barbara Kramer aus Traunstein

"Das ist ein Triumphzug"

Die stundenlange Wartzeit bis die Audienz endlich beginnt, vertreiben sich die meisten Pilger mit gegenseitigem Fotografieren und Filmen. Ab und zu branden rhythmische "Benedetto"-Gesänge auf. Eine spanische Jugendgruppe singt unablässig. Mitten im Gewühl sitzen aber auch Priester, die still in ihren Gebetsbüchern lesen, und Nonnen, die auf dem I-Pad noch schnell die Schwestern daheim auf dem Laufenden halten. Auf dem Petersplatz herrscht ein unglaubliches Sprach- und Fahnengewirr. Die bayerischen Fans sind eher in der Minderzahl. Die meisten Besucher kommen aus Italien. Albanische, brasilianische und slowakische Flaggen werden geschwenkt. Eine kleine indische Flagge hat Majo Marottikkal aus Kerala in der Hand. Er studiert in Rom Theologie und wird Priester. "Dieser Papst war wirklich toll", sagt Majo Marottikkal und fügt bedauernd hinzu: "Wir werden ihn vermissen, er war ein Stück unseres Herzens. Er war ein wirklicher Vater für uns."

Majo Marottikkkal (links) mit indischer Fahne und Manoj Meppurathu (rechts) (Foto: DW / Bernd Riegert)

Majo Marokttikkal (li.) und Manoj Mepprathu aus Kerala

Dann erscheint um 10.36 Uhr mit etwas Verspätung das Papamobil mit einem lächelnden und winkenden Joseph Ratzinger an Bord. Ohrenbetäubender Jubel der rund 200.000 Besucher brandet auf. Die meisten können den Papst allerdings nur auf den riesigen Bildschirmwänden sehen. Alle stehen jetzt auf ihren Stühlen oder drängen an die Absperrungen, an denen das Papamobil langsam vorbeifährt. "Das ist keine Abschiedsveranstaltung, sondern ein Triumphzug", sagt der Schweizer Student Mark anerkennend und versucht, mit hochgereckten Armen ein Foto vom Papst zu machen.

Papst Benedikt XVI fährt bei seiner letzten Generalaudienz auf dem Petersplatz im Papamobil durch die Menschenmenge. Vor ihm Sicherheitspersonal, hinter ihm ein Kameramann von Vatikan TV. (Foto: DW / Bernd Riegert)

Letzte Rundfahrt über den Petersplatz: Am 28. Februar dankt Benedikt XVI. ab

"Ein herzliches Vergelt's Gott"

In seiner Ansprache verabschiedet sich Benedikt XVI. von den Gläubigen und sagt einfach: "Danke!" in sechs Sprachen. "Ich werde der Kirche weiter dienen durch Gebet und Reflexion. Der Papst ist nicht alleine für die Kirche verantwortlich", sagt der Pontifex und wird mehrfach durch Applaus und stehende Ovationen unterbrochen. Auch Tränen fließen, trotz allen Jubels. Der Papst lauscht der "Bayern-Hymne", die die Traunsteiner Blaskapelle anstimmt. "Die haben lange geübt, schließlich schauen Menschen aus aller Welt zu", weiß Manfred Kneidl. "Und der Papst mag Blasmusik." Das stimmt offenbar, denn Benedikt XVI. bedankt sich auf Deutsch für den Gruß aus der Heimat. Er dankt für den Respekt, den die Menschen seiner Entscheidung gezollt haben, auf den Stuhl Petri zu verzichten. "Ein herzliches Vergelt's Gott!", ruft der Papst. Er wirkt müde und auch ein wenig erleichtert, dass er sich jetzt zurückziehen kann in die Abgeschiedenheit von Castel Gandolfo. Die sonst bei Generalaudienzen üblichen kurzen Gespräche mit einzelnen Pilgern hat der fast 86-jährige Papst bei diesem letzten Auftritt ausfallen lassen. Nach Erteilung des letzten Segens verschwindet Joseph Ratzinger im Papamobil ohne weitere Runden über den Petersplatz.

Schwester Elisabeth, Franziskaner-Nonne aus Kenia, lebt im Kloster in Pescara, Italien (Foto: DW / Bernd Riegert)

Benediktiner-Nonne Elisabeth aus Kenia kann sich einen Papst aus Afrika vorstellen

"Wir haben viele gute Leute"

Schwester Elisabeth aus Kenia ist selig, dass sie ihren Papst noch einmal gesehen hat. Die Franziskaner-Nonne schießt mit ihren Mitschwestern noch Erinnerungsfotos, als der Petersplatz sich leert. "Er ist für das Wohl der Kirche zurückgetreten. Das ist die prophetische Botschaft, die er uns heute vermittelt hat. Der Kirche soll und wird es gut gehen. Er hat seine Grenzen und sich selbst akzeptiert. Das sollen wir auch tun, wir sollen uns selbst akzeptieren, wie wir sind", fasst Schwester Elisabeth ihre Botschaft der letzten Worte von Benedikt XVI. zusammen. Sie hätte nichts dagegen, wenn der nächste Papst aus Afrika oder sogar aus Kenia kommt. "Wir haben viele gute Leute", sagt sie lachend, "Präsident Obamas Vorfahren kommen schließlich auch aus Kenia." Dann wird Schwester Elisabeth aber wieder ernst und sagt: "Der Papst ist der Papst, egal wo er herkommt. Schließlich wird er von Gott ausgewählt."

Menschenmenge auf dem Petersplatz bei der letzten Generalaudienz von Papst Benedikt XVI. Im Vordergrund ein betender Priester aus Italien (Foto: DW / Bernd Riegert)

Beten und Jubeln für den Papst: 200.000 Menschen sind gekommen

Für Barbara Kramer und die Traunsteiner Blaskapelle war es ein erfolgreicher Tag, schließlich hat es ein Traunsteiner Unternehmer mit Beziehungen in die Kurie organisieren können, dass alle ganz nah beim Papst in der ersten Reihe saßen. Und am Freitag heißt es wieder früh aufstehen. Um halb sieben fährt der Bus zurück nach Bayern.

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