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Politik

Blankoscheck vom Volk

Neun Monate nach den Terrorangriffen in den USA hat die Neugier der Amerikaner auf internationale Geschehnisse nicht wirklich zugenommen. DW-Korrespondent Udo Bauer über Desinteresse und Ahnungslosigkeit.

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Zugegeben, es gibt mittlerweile Amerikaner, die ungefähr wissen, wo Pakistan und Afghanistan auf dem Globus zu finden sind. Immerhin führen die USA in dieser Region Krieg. Ansonsten aber wird man als Beobachter den Eindruck nicht los, dass die Durchschnittamerikaner an der Anti-Terror-Kampagne ihrer Regierung nur eins interessiert, nämlich, dass sie wieder ungestört ihren "American Way of Life" leben können, ohne von irgendwelchen Terroristen dabei gestört zu werden.

Jedem müsste am 9. September klar geworden sein, dass Ereignisse im Ausland unmittelbaren Einfluss haben auf Geschehnisse in Inland, und dass das gerade für die einzige verbliebene Supermacht gilt, die wirtschaftlich und militärisch weltweit präsent ist. Trotzdem verfolgen laut einer Studie des 'Pew Research Centers' nur 21 Prozent der Amerikaner internationale Nachrichten. Interessant auch die Begründung für dieses Desinteresse. Die meisten Befragten gaben an, ihnen fehle schlichtweg der Hintergrund zum Verständnis von Nachrichten "aus Übersee", 45 Prozent sagten aus, dass internationale Ereignisse ohnehin keinen Effekt auf ihr Leben hätten.

Auf der anderen Seite fragen sich die Amerikaner immer in schier grenzenloser Naivität, warum so viele Menschen auf der Welt mit ihnen bzw. ihrer Regierung Probleme haben. Die US-Bürger teilen die Skepsis des Auslands gegenüber der amerikanischen Außenpolitik offenbar nicht. Im Gegenteil darf die Bush-Administration im Grunde alle möglichen internationalen Verträge kündigen und nach Herzenslust dem Unilateralismus frönen, ohne dass sich im Lande irgendeiner außer einer Handvoll Intellektueller darüber aufregt.

Wenn es vermeintlich der nationalen Sicherheit dient, dann darf der Präsident alles: Milliarden Dollar ausgeben für ein nutzloses Raketenabwehrsystem, einen Krieg mit Irak provozieren, amerikanische Moslems monatelang ohne Anwalt und richterliche Vorführung internieren, und, und, und. Der Zweck heiligt die Mittel und jeder klatscht Applaus. Nur nicht Millionen von Moslems weltweit. Aber für die interessiert man sich ja nicht in 'Gottes eigenem Land', zum Verständnis - wie gesagt - fehlt ja der Hintergrund.