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Europa

Blair verteidigt Irak-Krieg

Bei seiner zweiten Anhörung vor einer britischen Kommission zum Irak-Krieg bleibt Tony Blair dabei - Als Premierminister habe er keine Fehler gemacht.

Tony Blair, ehemaliger britischer Premierminister (Foto: dpa)

Blair steht zu seinen Entscheidungen

Premier Tony Blair musste am Freitag (21.01.2011) erneut vor einer Untersuchungskommission zu den Gründen des Irakkriegs aussagen. Die Kommission um den ehemaligen britischen Spitzenbeamten John Chilcot wollte vom ehemaligen Regierungschef wissen, warum er sich über den Rat seines Rechtsberaters hinwegsetzte. Der britische Generalanwalt Peter Goldsmith hatte im Janaur 2003, wenige Wochen vor Beginn der Irak-Invasion, gewarnt, der Krieg sei völkerrechtlich nicht gedeckt.

Blair gab zu, er habe diese Warnung ignoriert und dem damaligen US-Präsidenten, George W. Bush, seine unbedingte Unterstützung zugesagt. Die juristischen Bedenken seines Rechtsberaters nannte Blair bei seiner Befragung nur "vorläufig". Schließlich änderte Goldsmith seine Meinung noch kurz vor dem Waffengang. US-Diplomaten versuchten in dieser Zeit, den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen zu überzeugen, dass der irakische Diktator Saddam Hussein Massenvernichtungswaffen besaß.

Diese Waffen wurden nie gefunden. Die Geheimdiensterkenntnisse waren offensichtlich falsch oder gefälscht. Trotzdem hält Tony Blair den Einmarsch im Irak für gerechtfertigt. Nach dem 11.09.2011, den Terroranschlägen auf die USA, sei klar gewesen, dass die Sicherheitslage sich veränderte und Saddam Hussein eine Gefahr für die Welt gewesen sei, sagte Blair. Bereits im Sommer 2002 sei er mit Präsident Bush überein gekommen, dass Saddam beseitigt werden müsse: "Was ich zu Präsident Bush gesagt habe, ist sehr einfach und eindeutig: 'Sie können auf uns zählen, wir werden an ihrer Seite stehen, aber es wird schwierig werden."

2003 besucht US-Präsident für einige Stunden Nordirland um mit Tony Blair über den Kriegsverlauf zu beraten (Foto: AP)

2003 während des Irak-Kriegs: Gute Freunde Blair und Bush (rechts)

Erstmals ein wenig Bedauern

Großbritannien entsandte auf Blairs Befehl hin 45 000 Soldaten in den Irak. 179 Soldaten fielen. Die Angehörigen zeigten sich bereits vor einem Jahr empört über Blairs Festhalten an den Kriegsgründen. Diesmal betonte Tony Blair, er bedaure die Verluste zutiefst. Er bedaure aber nicht, dass er sich für den Krieg entschieden habe. Daraufhin waren im Saal erboste Zwischenrufe zu hören. Blairs Entscheidung an der Seite von George W. Bush den Irak-Feldzug zu beginnen ist sehr umstritten und führte nach dem Ende seiner Amtszeit 2007 zu bitteren Auseinandersetzungen.

2009 nahm die Untersuchungskommission ihre Arbeit auf. In London demonstrierten vor dem Gebäude, in dem die Kommission tagt, 50 Menschen und nannten Blair auf Plakten einen "Lügner" und "Kriegstreiber". Nach Meinung von Beobachtern agierte Blair bei seiner Befragung nicht so arrogant wie im letzten Jahr. Er sagte, man könne auch zu einer anderen Bewertung von bestimmten Fakten kommen. Der 57-jährige Tony Blair ist heute Sondergesandter des Nahost-Quartetts, das aus den Außenministern der USA, Russlands, der EU und einem Vertreter der Vereinten Nationen besteht.

Autor: Bernd Riegert
Redaktion: Fabian Schmidt

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