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Politik

Blair entschied Irak-Einsatz alleine

Im britischen Kabinett gab es erhebliche Zweifel gegenüber einem Militär-Einsatzes im Irak. Das geht aus einem Buch hervor, das der frühere Kommunikationsdirektor von Ex-Premier Tony Blair nun veröffentlicht hat.

Ex-Premier Tony Blair, Quelle: AP

Mann der einsamen Entscheidungen: Großbritanniens Ex-Premier Tony Blair

Der frühere britische Premierminister Tony Blair war als einziger britischer Regierungsvertreter restlos überzeugt vom Irak-Krieg. Im Kabinett hat es nach Darstellung seines früheren Kommunikationsdirektors Alastair Campbell tiefe Zweifel an der Entscheidung für die Intervention gegeben.

Außer Blair habe jedes Kabinettsmitglied Bedenken an dem Einsatz geäußert, schrieb Campbell. "Wir hatten alle ziemlich schwere Momente des Zweifels", heißt es in den am Montag (9.7.07) veröffentlichten Auszügen aus Campbells Erinnerungen an die Blair-Ära. Das 794 Seiten starke Buch trägt den Namen "Die Blair-Jahre" ("The Blair Years").

"Körperlich krank"

Selbst die Blair-Verbündeten John Reid und John Prescott hätten "körperlich krank" ausgesehen, als das Kabinett vor der entscheidenden Parlamentssitzung zum Beschluss über den Irak-Krieg zusammentraf. Blair selbst habe entweder keine Zweifel gehabt, oder er habe sie sogar vor seinen engsten Mitarbeitern verborgen, heißt es in den Erinnerungen Campbells weiter.

Das Buch "The Blair Years", das in den britischen Zeitungen bereits seit Samstag für Furore sorgt, ist der erste ziemlich umfassende Insider-Bericht über die zehnjährige Regierungszeit Blairs. Vor der Veröffentlichung seiner Memoiren hatte Campbell aber bereits eingeräumt, nur einen Bruchteil seiner Aufzeichnungen publik zu machen.

Alastair Campbell, früher Kommunikationsberater von Ex-Premier Blair, Quelle: AP

Bricht das Schweigen: Alastair Campbell, früher Kommunikationsberater von Ex-Premier Blair

Er erzählt auch einige Episoden aus dem spannungsreichen Verhältnis zwischen Blair und seinem Nachfolger Gordon Brown. Allerdings hielt er sich dabei nach eigenen Angaben eher zurück, weil er der Opposition keine "Goldgrube" an Argumenten gegen Brown öffnen wollte. Dennoch kündigte Brown an, er werde das Buch nicht lesen. Blair war Ende Juni nach zehn Jahren im Amt zurückgetreten und hatte Schatzkanzler Gordon Brown den Weg an die Spitze der Regierung freigemacht.

Blair wollte schon 2002 zurücktreten

Nach Campbells Darstellung stand Blair in der Mitte des Jahres 2002 kurz vor dem Entschluss, das Amt des Premierminister aufzugeben. Er habe am 11. Juli 2002 "eine Gruppe von Beratern" ins Vertrauen gezogen, um aus innenpolitischen Gründen anzukündigen, dass er nur noch bis zum Ende seiner Amtszeit Premierminister bleiben und dann nicht wieder kandidieren wolle. Allerdings hätten ihn die Ereignisse rund um die Vorbereitung der US-Invasion im Irak von diesem Plan abgebracht.

Campbell wurde schon 1994 von Blair angeheuert, als dieser noch nicht Regierungschef war. Im August 2003 musste der gefürchtete "Spindoctor" wegen des Vorwurfs abtreten, er habe das Irak-Dossier zugunsten der Kriegsbefürworter manipuliert. In dem früheren Zeitungsjournalisten sehen viele die zentrale Figur hinter Blairs Aufstieg und dessen Ruf, immer mediengerecht aufzutreten und Imagefragen über Inhalte zu stellen. (tos)

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